Die Zuschauer im Parktheater wurde unter anderem auch nach Afrika versetzt. Foto: Baublies

Die Schauspieler des Schattentheaters erzählten Geschichten mit bildhafter Wucht – ganz ohne Worte, aber mit vollem Körpereinsatz.

Es war verblüffend, welche Formen die acht Darsteller mittels der Technik und der Illusion des Schattenspiels hinter einer großen Leinwand erzeugen konnten. Ein Teil der Truppe, die zuerst noch als Körper zu erkennen ist, formt sich zum Beispiel fließend zu einem altmodischen, überdimensionalen Grammophon. Dabei ist eine Schellackplatte eines der wenigen Hilfsmittel.

 

Ein Paar beginnt zu tanzen. Hier werden die Farben zu den Formen spärlich eingesetzt. Dafür ist alleine die Abfolge der Lieder, die zu dieser längeren Szene gehören, eine Klasse für sich: Eine Mischung aus alten Schlagern, wie „Ich hab’ ’nen Cowboy als Mann“ (Gitte Haenning), „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ (Vicky Leandros) oder der Abspann aus dem Monty-Python Film „Das Leben des Brian“ mit „Always look on the bright side of Life“ sorgt für viel Gelächter. Der Clou: Das Grammophon beim Auftakt der verschiedenen Szenen hat wunderbar gekratzt.

Ein Paar tanzt zur Musik eines Grammophons. Foto: Baublies

Neben der musikalischen Reise, einer Mischung aus Rock, Pop, Schlagern und gelegentlich Jazz, ist eine Reise durch die Literaturgeschichte die zweite zusammenhängende Erzählung des Abends. Auch hier verblüffen die Schauspieler durch ihre Wandelbarkeit und kreieren phantasievolle Figuren allein aus dem Schatten menschlicher Körper.

Es ist verblüffend, was die acht Darsteller alles zu zeigen vermögen

Eine Windmühle und der „Ritter von der traurigen Gestalt“ muss man hier erwähnen. Dabei sind es erneut nur die acht Mitglieder, die neben den Flügeln der Windmühle auch Don Quichotte samt seiner Rosinante sowie Sancho Pansa auf dem Esel erzeugen. Die Balkonszene aus Romeo und Julia oder der Kampf von Kapitän Ahab mit Moby Dick ergänzen diese Reise, wie auch der Klassiker Wilhelm Tell. Diese Bilder wechseln sich mit moderner Fantasy zur bekannten Musik aus den Harry-Potter-Filmen ab. Auch die Arche Noah gehört dazu, bei der auch eine Schnecke an Bord kommen darf

Neben den erzählten Geschichten, zu denen eine Zeitreise von der Kreidezeit durch die Steinzeit in das Römische Reich und durch das Mittelalter gehören, überzeugt das Ensemble mit einer Betrachtung unseres blauen Planeten von außerhalb: Die Besucher erleben Feuer, Fluten, Dürren und Erdbeben, um am Ende zu erkennen, was für ein Verlust es wäre, sollte unsere Umwelt zugrunde gehen.

Ein Motorrad, gebildet aus menschlichen Köpern. Foto: Baublies

Szenenapplaus gibt es für die Ohrfeigen, die ein Schauspieler der Silhouette eines amerikanischen Präsidenten zufügt. Da Donald Trump als „The Donald“ bei Karikaturisten mittlerweile ein festes Zerrbild gefunden hat, ist nur wenig Fantasie nötig, um die Botschaft zu erkennen.

Neben den Formen, die das Ensemble in einer sehr exakten Choreographie und einem präzisen Zusammenspiel auf die Leinwand zaubert, gibt es Tanzszenen, bei denen neben Farben auch Grafiken auf die Leinwand projiziert werden. Hier ragt eine Choreographie heraus, die das Stück „In der Halle des Bergkönigs“ aus Edvard Griegs Suite „Peer Gynt“ illustriert. Anmut sowie Grazie der Tänzerinnen und Tänzer, dargeboten in fließenden Bewegungen, überzeugen bei dieser Szene die Zuschauer im ausverkauften Parktheater restlos.