Donald Trump dominiert seit Jahren nicht nur die US-Konservativen. Auch die Wähler folgen ihm in Scharen. Eine Analyse von Wählern und Strukturen.
Was macht Donald Trumps politische Stärke aus? Zunächst war sich mancher Beobachter sicher: Der Rassismus, die Frauenfeindlichkeit und der Fremdenhass, gestützt von Falschinformationen und Lügen. Hillary Clinton steckte die Hälfte seiner Anhänger vor Jahren schon ins Lager der „Kläglichen“. Aber trotz einer Unzahl von Skandalen und dem Chaos seiner ersten Amtszeit, inklusive Trumps Versuch, sich nach der verlorenen Wahl 2020 an der Macht zu halten, haben ihn Millionen Amerikaner gerade wieder ins Weiße Haus gewählt.
It’s the economy...
Abgesehen von schweren Fehlern und Defiziten von Kamala Harris und der demokratischen Partei liefern kurzfristige und tiefer gehende Faktoren eine gute Erklärung für Trumps politischen Erfolg.
Die Ökonomie erklärt zum Teil seine politische Langlebigkeit. Die amerikanische Wirtschaft boomte in Trumps erster Amtszeit bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Die US-Wirtschaft steht zwar auch derzeit hervorragend da, gerade auch mit Reallohnzuwächsen bei schlechter verdienenden Arbeitern. Aber bei den Wählern überwiegen Sorgen wegen der Inflation und wirtschaftlicher Pessimismus.
„Tritt in den Hintern“
In ersten Nachwahlbefragungen gab nur einer von rund zehn Wählern an, dass Abtreibung das wahlentscheidende Thema gewesen sei – weit hinter dem wichtigsten Thema Wirtschaft. Dem früheren Geschäftsmann und Milliardär Trump trauen die Wähler eine höhere Wirtschaftskompetenz zu. Hinzu kommt eine große Unzufriedenheit mit Amtsinhaber Joe Biden. „Der Wahlausgang ist ein fester Tritt in den Hintern für Kamala Harris und die Demokraten“, meint Martin Thunert, USA-Experte vom Heidelberg Center for American Studies (HCA). Am Ende hätten die Wähler eher Trump zugetraut, den erhofften Wandel durchzusetzen, sagt der Politikwissenschaftler. Er verweist darauf, dass nur 28 Prozent der US-Bürger ihr Land auf dem richtigen Weg sehen. Der Trend, Amtsinhaber abzuwählen, ist zudem ein internationaler, der von Großbritannien, Frankreich und Japan bis bald wohl auch nach Deutschland reicht.
Ein weiterer Ansatz stammt aus der Soziologie: Die US-Politik ist zwar seit langem tief gespalten. Die Spaltung ist aber nicht statisch. Die US-Wähler sind heute weniger durch Einkommen oder ethnische Zugehörigkeit gespalten als durch Bildung: Die Arbeiterklasse ohne College-Abschluss, darunter auch eine wachsende Zahl Nicht-Weißer, findet Gefallen an Trump. Er spricht wie einer von ihnen, zu ihnen und verspricht ihnen eine Zukunft in Würde. Über Trumps Bemühungen, eine demokratische Wahl aus den Angeln zu heben, oder die bescheidenen Ergebnisse seiner ersten Amtszeit gehen seine Anhänger eilends hinweg. Die Kritik sei überzogen – und heuchlerisch. Schließlich würden die Demokraten die Justiz bereits als politische Waffe gegen Trump einsetzen. Trump habe bisher nur damit gedroht.
Latino-Männer laufen über
Erste Nachwahlbefragungen bestätigen: Klare Mehrheiten von Männern und Frauen ohne College-Abschluss unterstützten Trump. Dabei konnte sich Trump sogar bei traditionell zu den Demokraten zählenden Wählergruppen klar verbessern: So errang Harris bei den Latinos nur noch eine knappe Mehrheit – weit hinter der Riesenführung von Joe Biden 2020. Vor allem Latino-Männer sind trotz Trumps oft verletzender Rhetorik gegen Migranten zu ihm übergelaufen. Schwarze US-Bürger unterstützten Harris indes in etwa so wie Biden 2020.
Auch die zuvor in Umfragen prognostizierte Lücke im unterschiedlichen Wahlverhalten von Männern und Frauen („Gender Gap“) zeigt sich in den Nachwahlbefragungen: Bei Männern errang Trump eine Vorsprung von 10 Prozentpunkten, während Harris von Frauen bevorzugt wurde, ebenfalls mit einem Vorsprung von zehn Punkten. Das unterscheidet sich nicht sehr von früheren Werten. Doch konnte sie offenbar bei Frauen nicht noch stärker punkten.
Neue Wähler gewonnen
Trump konzentrierte sich im Wahlkampf vor allem auf die Männer. Und das scheint sich für ihn ausgezahlt zu haben. Sein Vorsprung in dieser Wählergruppe gegenüber Harris lag bei zehn Prozentpunkten, 2020 lag sein Vorsprung in dieser Gruppe bei neun Prozentpunkten.
Trump konnte also seine Anhänger mobilisieren und neue Wähler hinzugewinnen, während Harris bei einigen Wählergruppen der Demokraten schwächelte.