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Vandalismus in Schwenningen Wächst Zerstörungswut durch Corona-Krise?

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Massive Schäden haben zwei junge Männer jüngst an mehreren Autos angerichtet. Zu ähnlichen Vorfällen kommt es immer wieder. Foto: David.Sch – stock.adobe.com

Wieder einmal ist in Schwenningen Vandalismus begangen worden. Dieses Mal haben zwei 18-Jährige mehrere Autos beschädigt. Welche Rückschlüsse die Polizei und Experten zur aktuellen Corona-Krise zieht, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Autofahrer finden ihre Wagen zerkratzt und ihre Reifen zerstochen vor, Fenster gehen zu Bruch und im Neckarpark wüten Vandalen – die jungen Männer, die am Sonntag in der Schwarzwaldstraße eine Spur der Verwüstung hinterließen, scheinen da ins Bild zu passen.

VS-Schwenningen - Mehrere geparkte Autos waren das Ziel von zwei jungen Männern, die am Sonntagabend gegen 22 Uhr randalierend in der Schwarzwaldstraße unterwegs waren. Die beiden 18-Jährigen schlugen an einem Kia Rio die Front- und Heckscheibe ein und beschädigten auch die vordere Scheibe eines VW Sharan. Beide Männer stehen auch in Verdacht, kurz davor in der Bürkstraße an vier geparkten Autos die Außenspiegel abgetreten zu haben. Insgesamt entstand dabei Sachschaden in Höhe von mehreren tausend Euro, teilt die Polizei am Montag mit.

Immer wieder meldet die Polizei solche und ähnliche Vorkommnisse: Kurz vor Weihnachten wirft ein Unbekannter nachts eine Glasscheibe einer Poststelle im Schwenninger Mühlweg ein. Anfang Dezember fällt eine Seitenscheibe eines Discounters Schneeballwerfern zum Opfer. Etwa zur gleichen Zeit wird die Eingangstür der Schwenninger Hirschbergschule von Unbekannten eingeworfen. Ende November treiben Unbekannte rund um den Bahnhof und im Neckarpark ihr Unwesen, beschädigen Bäume mit einer Machete oder Axt, zerschlagen Bodenstrahler, Leuchten, eine Scheibe und ein Lichtpanel am Bahnhofseingang. Und immer wieder werden Autos zerkratzt oder Reifen zerstochen – oftmals, wie auch am vergangenen Sonntag, bleibt es nicht bei einem Fahrzeug, sondern es wird eine ganze Serie daraus.

Anzahl der Sachbeschädigungen ist noch "normal"

Zeichnet sich in Schwenningen also ein Trend zur Sachbeschädigung und zum Vandalismus ab? Entladen sich hier angestaute Aggressionen und Anspannungen infolge der coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens? "Das kann man natürlich nicht ausschließen", räumt Jörg-Dieter Kluge, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, ein. Dass die Zahl der Sachbeschädigungen in den vergangenen Wochen und Monaten besonders hoch sei, täusche aber. Die Zahl der Verstöße beispielsweise im Dezember sei auf einem gewöhnlichen Niveau. "Dass es so viele Sachbeschädigungen und Vorfälle gibt, ist natürlich nicht schön, aber leider normal", meint Kluge.

Studie gibt Hinweise auf negative Veränderung durch die Corona-Krise

Um auf einen Zusammenhang zwischen Vandalismus-Vorfällen und dem Corona-Lockdown schließen zu können, wäre eine detaillierte Auswertung nötig, betont der Polizeisprecher. "Man müsste genau untersuchen, ob in den Lockdown-Zeiten mehr Vandalismus stattgefunden hat, um das sagen zu können."

Einen konkreten Beleg für einen Zusammenhang von Vandalismus und angestauten Aggressionen aufgrund der pandemischen Lage sieht die Polizei also nicht. Umfragen legen aber nahe, dass Corona zumindest die gesellschaftliche Stimmung negativ beeinflusst. So zeigt eine Monitorstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass die Mehrheit der Befragten – in diesem Fall 30- bis 59-Jährige – den Eindruck hat, dass sich die Gesamtgesellschaft durch Corona zum Schlechteren verändert hat. Mehr als 70 Prozent geben in diesem Zusammenhang an, dass die Aggressivität ihrem Vernehmen nach zunimmt – ein Umstand, der sich auch durch blinde Zerstörungswut in Form von Vandalismus und grundloser Sachbeschädigung zeigen kann.

Dass die Stimmung offenbar auch bei der jüngeren Generation im Keller ist, verdeutlicht eine Studie der Schwenninger Krankenkasse in Kooperation mit der Stiftung "Die Gesundarbeiter – Zukunftsverantwortung Gesundheit", für die 14- bis 34-Jährige befragt wurden. Jeweils die Mehrheit der Teilnehmer gibt an, dass sich ihre Lebensqualität durch die Pandemie verschlechtert hat, dass sie sich oft gestresst fühlen und dass ihr Leben im Laufe des Jahres 2020 anstrengender geworden sei.

Zu den Tätern zählen oftmals Jugendliche oder junge Männer

Auffällig ist mit Blick auf die Meldungen der Polizei gerade in diesem Zusammenhang auch, dass viele Sachbeschädigungen von Jugendlichen und jungen Tätern begangen werden. Auch das stimme mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre überein und sei vermutlich nicht – oder zumindest nicht gänzlich – der Pandemie geschuldet, erklärt Kluge weiter. "Es ist tatsächlich so, dass gerade bei Vorfällen, wo wahllos einfach mal Vandalismus gemacht wurde, wo also zum Beispiel an mehreren Autos grundlos Scheiben eingeschlagen oder Reifen zerstochen werden, oftmals jüngere Männer dahinterstecken", berichtet er. Dann gebe es natürlich auch noch Sachbeschädigungen, die sich gegen einzelne Personen richten – "wenn zum Beispiel der Spiegel am Auto des Ex-Partners abgetreten wird", verdeutlicht Kluge. Bei diesen sei etwa in Bezug auf das Alter der Täter kaum ein Trend zu erkennen.

Die Polizei sucht Zeugen zu den Ereignissen in Bürk- und Schwarzwaldstraße. Wer Beobachtungen gemacht hat und Hinweise zu den Sachbeschädigungen geben kann, wird gebeten, sich mit dem Polizeirevier Schwenningen, Telefon 07720/8 50 00, in Verbindung zu setzen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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