Bunt gemischt war die Gruppe der Gegendemonstranten. Auch die „Omas gegen Rechts“ und der „Offene Antifaschistische Treff Villingen-Schwenningen“ beteiligte sich. Foto: Dold

Punsch oder Glühwein? Das war am Freitagnachmittag eine überaus politische Frage. Während bei „Alfreds Adfend“ – Veranstalter war der AfD-Kreisverband – Glühwein konsumiert wurde, gab es wenige Meter weiter bei der Gegendemo unter dem Motto „Hardt bleibt bunt und vielfältig“ Punsch.

Breitseiten gab es von beiden Seiten – diese blieben aber verbaler Art, so dass die drei Polizisten sich in aller Ruhe einen Kaffee in der Bäckerei holen konnten. „Wir sind tiefenentspannt. Es ist eine angemeldete Demonstration. Deswegen ist die Polizei dabei“, klärte ein Beamter auf.

 

Klare Kante in ihren Aussagen zeigten beide Seiten: „Es sind scheinheilige Argumente der AfD, mit Advent und Weihnachtlichem zu werben. Vielmehr geht es um Hass und Hetze“, sagte Markus Nagel von „Hardt bleibt bunt und vielfältig“. Die Ausrichtung der Demo begründete er so: „Wo man der AfD entgegen tritt, bekommt sie weniger Prozente“, sagte er.

Doch auch an der Tankstelle bei der AfD wurde kein Blatt vor den Mund genommen: „Wir stehen hier für Meinungsfreiheit. Wo ist denn dort drüben die Toleranz für Andersdenkende?“, sagte ein Teilnehmer mit Blick auf die Gegendemo.

Mit Bannern wurde auf die Anliegen aufmerksam gemacht. Foto: Dold

Die genaue Zahl der Demonstranten lässt sich schwer beziffern, da es ein Kommen und Gehen war. Aber 80 bis 100 Personen dürften es jeweils gewesen sein.

Bei den Gegendemonstranten waren auch der „Offene Antifaschistische Treff Villingen-Schwenningen“ mit roten Fahnen dabei. „Wir demonstrieren gegen die AfD und den Rechtsruck in Deutschland“, sagte eine Vertreterin. Der Treff sei bei vielen Aktionen und Kundgebungen gegen Rechts dabei – nicht nur gegen die AfD.

Karl Heinz Faißt vom Kreisverband der AfD sah es so: „Tankstellenbesitzer Alfred Fleig traut sich etwas. Da gehört Mut dazu, eine AfD-Veranstaltung auszurichten“. Er verwies auf Beispiele, wo es bei AfD-Wahlkampfveranstaltungen bereits körperliche Attacken von Antifa-Mitgliedern gegeben habe. Die AfD hingegen sei noch nie gewalttätig gegenüber Andersdenkenden gewesen.

Bei der AfD spielte sich das Geschehen drinnen und draußen ab. Foto: Dold

Das große Thema der Veranstaltung sei der Ukraine-Krieg. „Wir fordern nicht immer weitere Waffenlieferungen wie den Taurus in die Ukraine. Sonst sind irgendwann die roten Linien überschritten“, sagte Faißt.

Dieses Argumente konterte Markus Nagel so: „Die AfD positioniert sich nur als Friedenspartei, um Stimmen einzufangen“, monierte eine Teilnehmerin. In Wahrheit gehe um Abschottung und Aggression, sagte er vor dem Verkaufsstand, wo es hieß „Wir genießen die Vielfalt“.

„Wir genießen die Vielfalt“ hieß es auch kulinarisch. Foto: Dold

Bei der AfD gab es viele Kritikpunkte an der Politik: Hohe Energiekosten seien insbesondere für Rentner ein Problem, zudem überfordere der hohe Migrantenanteil das Schulwesen und auch die innere Sicherheit leide, Weihnachtsmärkte müssten schwer gesichert werden.

Auf der anderen Straßenseite hielten wiederum die „Omas gegen Rechts“ aus dem Kinzigtal dagegen. „Wir lieben die Demokratie und gehen für sie auf die Straße – auch für unsere Kinder und Enkel“, sagte eine Teilnehmerin. Man müsse die Lawine stoppen, solange sie noch klein sei, zitierte sie Erich Kästner.

Gastgeber Alfred Fleig berichtete, was ihn zu der Veranstaltung motiviert hatte: „Die Leute haben Angst, dass sich der Ukraine-Krieg immer mehr ausweitet. Daher muss es Verhandlungen geben und nicht immer neue Waffen“, forderte er. Zudem gehe die Wirtschaft den Bach hinunter – und die Gegendemonstranten würden sich darum sorgen, dass Hardt bunt bleibe, was er nicht verstehen könne.

Eigens für die Veranstaltung wurden Weihnachtskugeln beschichtet. Foto: Dold

Einig wurden sich beide Seiten nicht, ein Dialog fand nicht statt. Mit der Besucherzahl waren aber alle zufrieden – und so hieß es von Seiten der AfD: „Wir werden hier wieder was machen“. Das dürfte die einen freuen, für die anderen dürfte es sich wie eine Drohung anhören.