In St. Georgen ließen die Menschen im vergangenen Jahr deutlich seltener die Fäuste sprechen als noch im Jahr zuvor: Weniger Fälle von Gewaltkriminalität als 2022 weist die Kriminalitätsstatistik der Polizei für 2023 aus. (Symbolfoto) Foto: © Bits and Splits – stock.adobe.com

Im Vergleich zu anderen Kommunen ist es eine ungewöhnliche, aber umso erfreulichere Entwicklung: 2023 wurden in St. Georgen weniger Straftaten polizeilich erfasst als im Vorjahr. Gerade die Gewaltkriminalität scheint in der Stadt auf dem Rückzug zu sein.

Sinkende Fallzahlen bei roher Gewalt und im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen sogar insgesamt – Kai Stehle, Leiter des Polizeireviers St. Georgen, konnte angesichts der Kriminalstatistik für das vergangene Jahr durchaus zufrieden sein mit dem Zahlenwerk. Viel Grün ist in der Tabelle zu sehen, die Stehle in die Sitzung des Gemeinderats mitgebracht hatte. Grün – das steht für weniger Fälle als noch im Vorjahr und auch dafür: „Man kann sich in St. Georgen richtig sicher fühlen“, bescheinigte Revierleiter Stehle.

 

Der Überblick

In Zahlen lässt sich dieses Gefühl so ausdrücken: 327 Straftaten wurden der Polizei im vergangenen Jahr in ganz St. Georgen gemeldet – das sind 6,8 Prozent weniger als noch im vergangenen Jahr, als den Beamten des hiesigen Reviers 351 Fälle zur Aufklärung vorlagen. Damit gehört die Bergstadt nicht nur im gesamten Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums Konstanz zu den Ausnahmeorten – insgesamt stieg die Zahl der Straftaten im Präsidiumsbereich um 8,9 Prozent –, sondern auch in der näheren Umgebung: 39 Straftaten mehr als noch im Vorjahr wurden der Polizei 2023 im Bereich des Reviers St. Georgen gemeldet. Das entspricht einer Steigerung von rund 3,5 Prozent.

Doch zurück zu den Zahlen für die Bergstadt – und zur Arbeit des örtlichen Reviers: Denn trotz des Rückgangs an Straftaten sank von 2022 auf 2023 auch die Aufklärungsquote von 70,1 auf 63,6 Prozent. Insgesamt 208 Fälle konnten die Beamten aufklären.

Positive Entwicklungen

Besonders positiv ist aus Sicht von Revierleiter Stehle der deutliche Rückgang im Bereich der Gewaltkriminalität: 17 Fälle weniger als noch im vergangenen Jahr bedeuten ein Minus von 70,8 Prozent.

Besonders augenfällig ist der Rückgang mit 91,3 Prozent beim Tatbestand der schweren Körperverletzung: 2023 wurden der Polizei in St. Georgen gerade einmal zwei solcher Fälle gemeldet – im Vorjahr hatte die Fallzahl mit 23 einen absoluten Höchststand erreicht, nachdem sie in den Vorjahren stets im einstelligen Bereich gelegen hatte. 2022 sei die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen „fast schon besorgniserregend“ gewesen, bekräftigte auch Stehle, der sich umso mehr freute, dass sich der extreme Aufwärtstrend in diesem Bereich im vergangenen Jahr nicht fortgesetzt hatte.

Auch bei Rohheitsverbrechen und solchen gegen die persönliche Freiheit gingen die Fallzahlen von 2022 auf 2023 abwärts – ebenso wie im Bereich der Ladendiebstähle, von denen die Polizei im vergangenen Jahr elf erfasste. Im Vorjahr waren es noch 16 gewesen.

Leicht zurück ging auch die Zahl der Rauschgiftdelikte in St. Georgen – zwölf Fälle verzeichneten die Beamten im Jahr 2023, nachdem es im Jahr zuvor 13 gewesen waren. Wie es hier in Zukunft aussehen werde, könne er nicht sagen, bekannte Stehle angesichts der Cannabis-Legalisierung. „Da muss man mal sehen, wie sich das neue Gesetz auswirkt.“

Positiv sah der Revierleiter, dass mit nur einem Fall kaum Gewalt gegen Polizeibeamte verübt wurde. Zwar sei „jeder Fall einer zu viel“ – dennoch befinde man sich hier in der Bergstadt auf einem guten Niveau.

Negative Entwicklungen

Doch nicht überall sind die Zahlen in Stehles Statistik grün eingefärbt – auch Rot, also eine Steigerung der Fallzahlen, sieht man an der einen oder anderen Stelle. Um 58,3 Prozent stieg etwa die Zahl der Diebstähle ohne erschwerende Umstände. 2023 lag sie bei 19 Stück. 75 Fälschungsdelikte verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr in St. Georgen – das waren acht beziehungsweise 11,9 Prozent mehr als 2022.

Auch drei Fälle von Cyberkriminalität tauchen in der Statistik auf – im Vergleich zum Vorjahr, als die Polizei nur einen solchen Fall vorliegen hatte, entspricht das einer Steigerung von 200 Prozent. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verzeichnete die Polizei 2023 im St. Georgen 15 nach zehn im Vorjahr. Beim Großteil dieser Fälle handele es sich um die Verbreitung pornografischer Schriften, erklärte Stehle.