Verstörendes Beispiel, grundsätzliches Problem: Das „Hebelhüsli“ im Schopfheimer Sengelen wird regelmäßig Opfer von Vandalismus. Das Denkmalamt indes verhindert den Umzug.
Der jüngste Vorstoß, das Johann-Peter-Hebel-Denkmal aus Pavillon und Büste, oder zumindest die Büste mitsamt Sockel in die Innenstadt zu holen, kam im Januar von der Grünen-Fraktion im Schopfheimer Gemeinderat. Es war beileibe nicht der erste Anlauf in diese Richtung – und wie all seine Vorgänger scheitert voraussichtlich auch dieser am Einspruch der Denkmalschutzbehörden. Das geht aus den Unterlagen für die nächste Gemeinderatssitzung am Montag, 20. April, hervor.
Die Verwaltung empfiehlt dem Gemeinderat nun, den Standort im Sengelen beizubehalten, diesen aufzuhübschen und in der Stadt eventuell eine Kopie der Büste zu platzieren. Dieser Empfehlung vorausgegangen sei eine intensive Prüfung und ein ebensolcher Austausch mit der Denkmalbehörde, wie die Schopfheimer Verwaltung dar- und und mit zahlreichen Unterlagen belegt.
Standort als Knackpunkt
Knackpunkt: In den Augen der amtlichen Denkmalpflege in Lörrach und Freiburg sind eben nicht allein der (ohnehin kaum mehr originale) Pavillon und die (sehr wohl noch originale, wohl im Hausener Eisenwerk gegossene) Hebel-Büste denkmalschutz-würdig. Viel mehr entfalte sich der historische Wert gerade erst in Kombination mit dem seinerzeit – sprich: 1860 – sehr bewusst ausgewählten Standort: der Standort als „denkmalrelevante Eigenschaft des Objekts“. Dieser sei „Ausdruck einer bewusst gepflegten regionalen Erinnerungskultur zum Dichter und Theologen Johann Peter Hebel“ (so Schopfheims Museumsleiter Dominik Baiker in seiner kulturhistorischen Einordnung) und „charakteristisches Element der sogenannten Landschaftsverschönerung“ (so die Denkmalpflege in ihren Ausführungen).
Hebelhöhe 1860 eingeweiht
Der Platz mit Hebelpavillon und Büste wurde als „Neue Hebelhöhe“ im Rahmen eines Festaktes zum 100. Geburtstag Johann Peter Hebels am 10. und 11. Mai 1860 eingeweiht, die Feierlichkeiten dauerten zwei Tage an.
Wie anders die Verhältnisse damals waren, zeigt eine historische Fotografie aus dem Bestand des Stadtmuseums: Der Pavillon thront in einer lichten Parklandschaft oberhalb der Stadt, in seiner prominenten Platzierung von der Ebene aus gut zu sehen, der Ausblick von dort oben wiederum weit und offen, über die Markgrafenstadt hinweg bis zum mütterliche Wohnhaus Hebels in Hausen. Von der heutigen dichten Bewaldung um das Häuschen herum, von den modernistischen Architektur auf der Höhe und der unterhalb vorbeiführenden Bundesstraße natürlich keine Spur.
„Mangelnde Attraktivität“
In ihrem Austausch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde Lörrach und dem Landesamt für Denkmalpflege in Freiburg hatte die Stadt Schopfheim laut Vorlage nochmals explizit auf die heutzutage „mangelnde Attraktivität des Standorts“ hingewiesen und darauf, dass das Hebeldenkmal dadurch in Vergessenheit geraten und regelmäßigem Vandalismus preisgegeben sei. Vergeblich: Das Denkmalamt äußert zwar „Verständnis für die aus dem Standort resultierenden Probleme“ und bezeichnet die Einschränkung der Aufenthaltsqualität durch den Verkehrslärm als „unglücklich“. Aber: „ Die Aufenthaltsqualität ist keine Kategorie des Denkmalschutzgesetzes.“ Und: „Eine Versetzung der Büste ist keine denkmalverträgliche Variante, da sie aus ihrem historischen Kontext herausgelöst wird.“
Videoüberwachung vor Ort?
Als Gegenmaßnahme vor Ort empfiehlt die Behörde Videoüberwachung und eine gestalterisch Aufwertung des Platzes rund ums Hebelhäuschen. Und: Die Erhaltung des Denkmals an seinem hergebrachten Ort stehe einer zusätzlichen Würdigung Hebels in der Innenstadt keineswegs im Wege, so der Hinweis des Behörde: „Eine Kopie der Büste könnte aus Sicht der Denkmalbehörden hergestellt und im Anna-Kym-Garten aufgestellt werden, wenn es in erster Linie um die Erinnerung an Hebel geht.“
Wie es weitergeht
Auf Basis der Prüfergebnisse und nach Stellungnahme der Denkmalschutzbehörde schlägt die Verwaltung dem Gemeinderat vor, „den originalen historischen Standort des 1860 erbauten Hebeldenkmals auf der Hebelhöhe am Sengelewäldchen beizubehalten“. Dort immerhin soll das Denkmal künftig besser gewürdigt und gepflegt werden: Mit einer Informationstafel etwa, die über Leben und Werk Johann Peter Hebels sowie seinen Bezug zu Schopfheim informiert. Und, indem es regelmäßig gereinigt und repariert wird, und die „Parkanlage“ ringsum instandgesetzt wird.
Auch den Vorschlag des Denkmalamts in Sachen zusätzlicher Hebelbüste in der Innenstadt greift die Stadt auf – „sofern die Kosten der Büste und der Aufstellung durch Spenden aus der Öffentlichkeit gedeckt werden“, wie es in der Vorlage heißt.
Der Gemeinderat tagt am Montag, 20. April, ab 19 Uhr im Ratssaal