Veranstaltung des VdK Bisingen zum Thema Baugemeinschaften mit Architekt Hartmut Fritz (von links), VdK Vorsitzende Anne Heller und Projekteuerin Martina Oberrauch im kleinen Saal der Hohenzollernhalle Foto: Kauffmann

Baugemeinschaften – sie waren das Thema eines Info-Nachmittags des VdK Bisingen. Einige wenige Interessenten haben sich auf eine Liste eingetragen. Zu einer weiteren informellen Kaffeerunde dazu lädt Martina Oberrauch ein.

Es könnte neuer Schwung in das Thema Bauherrengemeinschaften auf dem Maute-Areal kommen. Martina Oberrauch, die in einem gemeinschaftlich gebauten Mehrgenerationenhaus in Renningen wohnt, hat den gut 20 Besuchern im kleinen Saal der Hohenzollernhalle davon aus erster Hand berichtet.

 

Am Ende ging eine Namensliste herum, wenige Zuhörer haben sich eingetragen und Interesse bekundet. Den Termin für eine zweite informelle Veranstaltung hat Oberrauch bereits verkündet (siehe Info). Und vielleicht wird VdK-Vorsitzende Anne Heller ja recht behalten, wenn sie im Hinblick auf das Mehrgenerationenhaus in Renningen sagt: „Vielleicht kann auch in Bisingen etwas Vergleichbares entstehen.“

Interessen festlegen

„Viele stellen es sich schwierig vor“, berichtet Oberrauch über das Bauen in einer Baugemeinschaft – wie es der Begriff sagt, schließen sich mehrere Personen zusammen, um gemeinsam ein Mehrfamilienhaus zu bauen. „Man geht den Weg gemeinsam“, erklärt Oberrauch, allerdings müsse die Gruppe „Interessen festlegen“. Zum Beispiel: Sind Tiere erlaubt? Soll es ein Mehrgenerationen-Projekt werden? Oder soll das Gebäude einfach nur günstig werden?

Einlage auf Konto

Klar ist auch: Alle Extrawünsche kosten Geld. Oberrauch spricht in diesem Zusammenhang vom gemeinsamen Bankkonto, über das sämtliche Ausgaben abgewickelt werden. Darauf müssen die künftigen Eigentümer eine Einlage einbezahlen. Wer dabei ist, haftet „nur zu seinem Grundstücksanteil“.

Architekt Hartmut Fritz (siehe Info) erzählt aus seiner Praxiserfahrung: „Man braucht das Geld, bevor es losgeht.“ Einen gewissen Betrag sollten die Gruppenmitglieder zu einem Zeitpunkt auf das gemeinsame Konto überweisen, wenn noch gar keine Ausgaben nötig sind. Fritz: „Es muss weh tun, auszusteigen.“ Je mehr Personen viel Geld einzahlen, desto höher die Sicherheit und desto verbindlicher das Bauprojekt.

Interviews mit Architekt

Fritz führt mit der Baugemeinschaft Einzelinterviews, in denen es unter anderem um die finanzielle und die Lebenssituation geht. Beispiel: Arbeitet jemand dauerhaft in der Nachtschicht, bringt jemand mehrere Kinder mit, spielt jemand hobbymäßig Schlagzeug oder liebt das Schwimmen, können sich daraus auch Anforderungen für das künftige Gebäude ergeben. Aus all diesen Infos entsteht ein erster Entwurf. Auf Basis einer Baubeschreibung werden die Kosten geschätzt.

Günstigere Variante

Fritz aus Tübingen teilte auf Nachfrage mit, dass das gemeinschaftliche Bauen „minimum 20 Prozent“ günstiger sei im Vergleich zum Wohnungskauf bei einem Bauträger.

Eine Baugemeinschaft spare sich zum Beispiel die teure Vermarktung, spart bei der Grunderwerbssteuer und geht „minimal in Vorleistung“. Vom gemeinsamen Konto wird das Geld stückweise investiert. Fritz spricht von „Abschlagszahlungen“. Zudem arbeitet bei der Baugemeinschaft „niemand mit Gewinn“, denn bei den Bauherren steht der Bau ihres neuen Zuhauses im Vordergrund – nicht Gewinnmaximierung. Allerdings tragen alle, die mitmachen das Kosten- und Terminrisiko.

Soziales Miteinander gefragt

Wie viele Wohneinheiten bei einem Gemeinschaftsprojekt auf dem Maute-Areal denkbar wären? Fritz wirft die Zahl von zehn in den Raum. Abhängig ist diese Anzahl von den Wohnungsgrößen und den Wünschen der Baugemeinschaft. Die Wohnungen könne man hinterher verkaufen und vermieten, „alles Gemeinschaftliche ist über Nutzungsrechte geregelt“, sagt Oberrauch.

Sie sagt auch: „An der Baugemeinschaft nehmen nur Personen teil, die interessiert am sozialen Miteinander sind“ – dies dürfte neben dem finanziellen Aspekt entscheidend sein.

Zweiter Termin

28. Februar
Oberrauch lädt im zweiten Schritt nun ein zum „gemeinsamen Kaffeetrinken“ am Freitag, 28. Februar, von 16 Uhr an in der Bäckerei Gulde in Bisingen ein. Vorbeischauen können alle, die sich vorstellen könnten, auf dem Maute-Areal einen Neubau mit einer Baugemeinschaft zu errichten. Die Frist für das aktuelle Vergabeverfahren endet bereits Mitte März. Falls das Vorhaben wirklich konkreter wird, wäre das Projekt mit einigem Nachdruck zu verfolgen.

Architekt
Hartmut Fritz von „Baisch+Fritz Freie Architekten“ mit Sitz in Tübingen hat nach eigenen Angaben mehr 300 Wohnungen für Baugemeinschaften errichtet. Er ist bereits gut 30 Jahre auf diesem Gebiet tätig.

Mitglied
Martina Oberrauch ist seit 2008 Vorsitzende des VdK Renningen-Malmsheim. 2019 bezog sie in Renningen das Mehrgenerationenhaus, an dem sie als Mitglied der Baugemeinschaft selbst beteiligt ist. Seither betreut sie ähnliche Projekte, aktuell eines in Tübingen, das im Laufe deses Jahres bezugsfertig werden soll.