In die Jahre gekommen ist der Werkhof in Schönau. Der Neubau ist geplant, ist dem Gemeinderat in der jetzigen Form aber zu teuer Foto: Gerald Nill

Der geplante Neubau ist dem Gemeinderat Schönau zu teuer. Unter Deckelung der Kosten soll aber weitergeplant werden.

Irritationen bei den Gemeinderäten zu den Plänen, dann Widerspruch zu der vorgeschlagenen Version des Architekten. Am Ende gab es im Gemeinderat Schönau einen Kostendeckel als Kompromiss, um die Erneuerung des Werkhofs weiter zu verfolgen.

 

Lange Zeit sah es in der Sitzung so aus, als würde das Projekt an der Wiedlestraße komplett kippen wegen der Kosten, die Architekt Daniel Hechtinger aus Herbolzheim präsentierte. Zunächst legte Hechtinger dem Gemeinderat einen Entwurf vor, dem zuvor eine akribische Bestandsaufnahme des Werkhofs vorausgegangen war, um den tatsächlichen Bedarf der GVV-Einrichtung zu ermitteln. Zwei Varianten legte der Architekten vor: Die Variante eins nutzt den Umbau des vorhandenen Gebäudes und des Schuppens aus den 1960er Jahren. „Hier wird eine Teil-Aufstockung notwendig, die erhöhte Kosten zur Herstellung der Barrierefreiheit sowie Mehrkosten für eine Auslagerung des Werkhofs während der Bauphase mit sich bringt.“ Hechtinger: „Die errechneten fiktiven Kosten liegen hier bei brutto 2,1 Millionen Euro.“

Variante zwei stellt einen Neubau im hinteren Teil des Hofs mit Umnutzung des Bestandsgebäudes als Lagerhalle dar. „Bei dieser Planung ergeben sich viele Vorteile“, sagte er, wofür sein Herz schlägt. Eine „klare Bauweise und reduzierte Kosten“, große und flexible Lagerflächen sowie eine Be- und Entladezone, außerdem Extra-Fläche im Bestand durch Weiternutzung des Bestandsgebäudes als Lager. „Plus 250 Quadratmeter“ hieß es ausdrücklich.

Geschätzte Kosten: 2,3 Millionen Euro

Ein zentraler Hof zum Rangieren sowie die Möglichkeit zum Hochwasserschutz durch leicht erhöhte Bauweise waren die weiteren Pluspunkte. „Hier lägen die Kosten geschätzt nach Baukostenindex bei brutto 2,3 Millionen Euro“, so Hechtinger. „Und nach Erfahrungswerten aus einem anderen Betriebshof geschätzt bei 1,7 Millionen.“ Bürgermeister Peter Schelshorn favorisiert die zweite Variante, wie aus der Verwaltungsvorlage hervorgeht.

Zuerst äußerte sich Katharina Hackner für die Freien Wähler. Sie sei „verwirrt“, sollte nicht nur ein Anbau an das Bestandsgebäude erfolgen? Und war nicht vor knapp einem Jahr von Baukosten von etwas über einer Million Euro die Rede? Hechtinger antwortete, ein Anbau auf dem Hof funktioniere nicht aus Platzgründen zum Rangieren. Seine Variante habe den Charme, dass Material aus dem alten Schuppen im hinteren Teil des Bauhofs in der alten Lagerhalle untergebracht wird, dort der „Restwert genutzt“ und auf der gewonnenen Fläche neu für Büros und Fuhrpark gebaut werden kann. 250 Quadratmeter bekäme man auf diese Weise „fast geschenkt“, warb Hechtinger.

Ethem Sahin, SPD: „Die Zahlen erschlagen mich“

Als Schelshorn dann noch hinzufügte, dass es für den Neubau keine Fördermittel aus dem ELR-Topf gebe, meldete Gemeinderat Ethem Sahin für die SPD Protest an: „Die Zahlen erschlagen mich“, sagte er. Er sei von Bruttokosten in halber Höhe ausgegangen. „Ich muss deshalb dagegen stimmen.“ Auch Gemeinderat Locker (FW) meuterte: „Tut mir leid, ich kann da nicht mitgehen.“ Mit Blick auf die protestierenden Eltern wegen der steigenden Kita-Gebühren schloss Locker: „Ich muss das auch den Familien erklären.“ Hechtinger bedauerte: „Ich kenne die alten Zahlen nicht, seine seien seriös berechnet und durch ein aktuelles Werkhof-Projekt belegbar. Schelshorn ließ durchblicken, dass es sich bei dem ursprünglichen Kostenvoranschlag um eine eher grobe Schätzung gehandelt habe.

Hackner sagte: „Wir brauchen keine Mehrfläche.“ Als sie dann noch hinzufügte: „Es funktioniert, wie es ist“, widersprach der Bürgermeister. Es gebe im Werkhof nicht einmal ein Damen-WC. Er fragte: „Wie wollen wir weitergehen? Die Verwaltung kann sich Variante zwei vorstellen.“

Maßgabe: Massiv einsparen

Der Architekt stellte klar: „Ich kann nur günstiger werden, wenn ich Leistungen runternehme, sprich Fläche wegnehme.“ Ethem Sahin schritt zur Präsentation und zeigte, wie er kürzen würde und deckte mit einem Blatt rund 20 Prozent des geplanten Neubaus ab. Nur unter der Maßgabe, dass „massiv eingespart“ werde, wurde über die Verwaltungsvorlage abgestimmt. Bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung soll die Planung mit einem Kostendeckel weiter fortgeführt werden. Schelshorn abschließend: „Bis Dezember brauchen wir eine Entscheidung für den Haushalt.“