Im US-Wahlkampf ist Protektionismus Trumpf. Das sollte die Alarmglocken in Deutschland schrillen lassen, meint unser Finanzkorrespondent Hannes Breustedt.
Als der ehemalige US-Präsident Donald Trump 2018 in großem Stil Strafzölle einführte und den Handelskrieg mit China lostrat, hielten dies nicht nur viele internationale Beobachter für einen riskanten Irrweg – völlig zurecht. Auch Joe Biden übte Kritik: „Trump versteht das Einmaleins nicht. Er denkt, dass China diese Zölle zahlt“, sagte er. Dabei sei jedem Volkswirtschaftslehre-Anfänger klar, dass letztlich die US-Bürger dafür zahlten.
Harte Kante gegen China
Studien belegen immer wieder, dass Zölle in der Regel von Unternehmen auf Verbraucher abgewälzt werden und der Volkswirtschaft so hohe Kosten entstehen. Doch in den USA ist Wahlkampf. Biden und Trump buhlen um Wähler der Arbeiterklasse und Gewerkschaften – harte Kante gegenüber China kommt hier gut an.
Als Biden nach der Amtsübernahme ankündigte, Trumps Zölle auf den Prüfstand zu stellen, gab es zunächst Hoffnung auf Mäßigung. Dass der US-Präsident die umstrittenen Maßnahmen seines Vorgängers nun noch verschärft, zeigt, wie Trump die US-Politik vor sich hertreibt und wie weit sich das Land vom einstigen Ideal des Freihandels entfernt hat. Das sollte auch in Deutschland die Alarmglocken schrillen lassen.
Trump droht allen Handelspartnern mit neuen Zöllen
Der Gedanke, der Billigkonkurrenz aus China einen Riegel vorzuschieben, mag verlockend sein, auch in der EU. Doch Gegenmaßnahmen würden deutsche Schlüsselindustrien ins Mark treffen. So oder so kann die exportlastige deutsche Wirtschaft bei Handelskriegen nur verlieren. Es muss nicht mal zur Eskalation kommen – während Biden bislang zielgerichtet gegen China vorgeht, droht Trump, die Zölle gegenüber allen Handelspartnern zu erhöhen.