Kamuran und Erhan Cengel vor der neuen Oses-Filiale in Rottenburg. Foto: Lotta Bürker

Angefangen hat es vor einem Jahr: Da öffnete Kamuran Cengel eine Oses-Filiale in Mössingen. Das Geschäft läuft so gut, dass sie einen weiteren Standort in Rottenburg eröffnet.

Morgens um neun stehen Kamuran und Erhan Cengel schon hinter der Theke. Noch ist der Laden in der Königstraße 1 geschlossen, die Tür bleibt bis elf Uhr zu. Drinnen aber läuft die Vorbereitung auf Hochtouren. „Wir müssen noch alles schnibbeln“, sagt Erhan Cengel.

 

Während er Gemüse schneidet, setzt sich seine Frau Kamuran an einen Tisch und erzählt. Sie ist die Geschäftsführerin, diejenige, die die Idee hatte – und den Mut, sie umzusetzen.

Eine Familienentscheidung verändert alles

Alles begann damit, dass die mittlere Tochter des Ehepaars aus Ammerbuch ihre Ernährung auf vegan umstellte. Ein Impuls, der auch bei den Eltern etwas veränderte. Wir haben angefangen, bewusster zu essen, sagt Kamuran Cengel. Fleisch kommt bei ihnen zwar weiterhin auf den Tisch, aber seltener – und mit höherem Anspruch an die Qualität der Ware.

Beide haben türkische Wurzeln. Und dort hat sich ein Trend längst etabliert, der in Deutschland noch vergleichsweise neu ist: Çiğköfte – traditionell einst mit Hackfleisch zubereitet, heute auch vegan auf Basis von Bulgur. In der Türkei sind entsprechende Imbisse allgegenwärtig. Ein Konzept, das die Cengels überzeugt hat. „Wir wollten genau in diese Lücke gehen“, sagt Erhan Cengel. „Sonst hätten wir auch einfach den 75. Dönerladen eröffnen können.“

Einem Franchise angeschlossen

Kamuran Cengel hat sich für ihre Selbstständigkeit dem Franchiseunternehmen Oses angeschlossen. Da sie keine gastronomische Erfahrung mitbringt, schien ihr die Zusammenarbeit sinnvoll.

Der Start verlief verhalten. „Es hat langsam angefangen“, sagt sie. Doch inzwischen hat sich ein fester Kundenstamm entwickelt. Mittags bilden sich Warteschlangen, und die Kundschaft nimmt Geduld mit: „Die warten auch mal zehn bis fünfzehn Minuten, wenn ich allein im Laden stehe.“

Zwei Mitarbeitende beschäftigt sie mittlerweile in Mössingen – genug, um Raum für den nächsten Schritt zu schaffen. Denn die Familie hatte schon länger ein Auge auf Rottenburg geworfen. Es habe aber gedauert, bis sich die passende Immobilie fand, erzählt Cengel. Seit gut zwei Wochen ist nun auch dort eine Filiale geöffnet.

Zweiter Standort: Rottenburg zieht schneller an

Anders als beim ersten Standort lief es hier von Beginn an schneller. „Hier ist es, als ob es ein Hotspot wäre“, sagt Erhan Cengel. Viele Kundinnen und Kunden kennen Çiğköfte noch nicht, wenn sie in den Laden kommen. Oft hilft ein kleines „Probierle“ – und nicht selten wird dann aus der geplanten Falafel ein Çiğköfte-Wrap.

Auch im neuen Laden bleibt das Angebot vegan. Neben Çiğköfte gibt es Manti, veganen Lahmacun und weitere türkische Spezialitäten. In Rottenburg kamen zusätzlich Bowls ins Sortiment. Vereinzelt schleicht sich doch ein Milchprodukt ein: Im Getränkekühlschrank steht Ayran. „Aber da wissen die Leute Bescheid“, sagt Cengel.

Die ganze Familie steigt mit ein

Läuft es so gut, dass die Cengels jetzt eine zweite Filiale aufmachen konnten? Cengel beruft sich auf Ersparnisse, sagt aber auch klar: „Man muss sich auch was trauen, sonst wird das nichts.“ Mittlerweile trage sich die Mössinger Filiale selbst.

Erhan Cengel führt im Moment noch zusammen mit einem Partner ein Computergeschäft in Mössingen. Das Ziel sei es, bis zur Mitte des Jahres an seinen Partner abzugeben, und voll und ganz bei Oses miteinzusteigen und seine Frau zu unterstützen. Trotzdem hilft er jetzt schon mit, auch zwei der Kinder – Tochter und Sohn – unterstützen als Minijobber. Die Oses-Filialen in Mössingen und Rottenburg werden also nach und nach zum Family-Business.

Das ist Oses Çiğköfte

Oses Çiğköfte
ist seit Mitte der 1990er-Jahre mit eigenen Läden aktiv und betreibt heute nach eigenen Angaben mehr als 50 Standorte in Deutschland. 2019 meldete das Franchiseunternehmen die Eröffnung seiner 1000. Filiale. In Deutschland ist die Marke seit 2013 präsent.

Çiğköfte
sind kompakte, würzige Bällchen aus feinem Bulgur, Paprika- und Tomatenmark und Gewürze. Die Çiğköfte von Oses Mössingen enthalten auch Walnüsse. Die Masse wird mit warmen Wasser geknetet, bis sie eine weiche, formbare Konsistenz erhält. Serviert werden Çiğköfte in Salatblättern oder im Wrap, mit Zitrone, frischen Kräutern und Granatapfelsirup. Das traditionelle Fleischgericht wird ausschließlich als vegane Variante angeboten. Es wird nicht gekocht, sondern als Kaltspeise serviert und meist in kleinen Häppchen gegessen, sagt Kamuran Cengel.