Der Campingplatz am Riedsee – beliebt und einer der wenigen seiner Art im Schwarzwald-Baar-Kreis. Foto: Archiv/Wursthorn

Es ist unübersehbar: Wohnmobile oder Wohnwagen liegen im Trend. Und das schlägt sich in der Statistik in der Region nieder – da gibt es schon mal eine Steigerung um 1412 Prozent.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Noch nie haben so viele Bürger im Schwarzwald-Baar-Kreis auf das rollende Feriendomizil gesetzt wie heuer. "Der Fahrzeugbestand an Wohnmobilen ist im Schwarzwald-Baar-Kreis in den vergangenen Jahren tatsächlich stark angestiegen", bestätigt Katharina Diffring von der Pressestelle des Schwarzwald-Baar-Kreises.

 

Zulassungszahlen explodieren

Die Zahlen sind geradezu explodiert – und zwar egal, ob es sich um Camper und kleine Wohnmobile mit Tisch, Sitz- und Schlafgelegenheiten (Fahrzeugklasse M1) handelt, größere Wohnmobil-Modelle mit einem Gesamtgewicht von maximal fünf Tonnen (Fahrzeugklasse M2) oder die Luxusvarianten unter den Wohnmobilen mit über acht Sitzplätzen und mehr als fünf Tonnen Gesamtgewicht (Fahrzeugklasse M3) handelt.

Besonders angesagt bei den Bürgern im Landkreis sind offenbar die kleinsten der genannten Modelle, Camper und Co: In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der Fahrzeugzulassungen in diesem Bereich im Landratsamt Schwarzwald-Baar überdimensional in die Höhe geschnellt – waren es Mitte Juni 2012 noch 109 Fahrzeuge der Fahrzeugklasse M1, stiegen die Zulassungen bis 2022 auf 1648 – das entspricht einer Steigerung um satte 1412 Prozent. Nicht nur, aber auch die Pandemie schlägt sich darin nieder – 2019 waren es nämlich lediglich 1036 zugelassene Camper. Die Zahl der größeren Wohnmobile legte in zehn Jahren im Schwarzwald-Baar-Kreis um 230 Prozent von 76 Fahrzeugen im Jahr 2012 auf jetzt 251 Fahrzeuge zu – mit einem Sprung von 237 auf 251 war der Corona-Knick in dieser Klasse verhältnismäßig gering. Ähnlich verhält es sich bei den größten Wohnmobilen der Fahrzeugklasse M3 – deren Zulassungszahl stieg von 232 im Juni 2012 über 686 im Juni 2019 auf nun 722.

Zumindest die Zulassungszahlen belegen also, dass der Camping-Boom auch hierzulande greift – auch die Kreisbewohner lassen sich gerne mit ihren Wohnmobilen und Campern treiben und reisen flexibel. Verstärkt hat den Trend die Pandemie – lange Zeit waren Hotels dicht, in vielen Bundesländern aber waren wenigstens die Campingplätze geöffnet.

Es herrscht Nachholbedarf

Apropos Campingplätze – dass der Landkreis als Gastgeber hier noch Nachholbedarf hat, wird an einer Besonderheit deutlich: Die größte Stadt im Landkreis, das Oberzentrum Villingen-Schwenningen, verfügt über keinen einzigen attraktiven Wohnmobilstellplatz – kurzzeitige Stopps auf Pop-up-Stellplätzen, etwa am Messegelände in Schwenningen oder dem Hallenbad in Villingen, sind zwar möglich, eine attraktiv angelegte Anlage in touristisch ansprechender Lage aber sucht man hier als Tourist vergeblich – und das, obwohl die Region bei Urlaubern gar nicht so unbeliebt ist. Entsprechende Bemühungen um einen Wohnmobilstellplatz an der Brigachinsel führten bislang noch zu keinem Erfolg.

Dabei hat man bereits 2017 beim Erstellen der Tourismus-Konzeption für den Schwarzwald-Baar-Kreis erkannt: "Und Wohnmobilisten sind eine sehr attraktive Zielgruppe, denn sie sind ausgabefreudig und im wahrsten Sinne mobil, so dass meistens mehrere Standorte einer Region davon profitieren. Sie sind aber auch sehr anspruchsvoll: So wollen sie nicht mit ihren teuren Wohnmobilen am Stadtrand stehen, sondern gerne an schönen, besonderen Plätzen, zentral in der Stadt, möglichst auch direkt am Wasser, an Naturattraktionen, in der Nachbarschaft von Freizeitanlagen, größeren Höfen oder ähnlichem, auf qualifizierten, gut ausgestatteten Plätzen."

Viele Destinationen schaffen solche neuen Stellplatzangebote, um von der weiter zunehmenden Nachfrage zu profitieren. "Der weitere Ausbau von Wohnmobilstellplätzen ist angesichts der weiter wachsenden Nachfrage überaus sinnvoll", fassen die Berichterstatter zusammen.

Der Markt ist vorhanden

Der Markt scheint vorhanden zu sein. Mit zuletzt (2016) 7614 Übernachtungen pro 1000 Einwohner weist die Region immerhin im Vergleich mit anderen Landkreisen in Baden-Württemberg eine mittlere Tourismusintensität aus – ähnlich wie der Ortenaukreis oder der Landkreis Waldshut. Besonders hohe Werte in Sachen Tourismusintensität haben im Schwarzwald-Baar-Kreis Bad Dürrheim, Königsfeld, Schönwald und Unterkirnach, es folgen laut Tourismusbericht des Landratsamtes Triberg, Furtwangen und Donaueschingen. Dass das Oberzentrum in diesem Ranking weit abgeschlagen ist, könnte unter anderem ebenfalls auf eine fehlende Campingmöglichkeit zurückzuführen sein. Obwohl die Campingplätze im Landkreis nur einen Anteil von sechs Prozent aller gewerblichen Übernachtungsbetriebe ausmachen, stellen sie 32 Prozent der Schlafgelegenheiten zur Verfügung.

Attraktionen für die gemeinhin als Naturliebhaber bekannten Camper gibt es im Landkreis ausreichend – Gauchach- und Wutachschlucht, Kirnberg- und Riedseen, die Quellen der Flüsse Donau, Neckar, Brigach, Breg, Schiltach, Elz und Gutach und die höchsten Wasserfälle Deutschlands in Triberg, darüber hinaus zahlreiche Rad- und Wanderwege. Sie alle sind im übrigen die stärksten Magnete für Touristen – 24 Prozent der bei der von der ift GmbH durchgeführten Gästebefragung Befragten, und damit die meisten, gaben als Anlass einen "Naturaufenthalt" an, 17,5 Prozent – die zweitgrößte Fraktion – kamen zum Wandern.