Die US-Notenbank hat zum zweiten Mal seit Ausbruch der Coronakrise ihren Leitzins erhöht. Foto: dpa/Ting Shen

Die Zinserhöhung der US-Notenbank ist angesichts des Ukraine-Kriegs nicht ohne Risiko, aber notwendig, meint Wirtschaftskorrespondentin Barbara Schäder.

Die US-Notenbank macht ernst im Kampf gegen die Inflation: Erstmals seit 22 Jahren hat sie ihren Leitzins um einen halben Prozentpunkt erhöht. Weitere Zinsschritte sind geplant.

 

Zinserhöhungen sind ein zweischneidiges Schwert: Sie verteuern Kredite und dämpfen damit Konsum und Investitionen. Das lindert – mit einiger Verzögerung – die Inflation, bremst aber auch das Wirtschaftswachstum. Und das in einer Zeit, da viele Unternehmen mit den Folgen von Ukraine-Krieg und Coronakrise zu kämpfen haben.

Gegen die hohen Energiepreise können die Notenbanken wenig tun

Immer lauter werden deshalb die Warnungen vor einer anhaltenden Stagflation, also hohen Inflationsraten, begleitet von wirtschaftlicher Stagnation. Tatsächlich wird die Inflation nur langsam zurückgehen, obwohl nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) Zinserhöhungen plant. Gegen die hohen Energiepreise können die Notenbanken nämlich nicht viel ausrichten.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Vermieter wollen höhere Nebenkosten-Abschläge

Trotzdem sind Zinserhöhungen notwendig. Wenn nämlich die Notenbanken die Dinge laufen lassen, besteht die Gefahr, dass Unternehmen und Verbraucher aus Furcht vor einer ungebremsten Teuerung schnell noch einmal auf Großeinkauf gehen – und damit die Preise erst recht in die Höhe treiben. Ein Beispiel dafür: Schon jetzt profitieren die Autobauer davon, dass sie Neuwagen praktisch ohne die früher üblichen Rabatte verkaufen können. Auch Firmen decken sich derzeit Berichten zufolge weit über ihren absehbaren Bedarf hinaus mit Material ein.

Auch die EZB muss handeln

Zinssteigerungen können zumindest Anschaffungen auf Pump entgegenwirken und damit die Nachfrage etwas dämpfen. Auch die EZB sollte deshalb zur Tat schreiten.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Wirtschaftsweiser appelliert an die EZB