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USA Nach Wahl: Tränen statt Feuerwerk in New York

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Lars Halter berichtet aus den USA. Foto: Halter

Lars Halter, Journalist und USA-Kenner aus Südbaden, kommentiert für uns von die Präsidentschaftswahlen in Amerika.

Die Entscheidung wen sie ins Weiße Haus schicken wollen, haben die meisten Amerikaner schon vor Monaten getroffen. Es war auch nicht allzu schwierig diesmal. Zur Wahl standen eine erfahrene Politikerin und ein populistisches Großmaul. Es gab zuletzt kaum noch Wähler, die sich mit einer Entscheidung schwer taten – vor allem nicht in New York, einer Hochburg der Progressiven.

Auch Hillary Clinton und Donald Trump gehen an diesem warmen Dienstag im November in New York zur Wahl, denn beide Präsidentschaftskandidaten leben hier: Hillary Clinton in Chappaqua, einem gemütlichen Vorort knapp eine Stunde nördlich von Manhattan, und Donald Trump - klar: im Trump Tower, dem Protzbau an der Fifth Avenue, dessen schwarze Fassade von meterhohen goldenen TRUMP-Lettern verziert ist.

Nach dem Urnengang ziehen sich die Clintons in ihr Haus in der “Old House Lane” zurück, am Nachmittag lassen sie sich ins Hotel Peninsula fahren und warten die Wahlergebnisse ab. Sie wollen sich erst zur Siegesfeier im Kongresszentrum wieder sehen lassen.

Trump-Fans feiern lautstark im Hilton

Doch die Siegesfeier steigt woanders: Im Hilton Hotel an der Sechsten Avenue. Hier hat Donald Trump seine Fans eingeladen. Die waren am Anfang nervös, hatten ihre Erwartungen ganz tief gesetzt - nicht zuletzt, weil der Tag für den Kandidaten alles andere als vielversprechend begonnen hatte: Als Trump und seine Frau Melania an einer Schule in der 56. Straße vorfahren um ihre Stimmen abzugeben, werden sie von Buh-Rufen empfangen. Dutzende stehen hier, sie verachten Trump. Der Sohn der Stadt ist hier nicht wohl gelitten. Kein Wunder: New York ist weltoffen, international, gebildet. Trump schimpft gegen Einwanderer, Minderheiten, Frauen, verspottet Behinderte. Er wirft mit Parolen um sich, die man volksverhetzend nennen kann. Er hat im Wahlkampf gelogen wie kein Politiker vor ihm, er hat gedroht, er hat gewitzelt, Hillary Clinton notfalls mit Waffengewalt aus dem Weißen Haus zu holen, wenn sie die Wahl den gewinnen würde. Donald Trump hat sich gegen die Demokratie gestellt, gegen alles was an Amerika gut ist. In New York wird sich sein Ruf nie mehr erholen.

Stören dürfte ihn das nicht. Er wohnt ja künftig in Washington, 1600 Pennsylvania Avenue. Zwei Blocks weiter hat er gerade ein Luxushotel eingeweiht, und in Florida steht sein Luxus-Club Mar-A-Lago - wer braucht da New York?

Trumps Fans feiern lautstark im Hilton, fast alle haben die rote Schirmmütze auf dem Kopf, darauf den Slogan „"Make America Great Again". Derweil liegen sich im Kongresszentrum die Demokraten weinend in den Armen. Hillary Clintons Wahlkampfchef John Podesta kommt auf die Bühne, sagt, dass man das Rennen noch nicht verloren gebe. Es seien noch so viele Stimmen auszuzählen, die Kandidatin werde sich heute Nacht nicht mehr äußern. Aber jeder weiß: Das Spiel ist aus. Man wollte Geschichte schreiben, die erste Frau zur Präsidentin machen. Jetzt hat man auf andere, bittere Weise Geschichte geschrieben: Man macht einen politischen Außenseiter zum mächtigsten Mann der Welt, einen Zampano, der die NATO in Frage stellt und allen Ernstes überlegt, ob man Atomwaffen nicht auch einmal einsetzen sollte, wenn man schon so viele hat.

New York – und der Rest Amerikas – hat den schmutzigsten Wahlkampf seiner Geschichte erlebt. Jetzt ist er zu Ende und mit ihm ein großes Kapitel amerikanischer Geschichte. 240 Jahre lang waren die Vereinigten Staaten eine erfolgreiche Demokratie, ein Vorbild für die Welt, jetzt werden sie bald von einem Demagogen regiert, von einem Mann, den Historiker mit Mussolini vergleichen.

Die nicht an ihn geglaubt, sondern vor Trump gewarnt haben, die haben ihr böses Erwachen schon hinter sich. Weinend verließen in der Nacht tausende die New Yorker Wahlpartys, viele angetrunken, alle verzweifelt. Sie wissen: Nicht nur Donald Trump bestimmt in den nächsten vier Jahren die Politik des Landes, sondern ein Kabinett voller Machtmenschen.

Amerika wird lange brauchen, sich auf eine neue Wirklichkeit einzustellen. Das gleiche gilt für den Rest der Welt.

Twitter: So reagiert Deutschland auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten:

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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