Verstopfte Klos, zerbrochene Toilettendeckel, TikTok-Challenges: Vandalismus in Deutschlands Schultoiletten ist ein Dauerthema. Wir hörten uns in Lörrach um.
Die Challenge auf TikTok löste Großalarm aus. Alle Schüler mussten das Gebäude verlassen, zum Glück kam niemand zu schaden. Das Ergebnis des dummen Jungenstreichs: eine halb zerstörte Schultoilette. Ein Vorfall an der ASG in Lörrach, der für Aufmerksamkeit sorgte – und die Schulleitung neue Maßnahmen ergreifen ließ.
Rektor Martin Jegle ist nicht begeistert beim Thema Schultoilette. Damit dürfte er nicht der Einzige sein. Denn dass Vandalismus, rudelartige Zusammenkünfte zur Smartphone-Nutzung oder auch Mobbing an Deutschlands Schultoiletten Alltag sind, ist bekannt.
Neue Regeln nach rechtsradikalen Kritzeleien
An seiner Schule gibt es mittlerweile neue Regeln – nachdem zuvor einiges ausprobiert worden war. In den Pausen sind die Toiletten offen, eine strikte Gangaufsicht achtet aber darauf, dass hier keine „Rudelbildung“ stattfindet, erläutert Jegle. Wer während des Unterrichts auf die Toilette muss, wird vom Lehrer begleitet, der aufschließt. „Das wird glücklicherweise inzwischen nur selten in Anspruch genommen“, so der Schulleiter. Ausgenommen seien Schüler mit gesundheitlichen Problemen. Diese haben einen Schlüssel und können jederzeit das WC aufsuchen. „Das sind aber nur wenige Fälle.“ Durch diese Maßnahme haben die Lehrer die Kontrolle darüber, wer wann, wie oft und wie lange auf der Toilette ist, erklärt er.
Verschönerungsaktionen von Schülerseite
Besonders bedauerlich findet er, dass Verschönerungsaktionen von Schülerseite keine dauerhafte Wirkung zeigten. Im Gegenteil. „Gerade hier tauchten übelste Schmierereien auf. Als auch Hakenkreuze dabei waren, war für mich Schluss“, so Jegle. Seitdem wurden neue Regeln eingeführt.
Vandalismus gebe es leider immer noch – meistens wellenartig. „Wenn auf TikTok eine neue Challenge läuft, wirkt sich das leider oft aus.“ Es gebe aber auch „ruhige Phasen“.
Am Hans-Thoma-Gymnasium wiederum ist die Schulleitung einigermaßen zufrieden mit dem Ist-Zustand der Toiletten. Doch es gab vor nicht allzu langer Zeit Beschwerden von Schülern über verschmutzte Sanitärräume.
Als Gegenmaßnahme geht das Reinigungsteam nun zusätzlich am Mittag durch die Räume. Seitdem sei es besser, so Rektorin Annette Schuck. Besonders die Jungs-Toiletten seien aber öfter verunreinigt, durch Klorollen verstopft oder es sei Urin am Fußboden. „Da passiert mehr als bei den Mädchen.“
Handys und E-Zigaretten auf den Toiletten
Ein forderndes Thema für die Lehrerschaft sei aber auch die Durchsetzung des Handy-Verbots. Denn die Toiletten seien Privatsphäre:„Da dürfen wir nicht einfach reingehen.“ Daher nutzten die Schüler die Gelegenheit, hier ihre Handys herauszuholen.
Ein Fakt, der sich kaum vollständig verhindern ließe. „Wir hatten mal einen Vorfall, bei dem sich ein Schüler beschwerte, er sei auf der Toilette gefilmt worden“ erzählt die Rektorin. Das habe sich im Gespräch mit allen Beteiligten glücklicherweise als Missverständnis herausgestellt, zeigt sie sich rückblickend erleichtert. Die Schule versuche, so weit als möglich, ein Bewusstsein für die Wertschätzung sauberer Sanitärräume zu schaffen, sagt Schuck. So habe die Kunstfachschaft Türen neu gestaltet. An Kreidetafeln könnten sich die Schüler ausleben, ohne Schaden anzurichten. Für Mädchen würden Hygiene-Artikel bereit gestellt. „Wenn die Schüler sehen: Da kümmert sich einer um uns, werden sie das auch mehr wertschätzen und pflegen“, ist die Rektorin überzeugt.
Diesbezüglich kennt sie ein Beispiel aus Freiburg: Hier müssen die Schüler einer Waldorfschule die Toiletten sogar selbst putzen – was zu deutlich größerer Achtsamkeit führe. Am HTG mit 1000 Schülern ist dies indes wohl keine Option.
Auf der Toilette gefilmt?
Frühjahrsputz beschlossen
Vor den Ferien wurde übrigens im HTG eine Mottowoche unter dem Thema Frühjahrsputz beschlossen. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir eine Woche lang alle gemeinsam aufmerksam auf Sauberkeit achten und auch über Verschönerungen in den Klassenzimmern nachdenken.“
„Wir haben ein Problem“, sagt Anja Hanke
Die Leiterin der Hellbergschule Anja Hanke hat aufgrund von Vandalismus auf den Schultoiletten das System umgestellt. Was bedeutet: Die Schüler müssen sich abmelden, wenn sie austreten müssen. In den kurzen Pausen sind die Toiletten sonst nicht verfügbar. „Wir hatten da regelmäßig Rudelbildungen. Jeder wollte zeigen, wer der Coolste ist. Manche, gerade jüngere Schüler, haben sich dann gar nicht mehr auf die Toilette getraut.“ Seit der Neuregelung gebe es deutlich weniger Beschädigungen. Zuvor ärgerte sie sich über Vorfälle wie eine abgetretene Spülung, zerbrochene Klobrillen, Damenbinden, die an die Wände geklebt wurden, Müll oder „Wildpinkler“.
Die Lehrer handeln die neuen und wirksamen Regeln unterschiedlich. Bei manchen gibt es Toilettenampeln, bei anderen Listen.
Mehr Verschmutzung auf den Jungs-Klos
Auch sie musste feststellen, dass die Jungs-Toiletten meist schlimmer aussahen als die der Mädchen. An der Grundschule sei dies allerdings überhaupt kein Problem, betont sie.
Nicht lösen könne die neue Regelung aber Handy-Nutzung – und das sogenannte Vapen, „eine echte Seuche“, beklagt die Rektorin die Nutzung von E-Zigaretten. Beides sei auf den Toiletten mitunter schwer zu regulieren. Dennoch verströmt die Rektorin eine gewisse Gelassenheit – und Zuversicht: Bei der jüngsten Schülervollversammlung wurden die neuen Regeln besprochen. Heraus kam: „Auch die Schüler wollen es auf den Toiletten gerne sauber haben.“