Die Verdolung des Haiterbachs im Bereich des Netto-Markts ist offenbar stark gefährdet. „Das kann jeden Tag einstürzen“, ist die klare Botschaft. Eine endgültige Lösung wird teuer.
„Gefahr im Verzug“, „sofortiger Handlungsbedarf“: Die Formulierungen in der jüngsten Sitzung des Haiterbacher Gemeinderats haben Signalwirkung. Ungeachtet dessen, dass sich aus dem Gremium auch Ansätze von „das wird schon noch gut gehen“ mischen.
Letztlich ist die fachliche Einschätzung von Benjamin Stocker vom Oberndorfer Ingenieurbüro Plocher, der Planer in Sachen Betoninstandsetzung ist, eindeutig: Da sei nicht mehr viel, was der Verdolung Halt gebe. Es bestehe Einsturzgefahr.
Neu ist die Erkenntnis nicht. Seit vergangenem September hat man laut Bürgermeisterin Kerstin Brenner Gewissheit, wie es um die Substanz stehe. Ende Juli 2025 hatte das Gremium dem Büro Plocher den Auftrag erteilt, die schon damals offenkundigen Schäden eingehender zu untersuchen.
Die Verdolung ist durch den Schwerlastverkehr stark beansprucht. Besonders beschädigt ist die Verdolung des Baches im Zufahrtsbereich des Netto-Parkplatzes sowie an der Lkw-Anlieferung. Die Schäden lassen sich durch den Schwerlastverkehr sowie Streusalze und eventuelle Vorschäden der Substanz durch den Kunstdünger am ehemaligen Sportplatz erklären.
Viele Gespräche mit Netto und Eigentümerin
Seither habe es viele Gespräche auch mit der Grundstückseigentümerin und den Betreibern des Netto-Marktes gegeben. Einige Lösungsansätze seien zur Sicherstellung des Marktbetriebes wieder verworfen worden. Nicht einfacher wurde die Lage durch den Umstand, dass in der unmittelbaren Nähe der Verdolung auch eine Gasleitung verläuft. Diese müsse im Zuge der Umsetzbarkeit der geplanten Sofortmaßnahmen umverlegt werden.
Finaler Planungsstand ist nun, dass im Zufahrtsbereich die Reparaturen mittels einer oberirdischen Betonplatte und einer unterirdischen Deckenaufhängung mit Stahlkonstruktion umgesetzt werden.
Im Bereich der Lkw-Anlieferung soll ein Stahlträger die Einsturzgefahr beheben. Dieser soll vorbereitet angeliefert werden, sodass die Anlieferung des Netto-Marktes nur einen halben Tag bis Tag nicht möglich ist.
Zwischenlösung für maximal fünf Jahre
Alles, was jetzt an Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet werden soll, sind dabei Übergangslösungen. Der Gemeinderat beschloss so die Beauftragung der Firma Pfaffinger Rohrnetz-Sanierungstechnik mit der Verfüllung der Hohlstellen in der Bachsohle zu einem pauschalen Angebotspreis von 20.100 Euro netto.
Nach aktuellen Schätzungen liegen die Kosten der kompletten Sicherungsmaßnahmen bei 170.500 Euro.
Das gibt der Stadt aber nur eine Verlängerung von bis zu fünf Jahren. Dann braucht es eine endgültige Lösung. Eine teure dazu. Brenner sprach bei einer neuen Verdolung von einem Millionenprojekt. Im Gespräch ist seit Langem auch eine Offenlegung des Haiterbachs, die es auch bei neuen Bauprojekten in dem Gebiet – wie einem Supermarkt – aus behördlichen Vorgaben bräuchte.
Keine Verengung zulässig
Der Idee von Thomas Keck (CDU), einen Kanal einzulegen, wenn man schon öffnen müsse, erteilte Stocker eine Absage. Man dürfe den Querschnitt nicht weiter verengen.
Mathias Kaupp (CDU) sprach von einer Kröte, die man schlucken müsse. Über die Offenlegung spreche man schon 25 Jahre.
Patrick Walz (UBL) fragte sich da, wie man in drei Jahren eine Lösung erreichen könne, wenn man schon 25 Jahre darüber diskutiere.
Man habe sich in eine Ecke manövriert, die „alles andere als glücklich“ sei, sagte Gerhard Gutekunst (UBL), der sich schwer damit tat, mit so kurzem Vorlauf schnell mal 170.000 Euro auszugeben.