Jetzt geht’s dagegen: Am Nordportal der katholischen Kirche St. Elisabeth entfernt Restauratorin Melanie Buff die Schmierereien, die unbekannte Täter aufgesprüht haben. Die schlechte Nachricht: Die Gemeinde muss selbst zahlen.
Albstadt-Tailfingen - Ganz vorsichtig hat Melanie Buff ausprobiert, womit sie die Farbe wieder abbekommt vom Nordportal der katholischen Kirche St. Elisabeth am Lammerberg. Dort hatten Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag, 26. August, mit blauer und grüner Farbe "Zu laut" auf das Relief der Heiligen Elisabeth und "Viel zu laut" auf die beiden bronzenen Türen gesprüht. Das Anarchie-Zeichen "A" in einem Kreis, das sie auf dem gläsernen Aushang-Kasten hinterlassen hatten, konnte Kirchenpfleger Gerhard Spiegler selbst entfernen. Am Nordportal aber muss eine Fachfrau ran.
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Melanie Buff ist Restauratorin im Restaurierungsatelier Erich Buff in Sigmaringen, wo neben ihrem Vater und ihr noch drei Mitarbeiter tätig sind. "Mit Schmierereien haben wir es meistens an Schulen zu tun", berichtet sie. "Aber an einer Kirche ist mir sowas noch nicht oft untergekommen." Nachdenklich berichtet sie: Solche Sprüh- und Farbattacken auf Gebäude nähmen zu.
In diesem Fall haben die Täter in wenigen Sekunden einen Schaden hinterlassen, der die katholische Kirchengemeinde laut Pfarrer Hans-Joachim Fogl 5300 Euro kosten wird – Geld, das sie selbst zahlen müsse, weil keine Versicherung dafür aufkomme.
Die 1934 geweihte Kirche im Bauhaus-Stil steht unter Denkmalschutz. Die kunstvollen Bronzetüren und das Relief stammen aus der Werkstatt damals regional sehr bekannten Künstlers Alois Blepp, weiß Melanie Buff. Sie widmet sich zuerst den Türen, die neben dem Schriftzug auch "relativ großflächig" verteilter feiner farbiger Sprühnebel verschandelt hat. Um die Farbe zu entfernen, verwendet die Restauratorin Aceton; das eignet sich am besten, wie sie durch Tests mit verschiedenen Lösungsmitteln, Gel und Kompressen herausgefunden hat. Die weiße Patina auf den dunklen Türen will sie freilich nicht mitentfernen: "Diese Edelpatina ist so gewollt und darf schon aus Denkmalschutzgründen nicht beschädigt werden: Die natürliche Alterung der Türen soll lesbar bleiben."
Schwieriger ist die Aufgabe der Fachfrau am Relief, denn der Kunstsandstein hat eine feine Körnung und – teilweise recht tiefe – Poren, in welche die Farbe eingezogen ist. Künstler Blepp hatte seinerzeit auch mit rosa und gelben Farben gearbeitet, um Naturstein zu imitieren. "Diese Farbfassung ist empfindlich gegenüber mechanischer Bereibung", betont Melanie Buff. Für Laien: Mit der Scheuerbürste ist da nichts zu machen – sie würde das Kunstwerk zerstören.
Mit Zellstoffkompressen gegen den Vandalismus
Also arbeitet die Restauratorin mit Zellstoffkompressen, lässt das Lösungsmittel rund zehn Sekunden lang einwirken und nimmt die Farbe dann mit einem dicken Wattestäbchen ab. Weil das Prozedere in den Poren aber nicht funktioniert, arbeitet Melanie Blepp auch mit Farbpigmenten, um die Sprühfarbe zu überdecken – "mit den selben Farben, die Blepp verwendet hat".
Rund 30 Minuten braucht die Fachfrau für zwei Quadratzentimeter – das Retuschieren mit den Farbpigmenten nicht eingerechnet. Pfarrer Hans-Joachim Fogl freut sich unterdessen auf den Tag, an dem die Heilige Elisabeth wieder aussieht wie neu: Ihrer gedenkt die katholische Kirche am 19. November, einem Freitag. Das Patrozinium in St. Elisabeth in Tailfingen wird also am Sonntag, 21. November, gefeiert – wie immer mit Brot und Rosen.