Die Lobbyorganisation und Interessengemeinschaft Haus und Grund Württemberg forderte beim Landesverbandstag in Freudenstadt einen Perspektivwechsel in der Wohnungspolitik.
Nach der Landtagswahl 2026 und dem Beginn der Koalitionsgespräche zwischen Grünen und CDU fordert Haus und Grund Württemberg einen grundlegenden Perspektivwechsel in der Wohnungspolitik. Das machte Vorstand Sebastian Nothacker beim Landesverbandstag im Kurhaus in Freudenstadt klar, wie Haus und Grund in einer Pressemitteilung schreibt.
„Eigentümer dürfen nicht weiterhin die Gegner von Wohnungspolitik sein, sie müssen zu deren Partner werden“, so Vorstand Sebastian Nothacker. „Sie stellen 80 Prozent des Wohnraums in Baden-Württemberg zu Verfügung.“ Ohne sie würde es keine Lösung der Wohnungsfrage geben.
Was aber passiere, sei das Gegenteil. Denn zunehmende Belastungen würden das Vermieten, den Erwerb von Eigentum und dessen Instandhaltung erschweren. „Eine Mietpreisbremse baut keine einzige Wohnung“, sagte Nothacker. Und nur mehr Wohnraum schaffe Entlastung auf dem Mietmarkt. Dafür brauche es ein gutes Investitionsklima mit Planungssicherheit und nicht weitere unklare politische Eingriffe.
Überdenken von Mietpreisregulierungen gefordert
Nothacker forderte eine faire Grundsteuer und Grunderwerbssteuer sowie das Überdenken von Mietpreisregulierungen und eine Energiepolitik, die praxisnah und umsetzbar bleibt, ohne Eigentümer zu überlasten. Dafür erntet er laut Mitteilung lauten Applaus im gut besuchten Kurhaus. Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen gab einen Impulsvortrag zum Thema: „Demografie, Immobilien und Soziales: Wohin geht der Weg?“
In Zukunft wird noch mehr Wohnraum benötigt
„Die Bevölkerungspyramide gleicht heute eher einer Urne“, sagte Raffelhüschen. Die Vermutung liege nahe, dass wenn viele Menschen sterben, viel Wohnraum frei würde. Die statischen Zahlen zeigten aber, dass in Zukunft dennoch wesentlich mehr Wohnraum benötigt werde. Das Problem sei, dass wesentlich mehr Leute alleine wohnen. Viele Paare würden geschieden, zahlreiche Witwen blieben in großen Wohnhäusern mit überdurchschnittlich großem Raum für eine Person wohnen. Dazu komme der benötigte Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland, die häufig als Singles ins Land reisen. „Helfen kann dabei nur die dringend benötigte Schaffung von mehr Wohnraum“, sagte Raffelhüschen.
„Wohnungspolitik ist auch auch immer Sozialpolitik“
Der Tenor der Veranstaltung bestätigte das laut Mitteilung. „Wie wäre es mit einer Politik, die sich darauf konzentriert, Eigentümer zu fördern?“, fragte die Aufsichtsrätin von Haus und Grund Württemberg, Gabriele Reich-Gutjahr.
„Wohnungspolitik ist auch auch immer Sozialpolitik“, sagte der Freudenstädter Bürgermeister Wolfgang Fahrner. „Deshalb haben wir hier in der Stadt die Weichen für private Investoren gestellt.“
Wie wichtig dies gerade dort sei, stellte Marc Wesle, Vorstand des Ortsvereins, in den Vordergrund: „Wir haben fast nur private Vermieter in Freudenstadt.“ Einen Lichtblick biete der sogenannte Bau-Turbo, der es Kommunen erleichtern soll, mit weniger Bürokratie schneller Bauland auszuweisen. Das Problem liege allerdings darin, dass viele Kommunen nicht die finanziellen Möglichkeiten und/oder personellen Kapazitäten hätten, um dieses Instrument zu nutzen, sie bräuchten mehr Unterstützung von Land und Bund.
Auch Energiepolitik als Herausforderung
Eine große Herausforderung bleibe außerdem weiterhin die Energiepolitik. „Auf einem Großteil der Kosten dafür bleiben die Vermieter sitzen“, sagte Nothacker in der Podiumsdiskussion, die das Herzstück der Veranstaltung bildet. Um die Themen
aus Sicht von Wissenschaft, Politik und den Eigentümern selbst zu beleuchten, diskutierten der Wirtschaftswissenschaftler Raffelhüschen mit dem Bundespolitiker Steffen Bilger (CDU) und mit dem Vorstand von Haus und Grund Württemberg. Raffelhüschen appelierte, überzogene Forderungen bei energetischer Sanierung herunterzufahren, um das Investitionsklima wieder zu verbessern. Gerade im Blick auf die Demografie herrschte bei der Diskussion Einheit darüber, dass die Hürden für junge
Menschen, um Eigentum zu erwerben, heute wesentlich zu hoch sind. An dieser Hürde arbeite man bereits, erklärte Steffen Bilger.
„Die kommenden Jahre entscheiden, ob Baden-Württemberg wieder ein Land der Häuslebauer wird – oder ob sich der Trend zur ‚Generation Miete‘ weiter verfestigt“, sagte Sebastian Nothacker zum Abschluss. „Wer Eigentümer als Gegner behandelt, riskiert Stillstand. Wer sie als Partner stärkt, schafft Zukunft. Jetzt ist Zeit für einen Kurswechsel.“