Varta-Batterieproduktion in Ellwangen Foto: imago/Arnulf Hettrich

Deutschland braucht mehr Anreize zum Aktiensparen. Die Enteignung von Varta-Anlegern ist deshalb ein fatales Signal, meint Finanzreporter Hannes Breustedt.

Wer an der Börse Geld investiert, muss sich über Verlustrisiken im Klaren sein – keine Frage. Die Aktien des Batteriekonzerns Varta entwickelten sich in den vergangenen Jahren zudem immer stärker zum Spielball von Spekulanten. Trotzdem ist die Art, wie Kleinanleger nun bei der Sanierung bluten müssen, für die deutsche Aktienkultur fatal.

 

Kleinanleger werden vergrault

Klar, einige Zocker haben sich bei Varta schlicht verspekuliert. Aber die durch das Sanierungsgesetz StaRUG ermöglichte Enteignung von Aktionären sendet ein verheerendes Signal. Deutschland braucht Anreize zum Aktiensparen. Stattdessen werden Kleinanleger mit Totalverlusten vergrault, während ein einflussreicher Großinvestor außen vor bleibt.

Angesichts mangelnder Finanzbildung und einer traditionellen Scheu vor riskanteren Anlagen haben es Sparer hierzulande ohnehin schwer genug, vernünftig fürs Alter vorzusorgen. Jahrzehntelang trieb die Finanzwirtschaft sie in renditearme und durch hohe Provisionen unnötig teure Anlageprodukte wie Lebensversicherungen – oftmals auch noch unterstützt von der Politik.

Günstige ETF-Sparpläne statt teurer Fondspolicen

Der meist wesentlich lukrativere direkte Weg an die Kapitalmärkte wurde Privatanlegern in Deutschland lange Zeit erschwert. Seit einigen Jahren ändert sich das zum Glück. Neobroker und Handels-Apps erleichtern den Wertpapierkauf. Jüngere Anleger setzen auf ETF-Sparpläne statt auf teure Fondspolicen. Das ist ein großer Fortschritt.

Natürlich kann es an den Börsen zwischendurch kräftig bergab gehen, wie erst vor rund zwei Wochen wieder mal. Aber die Renditechancen breiter Aktieninvestments sind langfristig so überlegen, dass man keinen Bogen um die Anlagekategorie machen sollte.