26 Jahre lang hat sich Reinhard Günter als ehrenamtlicher Ortschafts- und Gemeinderat für Demokratie und Ökologie eingesetzt.
Im Gemeinderat am Donnerstagabend galt es, Abschied zu nehmen von Stadtrat Reinhard Günter aus Tennenbronn, der nach 26 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit als Ortschafts- und Gemeinderat aus dem Gremium ausscheiden wollte.
Jetzt stand sein von ihm „beantragtes Ausscheiden“ als Punkt 18 auf der langen Tagesordnung des Abends. Die Formalien waren schnell erledigt: Fachbereichsleiter Christian Birkle hatte Günters Antrag geprüft und keine Einwände festgestellt, so dass alle Ratskolleginnen und -kollegen zustimmten.
Worte von OBin Eisenlohr
Danach hatte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr das Wort. Dem Anlass angemessen stand sie zu ihrer Rede auf. „Mit Ihnen verabschieden wir heute einen Menschen, der über ein Vierteljahrhundert in kommunalpolitischen Gremien mitgewirkt und sich über noch längere Zeit politisch engagiert hat“, begann Eisenlohr. Schon in den 1980er-Jahren, als Umweltthemen noch längst nicht Trend waren und Umweltaktivisten oft belächelt wurden, habe er sich dafür eingesetzt. 1999 erstmals in den Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde Tennenbronn gewählt, habe er die herausfordernden Jahre der Eingemeindung nach Schramberg mit erlebt und gestaltet. Mit seiner Gesprächsbereitschaft und sachlichen Art habe er geholfen, damals entstandene tiefe Gräben zu überwinden. Bei den Debatten im Gemeinderat sei er nie der Lauteste im Raum gewesen, aber immer präsent, gut vorbereitet und sehr bei der Sache: „Eine ruhige, verlässliche Stimme mit einem gesamtstädtischen Blick – auf jeden Fall auch über die Grenzen Tennenbronns hinaus.“ Alle hier würden ihn in Zukunft mit seiner angenehmen, freundlichen Art vermissen. „Sie haben viel zum positiven Umgang miteinander beigetragen und jede Debatte mit Ihrer gut begründeten Argumentation bereichert“, dankte Eisenlohr.
Für die Ratskolleginnen und -Kollegen hielt danach Thomas Brantner eine sehr persönliche und kollegiale Abschiedsrede. Brantner zitierte den Leitspruch, der Günters politisches Wirken stets begleitet habe: „Ich möchte mich mit aller Kraft für den Erhalt unserer demokratischen Strukturen, dem Schutz von Minderheiten und unserer ökologischen Vielfalt einsetzen.“ Diesem Leitspruch sei Günter in seiner gesamten Zeit in den Gremien Schrambergs auf beeindruckende Weise treu geblieben. „Wir beide sind uns nun über viele Jahre Auge in Auge gegenübergesessen, und ich habe Deine Wortmeldungen stets mit großem Respekt verfolgt“, bekannte Brantner. Wenn Günter sich zu Wort gemeldet habe, habe im Sitzungssaal eine besondere Ruhe geherrscht und alle folgten seinen Ausführungen aufmerksam. „Du sagst selbst von Dir, dass Du derjenige mit den meisten abgelehnten Anträgen bist. Deine Reaktion darauf war aber nie Verärgerung oder Rückzug in einen Schmollwinkel. Für Dich ist dies gelebte Demokratie“, hob Brantner hervor.
Dank für Ehrung
Günter dankte für die ehrenden Worte. „Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt für mich auszuscheiden.“ Er dankte besonders seiner Frau Melanie, die ihm immer den Rücken gestärkt habe. „Die Belastung durch die vielen Pflichttermine war teilweise schon massiv.“ In der Fraktion und bei den Buntspechten habe er aber viele Freunde gefunden, mit denen er habe reden und diskutieren können. „Ohne das wäre ich nicht so lange im Rat geblieben.“ Er plädierte dafür, sich in Parteien oder Gruppen zu engagieren. Das sei für die Demokratie wichtig. „Es war eine wichtige und schöne Zeit. Das war‘s“, schloss er. Alle im Ratssaal erhoben sich und applaudierten lange ihrem scheidenden Kollegen.