Der Inhaber des HolzZeitCafés in der Ebinger Bahnhofstraße wehrt sich gegen sinnlose Zerstörung von Mobiliar im Außenbereich. Nach einem Gespräch mit dem OB soll es Lösungen geben.
„Jetzt habe ich genug. Jetzt rufe ich die Polizei“, entschloss sich Marcel Wesner vor einer Woche. Die Streife kam auch prompt. Doch die Frustration beim Schreinermeister war danach noch größer. Inzwischen hat Marcel Wesner drei Videos auf Instagram hochgeladen und zahlreiche Gespräche geführt, sodass er voll Hoffnung in die Zukunft blickt. Doch worum geht es eigentlich? Um die Schäden, die im Außenbereich des HolzZeitCafés in der Ebinger Innenstadt mutwillig herbeigeführt wurden. Im April letzten Jahres haben Marcel Wesner und seine Gattin Amalia das liebevoll eingerichtete Café erst eröffnet. Darin befinden sich unter anderem zahlreiche Unikate von Tischen, die der Schreinermeister selbst hergestellt hat.
Umsatzeinbußen kommen hinzu
Die Saison für die Außengastronomie hat bei sommerlichen Temperaturen in den vergangenen Tagen endlich begonnen. Doch dieses Geschäft bricht gerade beim HolzZeitCafé massiv ein. Neben Kosten für die Reparatur von Schäden oder den Ersatz von Inventar muss das Inhaberehepaar nun auch noch Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Gäste wollen sich situationsbedingt nicht mehr im Außenbereich niederlassen. Das hat beim Handwerksmeister das Fass zum Überlaufen gebracht. In einem ersten Video auf Instagram schilderte er ausführlich, dass nach Ladenschluss Stühle im Außenbereich zerstört wurden. „Hier waren Stuhlbeine verbogen, dort war die Sitzfläche aufgeschlitzt. Dann wurde noch der Sonnenschirm kaputtgemacht“, schildert Marcel Wesner.
Provokative Verschmutzungen
Er vermutet, dass es sich eine „Personengruppe“ in den Abend- und Nachtstunden wahrscheinlich bequem machen wollte. Vielleicht gab es auch noch ein paar Sonnenstrahlen, die geblendet haben. Also hat man versucht, den Schirm zu öffnen und dabei den Mechanismus zerstört. Was den Gastronomen aber noch wütender macht, ist die Tatsache, dass dies wiederholt vorkommt und keine einmalige Sache war: „Immer wieder sind Pflanzen aus den Trögen herausgerissen und auf dem Platz verteilt.“ Marcel Wesner spricht zudem von „provokativen Verschmutzungen“. Damit ist gemeint, dass Sonnenblumenkerne in die Spalten der Holztische gedrückt oder Kautabak auf den Sitzflächen der Stühle verteilt werden. Das ziehe eine aufwändige und mühevolle Reinigung nach sich.
„Zeit, die meine Mitarbeiter einfach nicht haben. Morgens um 7 Uhr muss die Theke für die Kunden gefüllt sein“, erklärt Marcel Wesner. Es war übrigens seine Reinigungskraft, die vor einer Woche am Abend den Chef gerufen und auf die Zerstörung einiger Stühle aufmerksam gemacht hat und meinte: „Einer hat gerade einen Stuhl in der Hand.“ Es habe wohl so gewirkt, als ob der junge Mann diesen werfen wollte. Damit war für Marcel Wesner das Maß voll. Der Anruf bei der Polizei folgte. Die Streife sei auch nach zwei Minuten bereits vor Ort gewesen. Doch die Beamten hätten nur ein Autofenster geöffnet und kurz die vor dem HolzZeitCafé versammelte Gruppe angesprochen. Das sei schon alles gewesen. Etwas später habe Marcel Wesner dann einen Anruf vom Polizeiposten erhalten, weshalb er die Ordnungshüter überhaupt gerufen hätte. Der 31-Jährige beschreibt, wie er in diesem Moment total frustriert war und sich fühlte, als ob er nicht das Opfer, sondern Täter sei.
„Video ging durch die Decke“
Auch das hat er in seinem Reel auf Instagram erläutert. „Dieses erste Video ging durch die Decke und erreichte eine hohe Reichweite“, freut sich Marcel Wesner. Denn er wollte aufrütteln, wollte wissen, ob es anderen Geschäftsleuten im Bereich der Ebinger Bahnhofstraße ähnlich ergehe oder ob Anwohner gleiche Erfahrungen gemacht haben. „Danach haben einige gute Gespräche stattgefunden“, erläutert der Gastronom. Auch mit den beiden Leitern der Albstädter Polizeiposten. Diese hätten konstruktive Kritik an seinen Einschätzungen und Äußerungen geübt. Inzwischen sei ihm auch klar, dass die Polizei nur einschreiten könne, wenn eine Straftat vorliege. Und das mit dem Stuhl sei ja nur eine Momentaufnahme gewesen. Natürlich hat derjenige das Möbelstück nicht fünf Minuten lang in Händen gehalten und mit dem Werfen gewartet, bis Ordnungshüter eintreffen – die allerdings schon nach zwei Minuten vor Ort waren.
Lösungsansätze gefunden
Auch der Geschäftsführer des Citymanagements Ulrich Daum habe dem Gastronomen in der Bahnhofstraße 33 sofort einen Besuch abgestattet und mit ihm Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Am Dienstagmittag stand dann der Termin bei Oberbürgermeister Roland Tralmer an. „Er hat sich viel Zeit genommen, über eine Stunde. Und dabei ging es in der Hauptsache um Lösungsmöglichkeiten für mein Problem“, freut sich Marcel Wesner. Zudem hätten sich auch zahlreiche Anwohner und Geschäftsleute gemeldet, die von ähnlichen Vorfällen berichtet haben. Das Problem sei zwar in gewissem Rahmen bei der Stadtverwaltung bekannt, aber nun habe es ein schockierendes Ausmaß angenommen, wie Marcel Wesner erzählt. Erste Lösungsansätze gebe es schon. Beispielsweise will man die Sitzbänke an der Bushaltestelle nebenan abmontieren, da diese quasi zum Versammeln in den Abendstunden einladen, und die Bushaltestelle ja ohnehin verlegt werden soll.