Vermutlich in der Zeit von Donnerstagnacht bis Sonntagmorgen, 19. bis 22. Juni, haben Unbekannte an der Leutkirche in Oberschopfheim ihr Unwesen getrieben.
Bis zu sechs Meter hoch wurden die Steine gegen die historischen Glasscheiben geworfen. Mehrere Steine liegen auf dem Boden der Kirche. Scherben bedecken die gesamten Bänke, den Boden, den Altar und den Altarraum. Mehrere Elemente der runden Scheiben sind zerbrochen und die Umrahmung einer Scheibe stark eingedrückt und verbogen. Zudem ist eine Lampe zu Bruch gegangen. Am Gebäude wurde mit Wachskreide eine Telefonnummer angebracht. Die Nummer stellt eine Verbindung nach Hohberg dar. Außerdem benutzten die Täter ein trockenen Brot, um eine Ecke in der Scheibe zu verbiegen. Die Polizei ist eingeschaltet und nimmt die Ermittlungen auf. Der Schaden lässt sich noch nicht beziffern.
Von außen fällt der Schaden kaum auf
Von außen fällt der Schaden an der Leutkirche so gut wie gar nicht auf. Als jedoch am Sonntagmittag um 13 Uhr Waltraud Lögler die Tür für das sonntägliche Rosenkranzgebet in der Leutkirche geöffnet hatte, erkannte sie das Ausmaß des Schadens. Hinzugezogen wurde Mesnerin Heidi Feißt, die sowohl ihren Dienst in der Pfarrkirche St. Leodegar als auch in der Leutkirche verrichtet. Die Leutkirche steht normalerweise nach dem Rosenkranzgebet von 13 bis 15 Uhr den Besuchern bis 17 Uhr offen. Ein Rosenkranzgebet wurde in den hinteren Bänken unter der Empore verrichtet und die Scherben notdürftig von den Sitzen gefegt. Nach Gesang war den Besuchern an diesem Sonntag nicht. Zu aufgeregt waren sie, über die mutwillige Zerstörung der Fenster in der geliebten kleinen Kapelle. Die Menschen sind entsetzt.
In der Leutkirche zieren seit vielen Jahrhunderten die alten gotischen Fenster den Chorraum. Geschätzt wird deren Ursprung ins 18. Jahrhundert. Die Leutkirche wird im Jahr 1343 erstmals als Pfarrkirche urkundlich erwähnt. Seit dem 14. Jahrhundert gibt es zur Leutkirche die Wallfahrt zur Gnadenmutter Maria Hilf. Geblieben ist jährlich in Oberschopfheim das Rosenkranzgebet von Mai bis Oktober. In den Wintermonaten ist die Kirche geschlossen.
In den Wintermonaten ist die Kirche geschlossen
1695 wird die Leutkirche von den Pfarrern als baufällig bezeichnet. Bis im Jahr 1750 blieb sie in Trümmern liegen. Um 1760 wurde der Chor gerichtet aus dieser Zeit stammt auch der Hochaltar. Im Jahr 1905 wird das dachlose Langschiff im Ostteil überdacht. „Aus dieser Zeit stammen auch die vorderen Fenster“, erklärt Karl Hermann Beiser von der Pfarrgemeinde, der die Entwicklung der Leutkirche seit vielen Jahrzehnten begleitet. In den Jahren 1962 bis 1964 wurde das Langhaus überdacht und die Kirche renoviert. Aus dieser Zeit stammen die Fenster rechts und links vom Haupteingang. Eine weitere umfassende Sanierung erfuhr die Leutkirche mit einer Rückversetzung in ihren ursprünglichen Zustand mittels Sandsteinboden, Freskenmalerei und neuem Anstrich im Jahr 2016. Im Jahr 2023 erhielt die Kirche einen neuen Altar aus einem Sandsteinquader gefertigt.
Weitere Vorfälle
In den vergangenen Jahren wurde die Leutkirche immer wieder beschädigt. Im Jahr 2010 versuchten Unbekannte die Kupferverkleidung am Eingangsportal abzureißen. Gelungen ist im Jahr 2009 der Diebstahl der Dachrinnen und Kupferabläufe. Im Mai 2016 wurde die Außenfassade der Leutkirche verschmiert. Zwei Jahre später im Mai 2018 wurde eine Parkbank auf der Außenanlage der Leutkirche zerstört. Die Ermittlungen der Polizei verliefen im Sand. Die Täter wurden nicht gefasst.