Die hohen Lohnzuwächse in der Industrie wird es vorerst nicht mehr geben. Foto: imago stock&people

Soziale Berufe holen gegenüber Industrieberufen auf. Das ist erfreulich, hat aber auch eine Schattenseite, meint unser Autor.

Es ist womöglich an der Zeit, sich von einem über Jahrzehnte gefestigten Bild zu verabschieden: Demnach werden in der Industrie des Landes üppige Gehälter bezahlt, während in den sozialen Berufen zu Dumpingbedingungen geschuftet wird. Anders gesagt: vor allem Männer haben stattliche Einkommen erzielt, während weitgehend Frauen in den Bereichen Pflege und Erziehung mit Minilöhnen abgefunden werden.

 

Die großen Trends dieser Zeit kehren die Verhältnisse um

Dieses Missverhältnis lässt sich nicht mal eben umkehren. Arbeit mit Maschinen wird immer noch besser bezahlt als Arbeit mit Menschen. Doch die Folgen der tektonischen Verschiebungen in der Arbeitswelt werden immer auffälliger, weil die großen Trends Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie die Vorzeichen verändern.

Industriegewerkschaften müssen kleinere Brötchen backen

Erzieherinnen und Pflegerinnen holen auf. Ihre Einkommenszuwächse sind laut der Statistik der Bundesagentur für Arbeit höher als die der Facharbeiter in den Fabriken. Das hat viel mit dem unterschiedlichen Personalbedarf zu tun, aber auch mit der Tarifpolitik: Die Industriegewerkschaften müssen angesichts des Abbaus von Produktion hierzulande ihre Ansprüche herunterschrauben.

Derweil gelingt es der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi immer besser, mit dem öffentlichen Dienst als Zugpferd die Gehälter im sozialen Bereich nach oben zu hieven. Es braucht jedoch beide Standbeine. Hoch dotierte Industriejobs sind eine Quelle des Wohlstands in diesem Land. Ohne sie sieht es düster aus.