Über mehrere Jahre hinweg sollen drei Männer unter anderem in VS junge Frauen in die Zwangsprostitution gedrängt haben. Es soll Verbindungen zu den United Tribuns geben.
Wieder geht es um Zwangsprostitution junger Frauen, und wieder liegt eine Verbindung zu den United Tribuns nahe: Vor dem Landgericht Konstanz müssen sich bald drei Männer in einem Mammutverfahren verantworten.
Den drei Angeklagten – im Alter zwischen 30 und 36 Jahren mit deutscher, türkischer und italienischer Staatsangehörigkeit – wird vorgeworfen, junge Frauen der Zwangsprostitution zugeführt beziehungsweise dabei behilflich gewesen zu sein. Die Taten sollen sich zwischen 2020 und 2022 in Villingen-Schwenningen, Singen und dem schweizerischen Schaffhausen abgespielt haben. Darüber informierte das Landgericht in einer Mitteilung.
Die Anklage geht allerdings über den Vorwurf der besonders schweren Zwangsprostitution hinaus. Denn einer der Angeklagten soll laut Angaben des Gerichts einen Freier bedroht und erpresst haben, als dieser eine Prostituierte nicht habe bezahlen wollen. Er hat laut Anklage während des Tatzeitraums zudem mit Kokain gehandelt und die Drogen auch an Minderjährige abgegeben.
Zwei der Angeklagten wird darüber hinaus ein erpresserischer Menschenraub vorgeworfen. Den Ermittlungen zufolge sollen sie im Mai 2021 in Singen einen Mann gezwungen haben, in ihr Auto einzusteigen. Anschließend hätten sie ihn dazu gedrängt, an einem Geldautomaten Geld abzuheben und es ihnen auszuhändigen. Als Druckmittel diente offenbar das Mobiltelefon des Opfers. Dieses sollen die beiden Angeklagten einbehalten und so die Zahlung einer weiteren Geldsumme verlangt haben.
24 Zeugen und zwölf Verhandlungstage
Für den Prozess, der am 15. Juni beginnt, sind insgesamt 24 Zeugen geladen. Das Gericht rechnet nach derzeitigem Stand mit zwölf Verhandlungstagen. Erst Ende Juli soll es zum Urteil kommen.
Informationen unserer Redaktion zufolge handelt es sich bei mindestens einem der Angeklagten um ein mutmaßliches Mitglied der verbotenen United Tribuns. Er hatte sich bereits einem beim Amtsgericht Villingen-Schwenningen geführten Verfahren wegen Zwangsprostitution entzogen. Sein Einfluss sorgte dafür, dass der Prozess von spezialisierten Kräften gesichert werden musste.
Nähe zu den Culums?
Ermittlungen der Behörden in Bosnien-Herzegowina zufolge wird ihm eine Nähe zu VS-Rotlichtkönig Armin Culum alias Boki nachgesagt. Dieser sitzt aufgrund laufender Ermittlungen wegen Menschenhandels im Balkanstaat derzeit im Hausarrest. Er wurde im Oktober 2024 festgenommen.
Sein Bruder Nermin Culum, der ebenfalls Teil der kriminellen Gruppierung ist, ging den Behörden bereits im August 2022 an der Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien aufgrund eines internationalen Haftbefehls – ausgestellt von den Schweizer Behörden – ins Netz.
Ende März ist er von der Schweiz nach Bosnien-Herzegowina ausgeliefert worden. Dort soll das große Verfahren gegen Boki und Co. gebündelt werden. Der dortige Gerichtshof bestätigte vor wenigen Tagen die Untersuchungshaft gegen Nermin Culum. Sie gilt zunächst für einen Monat.