50 Einsätze innerhalb kurzer Zeit: Auch Trossingen war durch die starken Regenfälle am Sonntagnachmittag betroffen.
Am späten Sonntagnachmittag ist es im Stadtgebiet Trossingen zu massiven Niederschlägen gekommen. Erste Alarmierungen erreichten die Feuerwehr vom nördlichen Stadtrand. „Danach kamen die Einsätze im Minutentakt“, teilte die Feuerwehr mit.
In der Bilanz werden später 50 Einsätze vermerkt sein, verteilt in der Zeit zwischen 16.30 Uhr am Sonntag und 5 Uhr am frühen Montagmorgen. Dabei kam es auch zu gefährlichen Situationen, denn ein Autofahrer war in seinem Pkw von den Wassermassen eingeschlossen.
Ein Autobrand wurde gemeldet, zudem hatte ein Forstbetrieb mit den Wassermassen zu kämpfen. Dort bestand vorübergehend Gefahr für die Umwelt, weil Diesel auslief. Im weitere Verlauf des Sonntags kam es zur Evakuierung der „Unteren Mühle“ in Richtung Aixheim. Hier stieg der Pegel des Trosselbachs nach Einschätzung der Feuerwehr um das Zehnfache.
Staus im Berufsverkehr
Autofahrer mussten im Berufsverkehr Geduld zeigen, war doch der Kreisverkehr in Steppach gesperrt, was zu langen Staus führte. Auch die Straße nach Aixheim konnte wegen der Wassermassen zeitweise nicht mehr befahren werden.
Weitere Nebenstraßen in Aldingen und Aixheim waren in den frühen Morgenstunden des Montags von Überflutungen betroffen. Im Bereich Villingen-Schwenningen und Trossingen führten die Wassermassen auf der Fahrbahn der A 81 zu Verkehrsbeeinträchtigungen.
Die Feuerwehr Trossingen war ab dem Nachmittag bis in die frühen Morgenstunden des Montags im Einsatz, unterstützt von den Kollegen aus Durchhausen, dem DRK, dem Bauhof und dem Technischen Hilfswerk. Im Vergleich zu zurückliegenden Starkregenereignissen sei das Wasser in diesem Jahr sehr langsam abgelaufen, sagte Feuerwehrsprecher Ralf Sorg. Grund dafür waren die Regenfälle der letzten Tage, die den Boden so durchnässt haben, dass die Regenmassen kaum mehr abließen konnten. Vielerorts hatten sich auch die Nachbarn gegenseitig geholfen, sagte Stadtsprecherin Sabine Felker-Henn. „Der Zusammenhalt war sehr groß.“
Schreckmoment für Tierschutzverein
Schreckmomente erlebten Mitglieder des Trossinger Tierschutzvereins. „Es war furchtbar. Die totale Panik ist gestern ausgebrochen“, so dessen Vorsitzende Kerstin Neipp Vorsitzende.
Brenzlige Lage
Am Sonntagnachmittag informierte die Feuerwehr die Mitglieder des Vereins über die brenzlige Lage am Katzencontainer im Tal in der Nähe des Trosselbachs. Das Wasser stand 20 Zentimeter vor der Eingangstür. Sechs Mitglieder des Vereins begannen dann mit der Rettung zweier Katzen, eine davon trächtig, und einem Katzenbaby. Die trächtige Katze konnte bei Privatleuten untergebracht werden und bekam in der vergangenen Nacht ihre Babys. Sie befindet sich immer noch in der Obhut von Privatleuten. Die Katze mit ihrem Jungen ist bereits wieder in dem Container untergebracht. Wasser drang nicht in die Räume, es sei jedoch sehr feucht drinnen, so Kerstin Neipp. Sie koordinierte am Sonntag die Helferinnen und Helfer von Zuhause aus, da sie krank war.
Containerstandort unpassend
Durch den Starkregen trat der Trosselbach über seine Ufer. Anwohner im Tal konnten teilweise ihre Häuser nicht verlassen. „Es war die reinste Katastrophe“, so Kerstin Neipp. Sie glaubt, dass das Hochwasser kein Jahrhundert-Phänomen ist: „Ich rechne mittlerweile mit dem Schlimmsten. Der Platz ist hoch gefährdet“, sagt sie über den Standort des Katzencontainers. Der Tierschutzverein soll einen neuen Container bekommen. Eigentlich hatten sich die Mitglieder einen neuen Standort gewünscht, doch dies war nicht möglich. Anträge für die finanzielle Förderung eines neuen Containers laufen derzeit noch.
63 Tonnen Sand verpackt
Bereits am Samstag war das Technische Hilfswerk Trossingen alarmiert worden. Etwa 45 Helfer waren damit beschäftigt, Säcke mit Sand zu füllen, um sie an Einsatzorte im ganzen Land zu verteilen. „Wir haben um die 63 Tonnen verpackt“, sagt der Ortsbeauftragte Klaus Hudlet. Dieser Einsatz für weiter entfernt liegende Hochwassergebiete ging dann fast nahtlos über in Einsätze in Trossingen und Umgebung. Viele der Ehrenamtlichen waren die ganze Nacht aktiv, um die schlimmsten Überschwemmungsfolgen mit den Kollegen der Feuerwehr zu beseitigen.
Glimpflicher kam dieses Nal Schura davon, nachdem Teilort vor gut einem Jahr durch einen 20-minütigen Starkregen stark betroffen war. Am Sonntag war der Einsatz der Feuerwehr war nur in vier Objekten notwendig. Die Besitzer der anderen, überwiegend im Bereich des Schönbachs liegenden Häuser, hatten sich selbst beholfen – nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen aus dem Vorjahr.