Langes, kostenloses Dauerparken soll hier bald nicht mehr möglich sein. Foto: Fahrland

Das Parkhaus Wettestraße in Oberndorf könnte abgesehen von einer Kurzparkzeit, schon im Oktober gebührenpflichtig werden. Ein schrankenloses Softwaresystem mit Kennzeichenscannung wurde von der Stadtverwaltung vorgeschlagen.

Oberndorf - Der öffentliche Parkraum in der Oberstadt wird immer knapper. 45 Plätze sind durch den Verkauf und die Bebauung am Wöhrd entfallen. Weitere 40 bis 50 öffentliche Stellplätze gehen mit dem Parkplatz Wasserfallstraße verloren, sobald die Lebenshilfe mit dem Bau ihres Wohnheims beginnt.

Für das Parkhaus Wettestraße plant die Stadtverwaltung eine Parkraumbewirtschaftung, um das kostenlose Dauerparken zu steuern, den regelmäßigen Umschlag zu erhöhen und dem steigenden Bedarf an Parkplätzen gerecht zu werden. Rund 50.000 Euro würde eine Schrankenlösung mit Kassenautomat laut der letztjährigen Ermittlung von Architekt Dietrich Hopf kosten.

Dieser Haushaltsansatz ist bislang mit einem Sperrvermerk versehen. Stattdessen schlägt die Verwaltung ein schrankenloses Software-System mit Kennzeichenscanner vor. Die Einführung und Umsetzung kostet mit rund 23.200 Euro inklusive Kassenautomat weniger als die Hälfte.

Automatische Erfassung

Bei der Ein- und Ausfahrt werden die Kennzeichen der Nutzer automatisch erfasst und zur Ermittlung der Parkzeiten und Gebühren herangezogen. Laut Bürgermeister Hermann Acker soll es eine gebührenfreie Kurzparkzeit und für längere Parkzeiten eine Gebührenpflicht geben. Jens Hartmann vom Amt für Öffentliche Ordnung sowie der Unteren Verkehrsbehörde bei der Stadt Oberndorf stellte die favorisierte Lösung im Ausschuss für Technik und Umwelt vor.

Als das Parkhaus Wettestraße im November 2014 in Betrieb genommen wurde, habe man sich für ein liberales Parkkonzept entschieden, um die Akzeptanz zu fördern, erklärte Hartmann. Inzwischen werde das Parkhaus sehr gut angenommen. Zählungen durch die Planungsgruppe SSW Ludwigsburg bestätigten eine Auslastung von 85 Prozent.

Allerdings gebe es einen unzureichenden Umschlag der Parkplätze bei steigendem Bedarf. Dieser soll über eine schrankenlose, digitale Lösung des Start-Ups Peter Park System GmbH aus München erreicht werden. Das System entspreche der Datenschutzgrundverordnung. Parkhausnutzer könnten sich bei der Bezahlung für eine von vier App-gestützten, bargeldlosen Lösungen per Smartphone oder für den Kassenautomaten mit Bargeld oder Karte entscheiden. Die jährlichen Betriebskosten gelten als überschaubar und werden über die Einnahmen gedeckt.

Zahlreiche Vorteile

Doch es gibt aus Sicht der Verwaltung weitere Vorteile. Parkende würden nicht am Ausfahren gehindert, was bei einem technischen Defekt oder wegen Vandalismus an einer Schranke der Fall sein könnte. Die Kosten für eine Notfallbereitschaft rund um die Uhr entfallen ebenso wie Parkscheiben oder Parkscheine. Schrankenlose Systeme sind im Nachbarlandkreis Freudenstadt bereits im Einsatz. Erkundigungen bei der Stadt Horb fielen positiv aus. Dort habe man das System aufgrund guter Erfahrungen von einem Parkhaus auf weitere Objekte ausgeweitet. Wer vor Ablauf der gebührenfreien Parkzeit ausfährt, hat nichts zu befürchten. Wer sich danach ohne Bezahlung entfernt, begeht laut Hartmann eine Ordnungswidrigkeit.

Ob die Anzahl freier Parkplätze außen angezeigt werden könne, damit man nicht mehr vergeblich alle Stockwerke nach einem freien Parkplatz absuchen müsse, wollte Wolfgang Hauser (CDU) wissen. Jens Hartmann meinte, es sei zu teuer, jeden einzelnen Parkplatz zu digitalisieren, doch die Anzeige "frei" oder "belegt" sei machbar. Hauser bat um Mitsprache des Gremiums bei der Festlegung der Parkzeiten und Gebühren und erwähnte, im zweiten oberstädtischen Parkhaus am "Teich" scheine es häufig freie Plätze zu geben.

Jens Hartmann stellte eine Arbeitsgruppe in Sachen Gebühren in Aussicht. Die Höchstpreise pro Tag und Monat müssten an die Gebühren für das Anwohnerparken angeglichen werden. Acker stellte fest, es werde Änderungen geben, doch "von heute auf morgen" sei das System nicht eingeführt. Günter Niethammer (FWV) fände es am komfortabelsten, wenn nicht für jede Stadt in der Region eine andere Park-App erforderlich wäre. Offenbar nutzen sowohl Horb und Freudenstadt, als auch Rottenburg und Balingen das für Oberndorf geplante Konzept. "Dann müssen wir nur ja nur noch Rottweil dazu bewegen, sich ebenfalls anzuschließen", scherzte Acker.

Baulich sei der Aufwand am Parkhaus gering, bestätigte Jens Hartmann auf Rückfrage von Ruth Hunds (SPD). Über der Ein- und Ausfahrt werde ein Scanner installiert. Unweit davon sei bereits ein Stromanschluss vorhanden. "Wir könnten relativ zügig im Oktober starten". Der Technische Ausschuss empfahl dem Gemeinderat einstimmig, am 27. Juli die Software-Leistungen an die Peter Park System GmbH zu vergeben und den Sperrvermerk im Haushalt zum Einbau einer Schranke aufzuheben.

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