In den USA wird der neue Präsident gewählt. Foto: dpa

Wer wird der nächste Präsident der USA? Stimme abgegeben. Wahl zwischen Pest und Cholera.

Calw/Gechingen - Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten: Ob Donald Trump (Republikaner) im Amt bleibt oder sich seinem Herausforderer, dem Demokraten Joe Biden, geschlagen geben muss, dürfte frühestens am Mittwochmorgen unserer Zeit feststehen. Das wird spannend - auch für Amerikaner in Calw und Gechingen.

Gabriela Molina pendelt seit zwei Jahren zwischen Gechingen, wo sie mit ihrem Partner lebt, und den USA hin und her. Bevor sie das bisher letzte Mal in ein Flugzeug Richtung Deutschland stieg, hat sie ihre Stimme abgegeben. Vor rund drei Wochen in einem Wahllokal, wie Molina berichtet. Sie hat für Joe Biden gestimmt, das sagt die 41-Jährige ganz offen. Sie habe nicht das Gefühl, dass Donald Trump ein guter Repräsentant der USA, die sie sich wünsche, sei.

Wahl zwischen Pest und Cholera

"Es ist eine harte Wahl", meint sie trotzdem. Denn beide seien nicht die perfekten Kandidaten, sie habe lediglich den aus ihrer Sicht besseren gewählt. Auf gut Schwäbisch übersetzt heißt das, was Molina auf Englisch formuliert: Sie hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Trump sieht sie als einen Geschäftsmann, nicht als Präsidenten. Seine Ziele setze er durch, indem er gemein und unhöflich sei. Warum er in den Vereinigten Staaten dann so viele Anhänger hat? "Ich denke, er kam in einer Zeit daher, als viele Leute frustriert waren", sagt Molina. Und sie vermutet, dass viele weniger gebildete US-Bürger ihn und sein Anliegen toll finden, Amerika groß zu machen und alle Nicht-Amerikaner loszuwerden.

Molina hofft, dass Biden gewählt wird. Sagen will sie dass trotz der Umfragen, die ihn klar vorne sehen, dennoch nicht – aus Angst vor einer Enttäuschung. Denn vor vier Jahren habe es auch so ausgesehen, als würde die damalige Gegenkandidatin Trumps, Hillary Clinton, das Rennen machen. Bekanntlich kam es anders. Allerdings habe sie zahlreiche Artikel gelesen, wonach viele Republikaner nun den Demokraten wählen wollten. Oder aus Protest die Grünen – die allerdings absolut keine Chance haben auf das Amt.

Kandidaten sind nicht mehr die jüngsten

Seit Donald Trump an der Macht ist, gibt es aus Sicht der 41-Jährigen keinen moderaten Mittelweg mehr – entweder man sei total links oder weit rechts. "Es ist sehr schwarz und weiß geworden", sagt sie über die Gesellschaft.

Donald Trump ist 74, Joe Biden bald 78 Jahre alt. Beide sind nicht mehr die jüngsten, aber Biden wirkt auch deutlich älter. Immer wieder macht der US-Präsident im Wahlkampf die geistige Fitness seines Herausforderers zum Thema. Tatsächlich fragt sich auch Molina, ob Biden im Fall eines Wahlsiegs stark genug wäre, das geteilte Land wieder zu einen.

Falls nicht, ist ihre Hoffnung: "Es sind genug Leute um ihn herum, auf die er hören wird." Bei Donald Trump sei das anders. Der mache nur, was er wolle.

Nicht nur in Gechingen, auch in Calw leben US-Amerikaner, die die Wahl in der Heimat an diesem Dienstag gespannt aus der Ferne verfolgen werden. Tim Rogers aus New Hampshire wohnt seit etwa sechs Jahren, mit einer kleinen Unterbrechung, in der Stadt. Die Familie hatte sich einst sofort in die Hermann-Hesse-Stadt verliebt.

Der "German Lifestyle" und Calw haben es Familie Rogers angetan 

Rogers, der bei der US-Army in Deutschland gedient hat, ist mittlerweile pensioniert. Der "German Lifestyle" wie der Amerikaner seine Vorliebe für den deutschen Lebensstil und Calw bezeichnet, brachte ihn, seine Frau Cynthia und die drei Kinder zurück in den Nordschwarzwald. Sie leben sehr gerne in Deutschland, sind sesshaft geworden und haben viele Freundschaften geschlossen, sagt er. Die Rogers lieben einfach die "German Gemütlichkeit", das gute Bier und das leckere schwäbische Essen.

Als US-Amerikaner habe er natürlich gewählt, so wie es sich gehört, betont er. Eine Wahlparty wird es im Hause Rogers aber nicht geben. Die Präsidentschaftswahl werde im Fernsehen und in den sozialen Medien verfolgt. "Ich habe keine Ahnung, wer das Rennen machen wird, es ist auf jeden Fall eine wichtige Wahl", sagt Rogers. "Der Wahlausgang ist nicht nur für die USA entscheidend. Er wird die gesamte Weltpolitik beeinflussen", meint der Wahl-Calwer abschließend.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: