Ein Bild vom Tag nach dem Hochwasser 2013. (Archivfoto) Foto: Hopp

Während in den Unwetterregionen die Aufräum- und Bergungsarbeiten noch in vollem Gange sind, denken viele schon an das nächste mögliche Hochwasser. Auch in Mühringen schaut man mit Sorge in die aktuellen Krisengebiete von Deutschland und hofft.

Horb-Mühringen - 2013 überflutete ein Jahrhunderthochwasser die unteren Teile von Mühringen. Seither hoffen die Mühringer, allen voran Ortsvorsteherin Monika Fuhl, auf Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Doch die ziehen sich hin. Fuhl schildert die Stimmung in Mühringen.

 

Welche Gefühle löst die aktuelle Hochwasserkatastrophe in Mühringen aus?

Den Bewohnern von Mühringen ist es angesichts der Flutkatastrophen in Deutschland und Österreich ganz mulmig. Bis jetzt ging es gut. Wir wissen aber nicht wie lange noch. Das ist es auch, was den Bürgern Sorgen bereitet.

Woher kommen die Sorgen?

Wir haben Aufzeichnungen unserer Archivarin seit 1856 in einem Buch "Mühringen und das Wetter". Daraus ergibt sich, dass statistisch gesehen alle zehn Jahre ein hundertjähriges Hochwasser Mühringen trifft. 2013 war das letzte. Deshalb wäre rein rechnerisch 2023 die nächste Überflutung fällig. Es kann aber auch jetzt noch kommen – die Böden sind voll mit Wasser, die Eyach ist auch noch nicht im Normalzustand.

Laut einer Antwort der Landesregierung könnte der früheste Baubeginn 2023 sein.

2013 wurde durch Herr Bürgermeister Zeitler eine Machbarkeitsstudie bei dem IBH Ingenieurbüro Heberle Rottenburg in Auftrag gegeben, das war ein wichtiger Schritt Richtung Hochwasserschutz, Das RP und das Landratsamt wurden mit einbezogen. Danach kam die Gesamtflussuntersuchung die dann in Tübingen im RP vorangetrieben wurde. Hier trafen sich am großen Tisch bei Lothar Heissel, Leitender Baudirektor im RP-Tübingen, alle zuständigen Personen, vom Landratsamt Tübingen, vom Kreis Freudenstadt, der Stadt Balingen, des Zollernalbkreises, der Stadt Horb und Herr Walter vom RP Karlsruhe. Wir saßen in mehreren Terminen am Tisch und es wurden hier die Entscheidungen diskutiert und getroffen. Ich habe das bewundert, wie das immer alles funktioniert hat. Im Juni 2017 wurde die Gesamtflussuntersuchung mit den vielen Nebenflüssen der Eyach in der großen Runde vorgestellt. Hier wurde dann beschlossen, dass Mühringen mit dem Hochwasserschutz schon vorab beginnen kann, da dies keinen Nachteil für die Oberlieger hat. Ja, und da stehen wir bis heute.

Welches ist der aktuelle Stand?

Das Büro Heberle hat nun zwei Varianten für den Hochwasserschutz ausgearbeitet, teils auch die Renaturierung der Eyach mit einbezogen. Inzwischen ist noch das Starkregenmanagement dazugekommen.

Verzögert das die Umsetzung?

Manchmal kommt man sich auch vor wie bei Monopoly –.und zurück auf Los. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass uns Landtagsabgeordneter Timm Kern von der FDP unterstützen. Er hat sich mit Gemeinderat Michael König (FD/FW) die Zeit genommen und sich mit mir und Thomas Hellener sowie Bürgermeister Ralph Zimmermann angehört, wo es zur Zeit nicht vorwärts geht. Der Landtagsabgeordnete hat uns versprochen sich mit dem Landratsamt und dem RP-Karlsruhe in Verbindung zu setzen, Brücken zu bauen damit die Planung voran kommt. Das hat für uns Priorität!

Wie zuversichtlich sind Sie, dass in zwei Jahren der erste Damm entstehen wird?

Wenn die Behörden Hand in Hand arbeiten und ihre Befindlichkeiten mal bei Seite lassen, hoffe ich auf eine Beschleunigung. Gerade jetzt angesichts der Ereignisse in Deutschland und Österreich. Die Bilder und Nachrichten zeigen, was für schlimme Folgen es geben kann, wenn der Hochwasserschutz nicht ausreichend aufgebaut wurde. Unsere Bürger haben viele Ängste und Nöte, wenn sie die Bilder sehen. Weil sie wissen: Wenn das nächste Hochwasser Mühringen erwischen sollte, dann kommt wieder diese Belastung auf sie zu. Deshalb möchte ich optimistisch sein und wünsche mir und unseren Bürgern einen Baubeginn 2021 im Herbst oder spätestens März 2022. Das wäre eine Ansage!

Es geht nur zäh voran.Im Rheinland kommt Kritik auf, dass die Bürger nicht gewarnt wurden. Wie steht es damit in Mühringen?

Das ist bei uns nicht so. Sowohl ich als Ortsvorsteherin als auch die Feuerwehr sind in allen Unwetterwarnungen mit drin. Da kommen teilweise alle zehn Minuten Updates. In Mühringen wurde ein zusätzlicher Funkmast installiert für die Retter und die Feuerwehr. Die Kommunikation hat so das letzte Mal beim Starkregen hervorragend funktioniert. Und eine Sirene ist in Mühringen auch vorhanden.