Erstmals befuhr ein Elektrotriebwagen 1440 Coradia Continental die Steilstrecke zwischen Freudenstadt Stadt- und Freudenstadt Hauptbahnhof. Ab Dezember 2022 wird der Elektrotriebwagen im Zwei-Stunden-Takt im Murgtal unterwegs sein. Foto: Schwark

Ein Stück Eisenbahnhistorie war in Freudenstadt zu erleben. Erstmals befuhr ein Elektrotriebwagen (ET) 1440 Coradia Continental die Murgtalstrecke. Punkt 10.37 Uhr rollte der schmucke Zug in den Hauptbahnhof Freudenstadt ein.

Freudenstadt/Baiersbronn - Zuvor hatte der ET 1440 am Samstag bei seiner Fahrt seine "Kletterfähigkeiten" auf den Steilstrecken zwischen Baiersbronn, Freudenstadt Stadt- und Freudenstadt Hauptbahnhof bewiesen. Bei dieser ersten Testfahrt im Murgtal wurden alle Stationen angefahren. "Es passt", waren sich die Fachleute einig. Selbst in Kirschbaumwasen wird es beim Minibahnsteig eine Ein- und Ausstiegsmöglichkeit geben.

Im Vorfeld hatte DB Regio die Ausschreibung für die Murgtalbahn für sich entschieden. Damit gibt es auf einer der schönsten Gebirgsbahnen Deutschlands einige Veränderungen. Ab Mitte Dezember 2022 werden die Stadtbahnen mehr und mehr von Zügen der DB Regio abgelöst.

Alle zwei Stunden direkte Verbindung nach Karlsruhe

Der Elektrotriebwagen 1440 wird alle zwei Stunden die direkte Verbindung von Freudenstadt Hauptbahnhof nach Karlsruhe Hauptbahnhof übernehmen. Die zweistündigen Verbindungen zwischen Karlsruhe und Bondorf bei Herrenberg werden weiterhin mit der Stadtbahn befahren. Dies wird sich erst mit der Fertigstellung des Rastatter Bahntunnels ändern. Der Elektrotriebwagen verfügt über guten Komfort. Der Zug hat eine Klimaanlage und WLAN. An den Sitzen gibt es Steckdosen für den PC oder das Handy. Außerdem gibt es viel Platz für Fahrräder. So können in der dreiteiligen Version des Elektrotriebwagens 16 Fahrräder befördert werden, in der fünfteiligen Version 32. Rund 140 Fahrgäste nimmt die kleine Version auf, die fünfteilige befördert bis zu 280 Fahrgäste.

Außerdem hat der Zug zwei Rollstuhlplätze. Über eine ausklappbare Rampe können Rollstühle transportiert werden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern ist der Coradia Continental von Alstrom ein schneller Flitzer. Das zahlt sich besonders auf der Strecke von Rastatt bis Karlsruhe aus, wo die Stadtbahn es gerade mal auf 100 Stundenkilometer bringt. Ganz aus dem Blickfeld wird sie aber im Murgtal nicht verschwinden. Die AVG betreibt sie weiter bis Forbach (Murgtal).

Seit zwei Jahren auf Höllentalbahn unterwegs

Der eingesetzte Testzug ist seit zwei Jahren auf der Höllentalbahn unterwegs, zu der ebenfalls eine Steilstrecke gehört. Zur Testfahrt hatte ihn die DB Region Südbaden ausgeliehen. Als erfahrene Triebfahrzeugführer waren Uwe Sauter und Matthias Schlegel von der Einsatzstelle Freiburg dabei. Die Elektrotriebwagen sind im Besitz der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) und werden von DB Regio angemietet, berichtete Markus Kempf von der NVBW. Bei der Testfahrt war auch Joachim Reiser als stellvertretender AVG-Eisenbahnbetriebsleiter dabei. Ebenso Solveig Klemm als Betriebsleiterin Netz 7B DB Regio. Von der DB Regio Mannheim begleitete Michael Schweizer (Leiter Betriebsmanagement Rhein/Neckar/Pfalz) den Zug. Außerdem war Leander Matzek vom Verkehrsministerium, Referat Verkehrsplanung, angereist. Als Verantwortlicher des Stützpunkts Freudenstadt begrüßte Thomas Meyer die Gäste.

Nach einer Besichtigung und einem kleinen Imbiss in der Fahrzeughalle machte sich der Elektrotriebwagen 1440 zurück auf den Weg nach Karlsruhe. Von dort wurde weiter die Strecke nach Heilbronn befahren, wo diese Fahrzeuge später auch eingesetzt werden.

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