Unternehmen der deutschen Textilindustrie haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Im Zollernalbkreis wird überlegt, wie dem beizukommen ist. An der Mitgliederversammlung des Gesamtverbandes in Hechingen taten sich bereits Perspektiven hervor.
In der Villa Eugenia lud der Gesamtverband der deutschen Maschenindustrie „Gesamtmasche“ und die Fachvereinigung Wirkerei-Strickerei Albstadt am vergangenen Donnerstag zur Mitgliederversammlung. Bei sonnigem Frühsommer-Wetter berieten sich zahlreiche Gäste über die Situation der Textilindustrie in Deutschland. Vertreter der Hochschule Albstadt-Sigmaringen stellten ein neues Weiterbildungskonzept vor, das helfen soll die Herausforderungen der Zeit zu meistern.
Ein großes Problem ist die Bürokratie
Die Präsidentin von „Gesamtmasche“ und Vorstandsvorsitzende der Fachvereinigung, Martina Bandte, beklagte in ihrer Rede zu Anfang, dass ungebändigte Bürokratie immer mehr zur Fessel des deutschen Unternehmertums werde. Wertschöpfung und Innovationskraft litten stark – auch in der Textil-Branche. Nicht zuletzt bestünde darin, so Bandte, ein Grund für das Allzeittief, das der Geschäftsklimaindex der deutschen Maschenindustrie zum ersten Quartal 2024 verzeichnen musste. Statt um Innovation gehe es um Berichtspflichten. „Wir brauchen Freiraum statt staatlicher Erziehung“, sagte Bandte.
Der Vortrag von Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg klärte im Anschluss auf, über die Lage der „Textilbranche im Spiegel der globalen Wirtschaftsentwicklungen“. Vieles sei heute ungewisser als früher, erklärte Fernow, die Rahmenbedingungen aus früheren Zeiten stellten sich immer öfter als überholt heraus.
Internationale Krisen seien zu einem guten Teil unberechenbar geworden. Fernow spannte einen weiten Bogen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe große wirtschaftliche Auswirkungen nach sich gezogen, Handelswege würden vielerorts beeinträchtigt, so etwa vor der jemenitischen Küste. Und immer stärker mache sich auch bei Unternehmen die Einsicht breit, dass es strategisch riskant ist, sich zu sehr von einem Land abhängig zu machen. Fernow verweist an dieser Stelle auf China. All das wirke sich auch auf die deutschen Textil-Hersteller aus, die bereits mit gestiegenen Lohn- und Energiekosten sowie dem wachsenden Fachkräftemangel zu kämpfen hätten.
Mit Fortbildungen gegen den Fachkräftemangel
Für Letzteren bot Marc Weisser von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen einen Ansatz, dem Problem beizukommen. An der Hochschule habe man in Kooperation mit Gesamtmasche ein Fort- und Weiterbildungsprogramm entwickelt.
Es konzentriere sich vor allem auf kleine und mittelständische Unternehmen der Branche. Der Ansatz dabei laute, das Personal vor Ort weiterzubilden. Die Inhalte kämen dabei aus dem Bereich der textilen Kreislaufwirtschaft, mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit.
Neben Präsenzschulungen entwickelt die Hochschule auch eine Online-Plattform für Selbststudien, so dass sich das Angebot auch gut berufsbegleitend nutzen lasse. Aus den Kategorien Umwelt, Technik, Produktentwicklung, Wirtschaft, Politik und Ethik sollen darüber hinaus individuelle Kursplanungen möglich sein, erläuterte Weisser. Er hoffe, dass die Kooperation mit der Gesamtmasche zu mehr Feedback aus der Branche sorgen wird und das Weiterbildungsprogramm somit in Zukunft noch weiter optimiert werden kann.
So sollen mittelständische Unternehmen in die Lage versetzt werden, zukünftig auftretende Herausforderungen bewältigen zu können.