Das Urteil im Prozess wegen ursprünglich versuchten Mordes wurde gefällt. (Symbolfoto) Foto: BillionPhotos.com – stock.adobe.com

Das Landgericht Rottweil hat das Urteil im Prozess gegen einen 47-Jährigen gefällt. Dieser wurde wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen und zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Rottweil - "Ein Sachverhalt, der einige Rätsel aufwirft", beginnt der Verteidiger des Angeklagten seine Darstellung. Da es keinen Zeugen gibt, der die Tat gesehen haben will, stand am letzten Verhandlungstag in Rottweil Aussage gegen Aussage im Prozess gegen den 47-Jährigen. Während am ersten Prozesstag der Angeklagte den 28. Oktober, den Tattag, aus seiner Sicht erläuterte, machte am zweiten Prozesstag der Geschädigte Angaben zum Tathergang.

Die erste Schwurgerichtskammer fällte nun, nach drei Verhandlungstagen, das Urteil gegen den 47-Jährigen. Die Anklage hatte dem Mann, der in Russland geboren wurde, zuvor versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Ende Oktober in Rottweil einen Mann mit einem Messer erheblich verletzt zu haben. Im betrunkenen Zustand habe er das Opfer mit dem Messer traktiert, dabei habe er den Tod des Geschädigten in Kauf genommen, so die Anklage.

Aussage gegen Aussage

Während der Angeklagte angab, vor der Tat von dem Geschädigten beleidigt worden zu sein und dass dieser ein Schlag in Richtung des Angeklagten gesetzt haben solle, behauptete das Opfer, die Beleidigung sei vom Angeklagten aus gegangen und dieser sei ohne Grund auf ihn los und habe ihm nach einem kurzen Gespräch ein Messer von hinten in die Schulter gestochen. Der Verteidiger beschrieb diese Situation als "klassischen Fall".

Da es keinen Zeugen gebe, der genauer beschreiben könne, wie es zur Tat gekommen sei, stehe die Aussage des Angeklagten gegen die des Opfers. Die Schilderungen der beiden gingen auseinander, das sah auch die Staatsanwaltschaft so. Doch das Ergebnis dieser zum Tatzeitpunkt angespannten Atmosphäre sei klar: eine schwere Körperverletzung. Diese habe der Angeklagte bereits eingeräumt. Schließlich stellte er sich nach der Tat freiwillig der Polizei.

Ale Beteiligten stimmten überein, ein Mordmerkmal sei bei dieser Tat nicht gegeben. Während zu Beginn des Prozesses davon ausgegangen worden war, der Angriff sei heimtückisch erfolgt, waren sich alle nun einig, dass dies nicht der Fall gewesen sei.

Zur Tatzeit soll der Angeklagte betrunken und dadurch erheblich vermindert schuldfähig gewesen sein. Das psychiatrische Gutachten hat eine Alkohol- und Cannabis-Abhängigkeit des 47-Jährigen festgestellt. Zurückgerechnet, geht das Gericht zum Tatzeitpunkt von einem Promille-Wert von 3,4 aus. Während der Verteidiger auf Notwehr plädierte und Freispruch forderte, forderte die Staatsanwaltschaft vier Jahre und sechs Monate. Zusätzlich solle der Angeklagte in einer Entziehungsanstalt untergebracht werden.

Alkoholabhängigkeit

Der Vorsitzende Richter sprach von einem großen Bruch im Leben des Angeklagten. Dieser habe durch seine Sucht alles verloren. Die Kammer habe gesehen, dass der 47-Jährige schon mehrmals durch Therapien versucht habe, dieser Sucht zu entkommen. Deshalb halte auch sie es für angebracht, den Angeklagten in einer Entziehungsanstalt unterbringen zu lassen. Es sei kein leichter Weg, so der Vorsitzende Richter, doch man habe gesehen, dass der Angeklagte eine Motivation für eine Langzeittherapie mitbringe. Der 47-Jährige sei zudem so weit abgerutscht, dass er eine Gefährdung darstelle.

Die Kammer verurteilte den Angeklagten zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe. Da auch sie kein Mordmerkmal feststellen konnte, wurde der Angeklagte wegen versuchten Totschlags schuldig gesprochen. "Er hätte nicht sofort das Messer ziehen müssen", so der Vorsitzende Richter. Der 47-Jährige habe nicht alle Möglichkeiten der Schutzwehr getroffen. Deshalb sehe man keinen Anlass für die Notwehr durch ein Messer.

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