USA für Einsteiger 5 Gründe für Boston

Susanne Hamann
Boston fühlt sich für Europäer vertraut an. Foto: KI/Midjourney/Montage: Pichlmaier

Die Metropole an der Ostküste gilt als eine der ältesten Städte der USA. Man findet hier schmucke Backsteinhäuser, ein paar Wolkenkratzer und viel Geschichte.

Erster! Boston hält eine ganze Reihe von Rekorden. Hier gibt es die älteste U-Bahn, das älteste Baseball-Stadion, den ältesten öffentlichen Park der Vereinigten Staaten – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Für USA-Neulinge hält sich der Kulturschock in Grenzen. Die Hauptstadt des Bundesstaates Massachusetts fühlt sich europäisch-vertraut an. Es gibt tatsächlich Fußgänger, und die Architektur erinnert sehr an London.

 

1. Kopfüber in die Geschichte

So sahen die Teepakete aus, die über Bord gingen. Foto: Susanne Hamann

In einer kalten Dezembernacht des Jahres 1773 flogen im Hafen von Boston 342 Kisten Tee ins Wasser. Wütend über Bord geworfen von einer Gruppe kolonialer Aktivisten, die gegen die Zollpolitik des britischen Mutterlandes protestierten. Die „Boston Tea Party“ ging als Meilenstein auf dem Weg zur amerikanischen Unabhängigkeit in die Historie ein. Dem wichtigen Ereignis ist ein eigenes Museum gewidmet. Keine langweilige Ansammlung von Vitrinen, sondern lebendige Geschichte: Im Hafenbecken liegt der Nachbau eines Handelsschiffes aus dem 18. Jahrhundert, bevölkert von kostümierten Darstellern, die die Geschehnisse nachspielen.

Besucher dürfen selbst Teepakete über die Reling werfen – und an einer Schnur wieder zurückholen. „Nach heutigem Wert wurde damals Tee für eine Million US-Dollar vernichtet“, erzählt eine Schauspielerin. Wer noch mehr über den patriotischen Freiheitskampf erfahren möchte, folgt dem „Freedom Trail“ durch die Innenstadt. Geführte Touren kann man bei Boston by Foot buchen, ab 17 Dollar (14,75 Euro) pro Person. Auf dem „Weg der Freiheit“ liegen 16 Plätze und Gebäude, darunter das entzückende Old State House, das wie ein Zwergenhäuschen zwischen den modernen Hochhäusern klemmt. Der ehemalige Sitz der britischen Kolonialbehörden beherbergt heute ein Museum

https://bostonbyfoot.org , www.revolutionaryspaces.org , www.bostonteapartyship.com

2. Grüner wirds nicht

Roter Backstein mit grünen Tupfern: Blick auf Boston und den Charles River. Foto: Meet Boston/Kyle Klein

Emerald Necklace, Smaragdcollier, nennt man die zahlreichen Parks von Boston. Der Name spielt auf die geografische Form der Halbinsel an, auf der Boston im 17. Jahrhundert gegründet wurde: sie ähnelt einem großen Kopf mit schmalem Hals. Im Laufe der Jahrhunderte bekam die Stadt eine dicke Kehle: das Marschland wurde aufgeschüttet und trockengelegt und verwandelte sich in urbanen Boden, darunter blieben immer wieder Grünflächen. Die Idee, mehrere Parks miteinander zu vernetzen, hatte der berühmte Landschaftsarchitekt Frederic Law Olmsted, der auch den Central Park in New York City entworfen hat.

Umgeben von Wasser: Die Innenstadt von Boston. Foto: STZN/Lange

Der größte und prachtvollste Edelstein in der Kette nennt sich Boston Common und liegt mitten im Stadtzentrum. Der erste öffentliche Park der USA wurde 1634 auf einer Kuhwiese eingerichtet, die auch als Henkersplatz diente. Heute ist dort nicht nur Naherholungsgebiet, sondern auch ein Schauplatz für Versammlungen und Konzerte. Direkt neben dem Park liegt das zauberhafte Stadtviertel Beacon Hill mit seinen pittoresken Kopfsteinpflastergassen. Die schmale Acorn Street soll die meistfotografierte Straße in den USA sein.

www.emeraldnecklace.org

3. Boston von oben

Auf dem Prudential Center befindet sich die Aussichtsplattform View Boston. Foto: Susanne Hamann

Putzig klein wie Spielzeug wirkt das backsteinerne Häusermeer, daneben windet sich der Charles-River, in der Ferne leuchten der tiefblaue Atlantische Ozean und die sattgrünen Wälder Neuenglands: Vom 52. Stock des Prudential Centers – von den Bostonians liebevoll „Pru“ genannt – bietet sich ein wunderbarer 360-Grad-Blick auf die Stadt und die Umgebung. „View Boston“ heißt die komplett innen liegende Aussichtsplattform in dem 1964 erbauten Wolkenkratzer im Stadtteil Back Bay, heute integriert in ein Einkaufszentrum.

Kaum zu glauben, dass die mondäne Gegend mit den eleganten Straßen und schicken Boutiquen bis vor zweihundert Jahren Sumpfland war und erst aufwendig dem Meer abgerungen werden musste. Allein die 1877 eingeweihte neoromanische Trinity Church am Copley Square steht auf 4500 Holzpfählen. Aus etwas mehr als 200 Metern genießt man die Aussicht und wird mit etwas Glück vielleicht sogar Zeuge eines romantischen Heiratsantrages. Tickets ab 13 Dollar (11,30 Euro) pro Person.

www.prudentialcenter.com , https://viewboston.com , https://trinitychurchboston.org

4. Sportlicher Volltreffer

Fenway Park ist die Heimat des Baseball-Teams Red Sox Foto: IMAGO/USA TODAY Network

Sportfans bekommen beim Stichwort Fenway Park leuchtende Augen: Es ist eine Legende, das älteste Stadion in der amerikanischen Baseball-Profiliga, in dem noch immer gespielt wird. Die denkmalgeschützte Arena Baujahr 1912 bezaubert durch ihren nostalgischen Charme. Keine Ahnung von Homeruns und Innings? Kein Problem! Es ist auch für Laien ein Erlebnis, sich unter die Fans der Boston Red Sox zu mischen und bei Hotdogs und Bier die Atmosphäre aufzusaugen. Karten (Preis ab 30 Dollar, ca. 26 Euro) kann man auch spontan kaufen.

Das Stadion ist leicht mit der grünen Linie der U-Bahn zu erreichen. Natürlich fährt man in der ältesten Subway in den USA, eröffnet am 1. September 1897, kurz vor der Bahn in Chicago. Achtung: bei Kenmore aussteigen, nicht bei Fenway. Und dann einfach den Menschen in den Red Sox Trikots folgen. Steht gerade kein Heimspiel auf dem Plan, gibt es geführte Touren durch das Stadion. www.mlb.com/redsox/ballpark ; https://mlb.tickets.com

5. Lust auf Genuss

Auf Food-Tour mit Bites of Boston in der Flour Bakery. Foto: Susanne Hamann

Boston ist eine Stadt für Genießer: Austern gibt es schon ab einem Dollar (87 Cent) das Stück, und unter Fast Food verstehen sie hier Lobster Rolls – Hummer im Brötchen. Bevor man anderswo überhaupt wusste, was eine Food Hall ist, gab es in Boston schon den Quincy Market. Die berühmteste Markthalle der Stadt wurde 1824 im Stadtzentrum erbaut und ist nach dem Bürgermeister Josiah Quincy benannt. Heute geht es sehr trubelig und kommerziell zu. Muss man mögen.

Ganz sicher keine Touristenfalle sind die zahlreichen Filialen der bezaubernden Flour Bakery. Hier gibt es den berühmten Boston Cream Pie, einen mit Vanillecreme gefüllten und mit Schokolade übergossenen Biskuitkuchen, erfunden 1856 vom Patissier des Hotels Omni Parker House. Wer sichergehen möchte, das Beste in Sachen Bostoner Küchen nicht zu verpassen, bucht einen kulinarischen Stadtspaziergang. Bites of Boston Food Tours hat verschiedene genussvolle Wege im Programm, es geht zum Beispiel durch North End, das Little Italy von Boston, oder durch das bunte Kreativviertel South End.

https://bitesofbostonfoodtours.com , www.quincy-market.com , www.flourbakery.com

Info

Anreise
Lufthansa fliegt direkt ab Frankfurt nach Boston, www.lufthansa.com . Vom Flughafen Boston Logan International, www.massport.com , fährt ein kostenloser Bus der Silver Line in die Innenstadt zur South Station, www.mbta.com .

Unterkunft
The Boston Harbour Hotel ist ein klassisch-elegantes Fünf-Sterne-Haus direkt am Hafen mit berauschendem Blick und diskretem Service, Doppelzimmer ab ca. 303 Euro, www.bostonharborhotel.com .Shoppingfans steigen im modernen Designhotel Citizen M Back Bay in der Nähe des Prudential Centers ab. Dann muss man die Einkaufstüten nicht so weit tragen. Doppelzimmer ab ca. 390 Euro, www.citizenm.com .Von der eckigen Architektur außen darf man sich nicht abschrecken lassen, das Charles Hotel verströmt innen das edle Ambiente eines englisches Landsitzes und ist ein idealer Ausgangspunkt, um die Elite-Universität Harvard und Bostons Schwesterstadt Cambridge zu entdecken. Doppelzimmer ab ca. 323 Euro, www.charleshotel.com .Modern und zentral im Seaport District: Aloft Boston, Doppelzimmer ab ca. 221 Euro, www.marriott.com .

Essen und Trinken
Folio in der Bibliothek Boston Athenaeum ist ein wunderbar unkompliziertes Bistro mit ambitionierter Küche und engagiertem Service. Designfans wähnen sich im Himmel, denn hier ist alles geschmackvoll ausgesucht, von der Einrichtung über die Teller bis zur kleinsten Gabel, https://bostonathenaeum.org/ . Moules frites, Beef Tartare, Austern, Zwiebelsuppe – das Bistro du Midi im Einkaufsviertel Back Bay serviert ausgezeichnete französisch inspirierte Küche. Tipp für Freunde deutscher Braukunst, die ein Problem mit lokalen Produkten haben: Hier gibt’s Tannenzäpfle, www.bistrodumidi.com .Sehen und Gesehen werden – das gilt im Edel-Italiener Contessa in der Schicki-Micki-Meile Newbury Street. Im glamourösen Ambiente einer Roof-Top-Bar kann man wunderbare Hummer-Spaghetti genießen. https://contessaristorante.com .Man nehme die besten Gerichte der Küchen von Taiwan, China, Thailand und Vietnam und mixe sie liebevoll zusammen. Bei Myers + Chang gibt es asiatisch inspirierte Wohlfühlessen direkt aus der offenen Küche. Nicht verpassen: die köstlichen Dumplings, www.myersandchang.com .

Allgemeine Informationen
USA-Tourismus, www.visittheusa.de ; Boston Tourismus, www.meetboston.com