Unzählige schwimmende Lichterblüten sind beim Lichterfest in VS ein atemberaubender Anblick und Ausdruck für den Abschied von Herzensmenschen. Foto: Marion Peters

Eines der wohl emotionalsten Feste im Schwarzwald-Baar-Kreis steht bevor: Das große Lichterfest in Villingen-Schwenningen wird am 29. September gefeiert.

„Für immer Dein“ steht auf der Blüte, die eine Frau, sichtlich ergriffen, am Möglingssee zu Wasser lässt. „Manfred“ steht auf einem anderen Blütenblatt. Die Kerze in der Mitte der Blume flackert kurz im Windhauch, als die Frau die Blüte anschubst, sich eine Träne aus dem Augenwinkel streicht und dann tapfer lächelnd aufsteht.

 

Es sind Momente wie diese, für die Maria Noce und ihre Mitstreiter vom Hospizförderverein im Oberzentrum des Landkreises das Lichterfest erfunden haben. Das war vor zehn Jahren und sollte vor allem einem dienen: Einmal im Jahr sollen Menschen, die einen Angehörigen für immer verloren haben, die Möglichkeit haben, seiner in würdigem Rahmen und unvergleichlich schöner Atmosphäre zu gedenken.

Konzept schlägt ein wie eine Bombe

Vor zehn Jahren wurde es erfunden. Schon zuvor war einmal im Jahr bei einer Andacht des Hospizfördervereins pro Verstorbenem ein Licht entzündet. Und dann war da plötzlich Francesco, ein einjähriges, todkrankes Kind mit einer unheilbaren Stoffwechselkrankheit, für den es eine Schwimmkerze sein sollte, und der Entschluss von Maria Noce, der Leiterin des Hospizes Via Luce, stand fest: „Wir brauchen einen See.“ Aus der Andacht mit Kerzen wurde das Lichtfest am See auf der Möglingshöhe. Aus einfachen Kerzen wunderschöne Lichterblüten, die das ganze Jahr über vom Hospizförderverein und Gästen des Hospizes Via Luce gebastelt werden und deren Blütenblätter Raum lassen für Inschriften, Namen, Daten, persönliche Gedanken und wünsche, die Angehörige ihren Lieben mitgeben möchten. „Für immer Dein“, auch die Botschaft an Manfred gehört dazu.

Michaela Morath, Ingrid Kimmich, Maria Hanßmann, Maria Noce und Marion Peters präsentieren das Programm des Lichterfests in VS – es dürfte eines der emotionalsten Feste im Landkreis sein – und doch ganz ohne düstere Tristesse. Foto: Cornelia Spitz

Das neue Konzept schlug ein wie eine Bombe. Mehr als 800 Gäste waren beim ersten Lichterfest. Maria Noce und ihre Mitstreiter waren entzückt. „das Schönste aber war der Blick am Schluss“, all die Besucher, die von der Andacht im Kirchenpavillon ihre brennenden Lichterblüten zum See trugen und sie aufs Wasser setzten. Ein See und ganz viele Tränen der Ergriffenheit, Trauer und Freude – und unendlich viel Dankbarkeit der Angehörigen, ihrer Liebsten auf diese Weise gedenken zu dürfen, im Rahmen eines Fests, keiner traurigen Angelegenheit, so ergreifend dieses Zu-Wasser-Lassen der Lichterblüten in diesem Moment auch ist.

Ein Tag erfüllt von Lachen und vielen Erlebnissen

Ja, das Lichterfest ist ein Fest. Die Mischung macht’s, wie so oft. Denn der ganze Tage wird ausgefüllt sein mit Lachen, Erlebnissen, Musik und Essen sowie wertvollen Begegnungen. Das ist den Lichterfest-Machern um Maria Noce wichtig – ein Puppenspiel, ein Tote-Hosen-Coverband-Konzert, eine Kunstmodenschau, Workshopangebote von Blütendruck bis hin zum Steine-Bemalen, eine Hüpfburg und der Besuch von Klausi Klücklich und Frohnella mit ihrer Seifenblasen-Clownerei – für Tristesse pur ist da wahrlich kein Platz, auch wenn das Gedenken der Verstorbenen der Anlass ist, dem die Veranstaltung gewidmet ist, die längst von einer vierstelligen Zahl an Besuchern wahrgenommen wird.

„Der Tod gehört zum Leben dazu“, betont Michaela Morath, die den Bereich Öffentlichkeitsarbeit im Haus Lebensquelle in Villingen-Schwenningen leitet, folgerichtig. „Blüte des Lebens“ laute daher auch das Veranstaltungs-Motto im „Jubiläumsjahr“ des Lichterfests. Verschiedene Lebensstationen, die das Leben abbilden, werden aufgegriffen. Das Blütenthema soll sich wie ein roter Faden in der Deko wiederfinden.

So viele Menschen sind hier schon gegangen

Ab 14 Uhr wird auf der Möglingshöhe gefeiert bei Spiel und Spaß für die ganze Familie, ab 18 Uhr gibt es die Andacht im Kirchenpavillon – und im Anschluss wird eine ganz besondere Atmosphäre gezaubert mit dem Lichterblütenleuchten tausender schwimmender Flammen im See. Die Blüten kann man sich für fünf Euro das Stück bereits jetzt im Hospiz Via Luce, Virchowweg 22, in Villingen-Schwenningen sichern, denn auch das gehört zum Lichterfest dazu: Nicht nur auf der Möglingshöhe, sondern auch in mancher Badewanne und mancher Zinkwanne oder Keramikschale auf heimischen Balkons werden Lichterblüten zu Wasser gelassen. „Jeder verliert einen Menschen – auch die, die zu Hause sind“, fügt Maria Noce erklärend hinzu. Und wer wüsste das besser als die Leiterin einer Einrichtung, die bestimmt schon um die 5000 Gäste auf ihrem Sterbeweg begleitet hat, von Jung bis Alt und „von 24 Stunden bis acht Monate lang war alles dabei“.

Das Programm

Das Lichterfest
wird am 29. September ab 14 Uhr auf der Möglingshöhe in VS-Schwenningen gefeiert

Ablauf
Um 14 Uhr beginnt das Fest. 14.30 bis 15 Uhr: Puppenspieler im Kirchenpavillon. 15.30 bis 16 Uhr: Tote-Hosen-Cover-Band „Fast alles ohne Strom“. 16.15 bis 16.30 Uhr Ansprache des Oberbürgermeisters Jürgen Roth. 16.30 bis 17.30 Uhr Kunstmodenschau. 17.30 bis 18 Uhr: Tote-Hosen-Cover-Band. Die ganze Zeit über: Seifenblasenclownerie mit Klausi Klücklich und Frohnella, Blütendruck-Workshop, Kinderschminken, Glücksrad, Steine bemalen und Hüpfburg. 18 bis 19 Uhr: Andacht im Kirchenpavillon. 19 Uhr: Lichterblütenleuchten im See.