Warnstreik in Albstadt-Ebingen Foto: Karina Eyrich

„Heute ist Streiktag, zusammen geht mehr“, tönte es am Mittwoch aus den Lautsprechern der Gewerkschaft Verdi: Die Dienstleister wollen „mehr Geld, mehr Zeit – wir sind es wert“, und vor allem die Pflegekräfte wollen: endlich mehr Kollegen.

„Nicht von dieser Welt“ hätten einige Kommunalpolitiker die Forderung der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft Verdi nach acht Prozent mehr Lohn, mindestens 350 Euro monatlich, und 200 Euro mehr für Azubi sowie unbefristete Übernahme Auszubildender in Vollzeit nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss genannt, sagt Martin Gross, Verdi-Landesleiter aus Tübingen, am Mittwoch beim Warnstreik in Albstadt.

 

Seinem Oberbürgermeister Boris Palmer, der zur Finanzierung die Reduzierung kommunaler Leistungen und Personals angekündigt habe, rät Gross, einmal mit den Müllwerkern, Erzieherinnen, Pflegekräften zu arbeiten, um selbst „wieder Teil dieser Welt zu werden“.

Gross: „Statt nach unten zu treten, sollten sie alle nach oben schauen.“

Eine Vermögenssteuer sei sinnvoll, die den Kommunen zugute kommen solle, so Gross: Damit diese Menschen zu so attraktiven Bedingungen einstellen könnten, „dass wieder mehr Menschen Lust darauf haben, etwas Sinnstiftendes für dieses Land zu leisten“.

Gut 100 Mitarbeiter des Zollernalb-Klinikums streiken

Stattdessen fehle es an Personal – wie sich das auswirkt, berichtet ein Mitarbeiter des Zollernalb-Klinikums, das die größte Gruppe der gut 100 Streikenden auf dem Ebinger Bürgerturmplatz stellt: „Bei uns ist es der Arbeitsdruck“, sagt er.

Nicht nur Wochenend- und Nachtdienste, bei denen hart gearbeitet werde, erhöhten diesen, sondern auch die Notwendigkeit, Personalmangel und -ausfälle zu kompensieren. „Lasst mir meine Freizeit, ruft nicht ständig an!“, das sei der Wunsch seiner Kolleginnen und Kollegen.

Mitarbeiter des Klinikums nehmen am Warnstreik teil. Foto: Karina Eyrich

Als die Ärzte im Januar streiken wollten, seien „ganz schnell acht Prozent mehr Gehalt“ angeboten worden, doch die Pflegekräfte, Sanitäter, Hol- und Bringdienste seien ebenso wichtig.

„Wir halten den Laden am Laufen – deshalb sollten die Arbeitsbedingungen so sein, dass wieder mehr junge Leute diesen an sich schönen Beruf ergreifen wollen“, betont der Pfleger.

Wie viel die Inflation aufgefressen hat, zeigt Martin Gross anhand zweier Spätzle-Pakete. Foto: Eyrich

Es geht also nicht nur ums Geld – aber eben auch, denn die letzte Tarifrunde vor der aktuellen habe längst nicht alle Löcher gestopft, welche die Inflation gerissen habe.

Wie groß die seien, zeigt Martin Gross – höchst anschaulich – anhand zweier Spätzle-Packungen: die eine voll, die andere sichtbar kleiner. Die Mieten in Deutschland seien 2024 um 4,7 Prozent gestiegen.

Neben Beschäftigten des Zollernalb-Klinikums sind wie Gewerkschaftssekretär Paul Stellwag abfragt auch Mitarbeiter der Stadt Albstadt und ein paar wenige von den Albstadtwerken da, niemand vom Landratsamt und der Sparkasse. Dafür ein paar Erst-Streikende.

Paul Waßmer erklärte den Ver.di-Mitgliedern, was sie dürfen. Foto: Eyrich

Ihnen und allen anderen erklärt Gewerkschaftssekretär Paul Waßmer, welche Rechte sie als Streikende haben und dass die Arbeitgeber nicht anordnen dürften, das Liegengebliebene nachzuarbeiten.