Nach dem Wahlsieg von Donald Trump rechnet die IHK Reutlingen mit möglichen zusätzlichen Handelsbarrieren. Die Firmen im Zollernalbkreis dagegen sehen der Zukunft gelassener entgegen.
Donald Trump wird der nächste Präsident der USA. Der Republikaner hat die erforderliche Mehrheit bei der Wahl in der Nacht auf Mittwoch erreicht. Nun stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen hat der Wahlerfolg Trumps auf die hiesige Wirtschaft und den internationalen Handel? Wir haben bei Firmen und der IHK Reutlingen nachgefragt.
Heimische Unternehmen müssten sich auf empfindliche Zölle und zusätzliche Handelsbarrieren einstellen, lautet die Einschätzung der IHK Reutlingen. „Zölle von zehn oder 20 Prozent für Lieferungen in die USA werden unsere Wirtschaft stark treffen“, wird IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp in einer IHK-Mitteilung zitiert.
Grund: Die Vereinigten Staaten seien wichtigster Handelspartner regionaler Firmen. Knapp 400 Unternehmen aus den Landkreisen Zollernalb, Reutlingen und Tübingen unterhalten wirtschaftliche Beziehungen dorthin. „Zölle machen Exporte deutlich teurer und verschlechtern damit die Marktposition“, erläutert Epp.
IHK-Geschäftsführer: Wirtschaft wird stark getroffen
In der Folge könnten regionale Firmen gezwungen sein, sich mit der eigenen Produktion stärker in den USA zu engagieren, um die Zugangsbarrieren zu umgehen. Das hätte Auswirkungen auf die Region im und um den Zollernalbkreis herum.
„Dazu kommt eine veränderte Außen- und Sicherheitspolitik. Donald Trump will sich stärker auf China konzentrieren. Für deutsche Exporteure könnte dies bedeuten, dass sie sich möglicherweise entscheiden müssen, mit wem sie Geschäfte machen – entweder mit den USA oder mit China“, heißt es weiter in der Mitteilung.
Epp: „Wir müssen den Standort Deutschland dringend neu denken“
„Firmen sind gefordert, ihre Exportstrategien weiter anzupassen und einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden“, erklärt Martin Fahling, Bereichsleiter International und Internationale Fachkräfte bei der IHK.
„Wir müssen auch im Angesicht dieses Wahlergebnisses den Standort Deutschland dringend neu denken“, mahnt Hauptgeschäftsführer Epp. Die anhaltend hohen Energiekosten, die mangelnde Infrastruktur und die umfassenden Bürokratielasten würfen Deutschland im Wettbewerb zurück. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Firmen nicht ins Ausland treiben“, so Epp. „Diese Themen muss die Politik dringend angehen.“
Bizerba zeigt sich optimistisch
Und was sagen die Firmen im Zollernalbkreis? Äußerst optimistisch zeigt sich der Balinger Waagenhersteller Bizerba: „Während der letzten Amtszeit von Donald Trump konnten wir die enge und vertrauensvolle Beziehung zu unseren amerikanischen Partnern und Kunden nicht nur aufrechterhalten, sondern sogar weiter ausbauen“, heißt es vom Unternehmen. Große negative Auswirkungen auf den Export erwarte man nicht, da in diesem Fall auch die wesentlichen Wettbewerber betroffen wären.
„Wir sind optimistisch, dass die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem US-amerikanischen Markt weitestgehend stabil bleiben werden“, berichtet Bizerba, meint aber auch: „Bizerba wird die politischen Stoßrichtungen der neuen Administration, unter anderem in Richtung Zoll, jedoch weiterhin genau beobachten, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können.“
Joachim Link: „Die Maxime ‚Ameria first‘ wird er ziemlich radikal umsetzen“
Der Inhaber von „Mehrer Kompressoren“ aus Balingen, Jörg-Peter Mehrer, der aktuell eine Vertriebsniederlassung in den USA aufbaut, mahnt: „Wir müssen die Sorgen und Nöte der Amerikaner verstehen. Ökonomisch haben sie zu Trump das meiste Zutrauen.“ Für Mehrer ist nach der Wahl Fakt: „Es wird anders werden.“
Joachim Link, geschäftsführender Gesellschafter des Tieringer Büromöbelherstellers Interstuhl, erwartet zwar höhere Zölle und andere Handelshemnisse, aber keine Auswirkungen auf die aktuellen Pläne seines Unternehmens, die Niederlassung in den USA, ein Verkaufsbüro, weiter auszubauen. Sein Management untersuche derzeit mehrere Optionen in mehreren US-Bundesstaaten, sich bei bestehenden Möbelfirmen zu engagieren, um in den USA zu wachsen, wie Link berichtet.