Gerlinde Weiß blickt gern zurück auf mehr als vier Jahrzehnte Arbeit im Veranstaltungsmanagement der Stadt.Foto: Gegenheimer Foto: Schwarzwälder Bote

Veranstaltungsmanagement: Gerlinde Weiß nach mehr als 42 Jahren bei der Stadt Bad Herrenalb jetzt im Ruhestand

Gerlinde Weiß blickt auf mehr als vier Jahrzehnte Arbeit im Veranstaltungsmanagement der Stadt Bad Herrenalb zurück. Sie lacht herzlich, wenn sie über sich selber sagt: "Pfeffer hab’ ich manchmal schon reingebracht!" Das letzte Jahr ihrer Arbeitskarriere bezeichnt sie als bedrückend.

"Ein tolles Klosterfest möchte ich wieder erleben. Und ganz entspannt als Zuschauerin beim Fassanstich zusehen!" Das sagt Gerlinde Weiß.

Bad Herrenalb. Mit ansteckendem Lachen und guter Laune fährt sie fort: "Mein Arbeitsstart bei der Stadt Bad Herrenalb ist über 42 Jahre her. Aber es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen."

Anfang März hat für sie die Passivphase der Altersteilzeit begonnen. Fast auf den Tag genau 42 Jahre, nachdem die gelernte Bürokauffrau als "junger Hüpfer" von 20 Jahren das Sekretariat des damaligen Kurgeschäftsführers Gerhard Hepp übernommen hatte – und nur wenige Wochen, nachdem ihre Zwillingsschwester Johanna Nofer ebenfalls in den Ruhestand gegangen ist (wir berichteten).

Viel gelernt und ebenso viel gearbeitet habe sie damals in der Hochphase des Tourismus, sagt Weiß. Konzerte, Tennisturniere, Vereinsabende, Freibad, Thermalbad, Minigolf, Programm fürs Kurhaus, Ehrungen – alles sei im Büro von Hepp zusammengelaufen. ­"Wir haben riesen Geschichten gemacht", beschreibt sie, und die Begeisterung ist ihr noch heute anzusehen: Dschingis Khan, Helmut Zacharias, Uschi Glas – alle gaben sich in Bad Herrenalb ein Stelldichein.

Nach einer – eher kurzen – Elternzeitphase kam die Gaistälerin Ende der 1980er-Jahre zurück ins Rathaus und konzentrierte sich fortan voll auf die Veranstaltungen. "Zu Hause hieß die Kita noch Oma", lacht sie im Rückblick darauf, dass ihre Schwiegermutter, die damals noch eine Landwirtschaft im Gaistal betrieb, sie immer unterstützte. Ebenso wie Ehemann Walter, der ihr "den Rücken freihielt", die Kinder versorgte, wenn sie selbst bei einer Abendveranstaltung im Kurhaus oder auf einer Tourismusmesse war.

So hat sich Weiß hineingekniet, Jahr für Jahr das Programm für die Silvestergala auszuarbeiten, unzählige Konzerte vorzubereiten und zu begleiten, das Bahnhofsfest wieder aufleben lassen, die Klavierduotage zu organisieren mit Glanzpunkten wie Konzerten in der S-Bahn: "Wir waren bis Hamburg in aller Munde."

Von touristischen Messen hat sie viele Aufträge "an Land gezogen" und gleich an Kollegin Helga Merkle weitergegeben. Diese war ihr wie Christa Sagawe eine treue Wegbegleiterin über viele Jahre. Temperamentvoll, engagiert, aber auch stets sachlich abgeklärt "stand für mich immer die Sache im Vordergrund. Deshalb konnte ich auch mit wechselnden Chefs und Mitarbeitern, mit den Teams vom Bauhof und vom Kurhaus gut klarkommen". Und lacht herzlich, wenn sie über sich selber sagt: "Pfeffer hab’ ich manchmal schon reingebracht!" Resolut konnte sie sein.

Ihre große Leidenschaft waren für die 63-Jährige die Märkte. Kunsthandwerkermarkt, Ostermarkt, Naturparkmarkt, Adventsmarkt – sie hat jeden Beschicker gekannt, samt seinen Wünschen und Erfordernissen: "Die waren Partner für mich und nicht nur irgendwelche Dienstleister. Das haben die auch gespürt über all die Jahre." Weiß wurde zur echten Seele der Märkte, im Vorfeld wie während der Veranstaltungen immer präsent – und dabei freundlich bei aller Arbeit.

Stolz ist sie auf den Herbstmarkt 2020, der trotz aller Corona-Herausforderungen mit dem richtigen Konzept ein großer Erfolg wurde. Ansonsten würde die Veranstaltungsmanagerin das letzte Jahr ihrer Arbeitskarriere lieber streichen: "2020 war bedrückend. Das Bangen und oft vergebliche Hoffen mit all den Künstlern. Das Autokino haben wir in gerade mal vier Wochen aus dem Boden gestampft. Über die Resonanz war ich schon ein bisschen enttäuscht."

Das Albleuchten hat sie dann wieder ein wenig versöhnt, die Absage des Adventsmarktes dagegen nagt noch heute an ihr. Dafür hat sie sich sehr gefreut, wie die Vereine das Probenangebot im Kurhaus annahmen und in Form von Konzerten Freude zurückgaben. Jetzt, nach Beendigung ihrer Tätigkeit, hat Weiß ein gutes Gefühl: Mit Alexandra Roschlau habe sie eine sachkundige Nachfolgerin. Jetzt könne sie selbst beginnen, nicht mehr nach dem Jahreskalender der Großveranstaltungen zu leben: "Urlaub gab es für die Familie immer erst nach dem Bahnhofsfest." Jetzt könne sie sich den Luxus erlauben, ehrenamtlich genau da mitzuwirken, wo es ihr Spaß mache, wie beim Sommernachtstheater. Aber, betont Weiß: "Ich nehme viele schöne Erinnerungen mit. Und ich bin ja nicht aus der Welt!"

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