Was darf’s sein? Salat, Gemüse oder doch lieber Fleisch? In der Schülermensa jedenfalls ist Fleisch gefragt, so die Einschätzung in Rottweil. Foto: Charisius

Fleisch oder nicht Fleisch? Diese Frage sorgt oft für hitzige Debatten. Auch in Rottweil: Sollen die Rottweiler Schüler künftig nur noch einmal in der Woche Fleisch in der Mensa bekommen? Da scheiden sich die Geister.

Rottweil - Bürgermeister Christian Ruf forderte wohlweislich gleich zu Beginn eine "sachliche Debatte". Der Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss hatte über einen Antrag von SPD+FFR zu beraten: Die Fraktion fordert, in den Schulmensen in Rottweil künftig nur noch einmal pro Woche ein Fleisch- und ein Fischgericht anzubieten. Außerdem solle geprüft werden, wie der Anteil von Bio-Produkten und regionalen Erzeugnissen gesteigert werden kann – ohne dass der Preis weiter nach oben geht.

Weniger Kosten? Ein Trugschluss

Eigentlich hatte sich ihre Fraktion durch den Vorstoß erhofft, dass durch weniger Fleisch auch Kosten eingespart werden können – doch das Betreiberunternehmen Tellerrand hatte erklärt, dass sich nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Preise für Gemüse und Energie nichts einsparen lässt, berichtete Stadträtin Elke Reichenbach. Dennoch: Weniger Fleisch bedeute weniger CO-Ausstoß und damit einen Beitrag zum Klimaschutz. Nicht zuletzt gebe es auch immer mehr Schüler mit vegetarischer Ausrichtung.

Schließung der Mensa droht

Man habe versucht, das Thema "ganz rational zu betrachten", legte Christian Ruf die Sicht der Verwaltung dar. Ja, der Ansatz des Antrags sei dem Klimaschutz dienlich – "aber ist er auch geeignet und angemessen?" Die Verwaltung meint: Nein. Man habe im Gespräch mit dem Betreiber herausgehört, dass der Betrieb Mensa dann wackeln könnte, wenn womöglich noch weniger Schüler kommen als ohnehin schon.

Und auch der Gesamtelternbeirat Rottweil sehe eine Umstellung auf ein vegetarisches Angebot im Hinblick auf die Attraktivität der Mensen als schwierig an. Beispiele aus Tübingen und Freiburg zeigen laut Verwaltung, dass mehr Bioqualität unweigerlich zu mehr Kosten führe – und eine Umstellung des Angebots auf weniger Fleisch für einigen Aufruhr sorgt.

Rasmus Reinhardt hat höchste Bedenken

Die Stadträte hatten in der Diskussion Mühe, sich an die "sachliche" Vorgabe zu halten. CDU-Stadtrat Rasmus Reinhardt holte erstmal tief Luft. "Zu viel Ideologie ist dazu geeignet, das Schulessen zu verderben", meinte er angelehnt an den "Zu viele Köche verderben den Brei"-Spruch. Er zweifelte gar an, ob eine derartige Umstellung mit so wenig Fleisch "überhaupt gesund" für die Schüler sei?

Dass ausgerechnet die Sozialdemokraten so einen Antrag stellen, sei laut Reinhardt durchaus "seltsam". Und bei Bio und Klimaschutz werde allerhand durcheinander gebracht. Letztlich sei Bio unterm Strich sogar klimaschädlicher. Und man müsse froh sein, dass die Mensa aktuell noch "leidlich" funktioniere.

Sozialer Aspekt fehlt

Für Peter Schellenberg (FWV) ist der Antrag "ungeschickt und unprofessionell" – mitten in einem laufenden Vertrag mit einem Anbieter. Außerdem fehle ihm völlig die soziale Komponente. Man müsse doch eher schauen, ob es Schüler gibt, die das Essen gar nicht mehr bezahlen können und wie man sie noch besser unterstützen kann. Monika Hugger (CDU) hakte hier ein und forderte dazu auf, an die Schulen heranzutreten, damit die bestehenden Teilhabe-Angebote über die Schul-Apps bekannter gemacht werden.

Gabriele Schneider ist der lebende Beweis

Grünen-Stadträtin Gabriele Schneider lieferte dem zweifelnden CDU-Kollegen Reinhardt den Beweis, dass man tatsächlich ohne Fleisch überleben kann. "Ich tue das seit 24 Jahren." Dass das Essen ohne Fleisch nicht günstiger werde, hält sie für "Ausreden" des Caterers. "Er will das halt nicht machen."

Gerlich: Schüler kaufen sich bei Lidl den letzten Dreck

Wie Peter Schellenberg sieht auch FDP-Stadtrat Michael Gerlich täglich die Schülermassen zu Lidl und in andere Discounter strömen. "Die kaufen sich da den letzten Dreck als Mittagessen." Lidl habe extra schon ein Regal in Eingangsnähe mit den entsprechenden Fertigangeboten bereitgestellt. Mit einer Veränderung in der Mensa sorge man dafür, dass dieses Phänomen noch zunimmt. "Ob das Lidl-Hackfleisch dann besser ist, wage ich zu bezweifeln." Wobei Frank Sucker (Grüne) eine Einschätzung der Schüler selbst in der ganzen Debatte vermisste.

Die Mehrheit stimmte letztlich pro Fleisch: Gemäß dem Verwaltungsvorschlag wurde der Antrag von SPD+FFR mit zehn zu sechs Stimmen und einer Enthaltung abgelehnt. In der Mensa bleibt  - sofern der Gemeinderat am 7. Dezember diesem Beschluss folgt - alles wie es ist. Zumindest für den Moment. Sollte zum Beispiel die Erhöhung des Bio-Anteils im Sommer 2023, wenn auch die Preise angepasst werden sollen, wieder Thema sein, werde der Caterer die Eckdaten noch einmal prüfen, so Ruf. Klar dürfte sein: Billiger, so wie SPD+FFR das erhofft hatte, wird es auf keinen Fall.