US-Präsident Donald Trump zeigt die Tafel mit den geplanten Zöllen für die einzelnen Länder. Foto: AP/Mark Schiefelbein

Der US-Präsident will die Welt mit neuen Zöllen einschüchtern. Das ist gefährlich für Deutschland – und auch für die USA.

Es ist schwer, den Überblick zu behalten über all die Böswilligkeiten, mit denen US-Präsident Donald Trump dem Rest der Welt wirtschaftlich schaden will. 20 Prozent auf Importe aus China, 25 Prozent auf Autos aus allen Ländern, auf Stahl und Aluminium. Doch all das war nur ein Vorgeplänkel verglichen mit dem, was Trump nun ankündigte: Zehn Prozent auf alle Güter, egal, woher sie kommen. Hinzu kommen Aufschläge für einzelne Länder, wodurch sich die Abgaben für die EU verdoppeln.

 

Es ist kein Zufall, dass selbst die US-Autobauer alles andere als begeistert sind von dem Schutz, den Trump ihr angedeihen lassen will. Denn auch sie sind aufs Engste in ein über Jahrzehnte gewachsenes Lieferantennetzwerk eingebunden, das nur deshalb entstehen konnte, weil sich Handelspartner dies- und jenseits der US-Grenzen davon einen Vorteil versprachen.

Autoexporte aus Deutschland könnten von Zöllen besonders betroffen sein. Foto: dpa/Ingo Wagner

Mexiko etwa profitiert von Aufträgen aus den wohlhabenden USA, deren Autos angesichts niedriger Löhne in Mexiko erschwinglicher wurden. Die globale Autoproduktion ist der alltägliche Gegenbeweis zu Trumps Annahme, wonach im Handel die einen verlieren müssen, was die anderen gewinnen.

Es geht nicht allein um die Wirtschaft

Doch neben der wirtschaftlichen gibt es die politische Rationalität. Sich als Vorkämpfer der vermeintlich Abgehängten zu präsentieren und deren Ängste auf vermeintliche Übeltäter zu projizieren, gehört seit jeher zum Werkzeugkasten autokratischer Führer. „Jahrzehntelang wurde unser Land geplündert, gebrandschatzt, vergewaltigt und ausgeplündert“, sagte Trump. Nun aber komme das „goldene Zeitalter“ der USA zurück. Trump, der Retter vor dem Bösen.

Dass andere bei einem solchen Vorgehen Schaden nehmen, zahlt ebenfalls auf sein Konto ein – bedient er damit doch Rachegelüste, die er selbst geschürt hatte. Es ist daher ein frommer Wunsch, dass Trump schnell einknickt, falls durch die Zölle Arbeitslosenzahlen und Preise nachhaltig steigen. Und es ist auch möglich, dass sein Kalkül aufgeht und internationale Unternehmen – nicht zuletzt deutsche Autokonzerne – Arbeitsplätze hinter die neuen Zollmauern verlagern. Nach Trumps Kampfansage an den Rest der Welt steht für Deutschland besonders viel auf dem Spiel.

Auch die EU kann stark sein

Die EU allerdings ist mit ihren 450 Millionen Einwohnern einer der wichtigsten Handelsblöcke der Welt, die den USA nicht nur gewaltige Mengen von Gütern abkauft, sondern auch für die dortigen Digitalkonzerne eine gewaltige Bedeutung hat. Giganten wie Alphabet/Google, Apple und Amazon verdanken ihre globale Marktstellung nicht nur ihrer Innovationskraft, sondern auch dem noch immer überaus freien Zugang zum europäischen Markt. Eine Verschärfung schmerzt die Techno-Milliardäre, die Trump verehren.

In einer Welt der Verunsicherung, die zunehmend durch Autokraten dominiert wird, wirkt es fast anachronistisch, dass sich Europa weiter an Recht und Gesetz halten will. Doch es zeigt sich zunehmend, dass solche Werte in der Welt umso mehr zählen, je stärker sie bedroht werden. Die EU-Kommission jedenfalls registriert erfreut das wachsende Interesse wichtiger Weltregionen, nach langen Jahren zäher Verhandlungen endlich ins Geschäft über freien Handel zu kommen. Die Chance wächst, dass sich Allianzen entwickeln, die Trumps wirtschaftliche Schlagkraft abmildern.

Amerika stellt sich gegen den Rest der Welt – doch zwingt es die Welt nicht geradezu, sich auch gegen die USA zu stellen? Erfreuen kann einen weder das eine noch das andere; aber klar ist auch: Eine einige EU kann Trump selbstbewusst die Stirn zeigen.