1,8 Millionen Euro hat Bad Dürrheim beim Ausgleichsstock für den Ausbau der Realschule zur Verbundschule beantragt. Es gibt auch planerisch einige Fragen, die es zu beantworten gilt. Ein Beispiel: Wie heizt man das komplette Gebäude?
Es gibt drei Varianten, eine davon würde teilweise mit Wasserstoff funktionieren. Alle drei wurden im Technischen Ausschuss vorgestellt. Zwei davon, so kristallisierte es sich heraus, würden in die engere Auswahl kommen. Eine weitere würde man eher nicht mehr verfolgen.
Den Altbau aus den 1970er-Jahren gilt es bei allen Varianten zu berücksichtigen. Dieser in der Fassade weitgehend aus Glas und Stahl bestehende Altbau bereitet Probleme – auch bezüglich möglicher Sanierungen, beispielsweise sind nur noch schwer oder gar keine Ersatzteile für die Fensterriegel zu bekommen, aus dem Grund sind einige nicht mehr funktionsfähig. Insgesamt ist er energetisch durchaus ein Groschengrab. Zusammen mit dem Erweiterungsbau aus dem Jahr 2014 liegen die Energiekosten bei 58 000 Euro im Jahr, bei der Wasserstoffvariante wurden stand jetziger Planung 32 000 Euro errechnet, inklusive Neubau.
Zwei Eisspeicher
In der Variante eins des neuen Heizkonzepts, das für den Altbau, den Erweiterungsbau und für den Neubau installiert werden kann, gäbe es zwei Eisspeicher mit einer Sole-Wärmepumpe, einer Luft-Wasser-Wärmepumpe zur Gebäudebeheizung und Regeneration des Eisspeichers, eine PV-Anlage zur Produktion des Strombedarfs der Schule sowie Heiz- und Kühldecken im Altbau.
Die Variante zwei ist wie die Variante eins konzipiert, allerdings ohne Heiz- und Kühldecken im Altbau, jedoch mit zusätzlichem Einbau einer Booster-Wärmepumpe zur Erreichung hoher Vorlauftemperaturen und eines Solar-Luft-Kollektors. Die Variante drei ist ebenfalls wie die Variante eins, allerdings mit zusätzlicher Wasserstoffanlage samt H2-Speicher.
Kühlen und heizen
Im Detail kann mit der Variante eins geheizt und gekühlt werden. Die beiden Eisspeicher haben ein Volumen von jeweils 565 Kubikmeter, die Sole-Wärmepumpe schafft 230 kW und die Luft-Wasser-Wärmepumpe 200 kW. Die Photovoltaikanlage hätte eine große von 300 kWh mit einem dazugehörenden Stromspeicher in der gleichen Größe, die Installation der Heiz-Kühldecke im Altbau soll für eine effiziente Gebäudebeheizung und zur Kühlung dienen.
Bei der Variante zwei wäre eine Kühlung für den Altbau nicht möglich, aber bei der Variante drei. Diese würde aus einem Eisspeicher bestehen, bekäme jedoch zur Erzeugung und Nutzung von grünem Wasserstoff eine Anlage, die aus einem Elektrolyseur, einem Tank und einer Brennstoffzelle besteht. Dieser Tank lässt aufhorchen, gut 18 Meter lang soll er sein, mit einer Wandstärke von sieben Zentimetern.
Spitzenzeiten abfangen
Stefan Jakobs, der das Konzept vorstellte, kommentierte dies: „Wasserstoff ist das kleinste Element, das wir haben, das flüchtet, wo es kann.“ Diese Wasserstoffanlage würde vor allem dazu dienen, die Spitzenzeiten abzufangen oder auch die so genannten Dunkelflauten, wenn beispielsweise im Winter die Photovoltaikanlagen wenig Strom liefern.
Nach den ersten Überlegungen soll der oder die Eisspeicher wie auch die H2-Anlage westlich der Turnhalle gebaut beziehungsweise vergraben werden. Für den Eisspeicher sei dies ein guter Standort, da es dort immer feucht sei und die Technik gut 30 Prozent Energie aus der Umgebungsfeuchte aufnimmt, so Jakobs.
Es gab jedoch innerhalb der Mitglieder des Technischen Ausschusses Bedenken bezüglich des Eisspeichers, da man im Gebäude Stadtkäfer I große Schwierigkeiten hatte. Jürgen Rebholz formulierte diese, er erinnerte an hohe Stromkosten, als die Technik nicht funktionierte. Dies hatte verschiedene Gründe äußerte sich Jakobs. Er verwies auf fehlende Wartung und falsche Einstellungen. Beides sei jedoch behoben und der betreuende Hausmeister entsprechend geschult.
Hohe Bezuschussung
Kämmerer Stefan Milles sieht bei den Varianten eins und drei eine Bezuschussung von 40 bis 60 Prozent, teilweise auch 90 Prozent durchaus als realistisch an. Bei den Folgekosten verwies er auf die CO2-Bepreisung wie auch auf steigende Strom- und Gaspreise. Die Frage, die man sich in diesem Zusammenhang auch stellen muss, ist die nach der Sanierung des Altbaus Realschule. Diese Varianten wären CO2-neutral und somit – vereinfacht gesagt – eine Sanierung Altbau nicht mehr unbedingt erforderlich.
Favorit schält sich heraus
Im Verlauf der Diskussion entwickelte sich ein bisschen ein Plädoyer für die Variante drei, bei der Wasserstoff die Spitzenzeiten auffängt. Jakobs erklärte: „Ich habe keine Bedenken bezüglich der Technik.“
Weiter verfolgen will man nun die Planungen für die Varianten eins und zwei hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der Amortisation. In diese Überlegungen müssen auch die gesetzlichen Vorgaben eingebunden werden, die 2040 eine CO2-neutrale Stadtverwaltung vorschreiben. „Am Schluss benötigen wir eine Variante, die funktionieren muss“, äußerte sich Bürgermeister Jonathan Berggötz.