Im Kreis Esslingen kam es zu schweren Überflutungen. Foto: dpa/Sdmg

Mit Blitz und Donner, dicken Hagelkörnern und prasselndem Regen ist ein Unwetter über den Südwesten hinweggezogen. Es hat zahllose Spuren hinterlassen, die Feuerwehr und das Rote Kreuz auch am nächsten Morgen noch ins Schwitzen brachten.

Biberach/Tübingen - Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume und Hagelkörner groß wie Fäuste - mit gewaltiger Kraft ist ein Unwetter über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen. Mindestens sechs Menschen wurden am Mittwochabend verletzt, Polizei und Feuerwehr mussten Schwerstarbeit leisten. Die Aufräumarbeiten dauerten in einigen Regionen auch am Donnerstagmorgen noch an, mehrere Straßen waren weiterhin gesperrt. Besonders betroffen waren laut Polizei einige Regionen südlich von Stuttgart und der Norden des Landes.

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Allein im Landkreis Biberach wurden bis zum frühen Donnerstagmorgen 900 Einsätze ausgelöst. Mehr als 1600 Rettungskräfte waren nach Angaben der Behörden im Einsatz, um Keller auszupumpen und überschwemmte Straßen und Wege freizuräumen. „Nach wie vor gehen in der Leitstelle Notrufe ein, weil viele erst jetzt bemerken, dass während der Nacht die Keller vollgelaufen sind“, sagte eine Sprecherin am Morgen. Der Biberacher Feuerwehrkommandant Florian Retsch sprach am frühen Donnerstagmorgen nach Angaben der „Schwäbischen Zeitung“ von einer „absolut katastrophalen Lage“.

Fünf Menschen wurden bei dem Unwetter in der Region Reutlingen verletzt. Dort kamen Hagelkörner groß wie Tennisbälle vom Himmel, sagte ein Polizeisprecher am nächsten Morgen. Zum Grad der Verletzungen konnte er zunächst jedoch keine Angaben machen. Unter anderem stand die Bundesstraße 28 auf Höhe des Reutlinger Stadtteils Betzingen teilweise unter Wasser, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Im Stadtteil Mittelstadt stürzte ein Baum in eine Stromleitung und kappte die Stromversorgung des Teilorts. Feuerwehr und THW waren im Kreis Reutlingen mit rund 370 Helfern und mindestens 60 Fahrzeugen im Einsatz.

Einsatzkräfte im Dauereinsatz

Auch in Tübingen sei das Wasser „in Sturzbächen“ durch die Stadt geflossen, hieß es. In der Neckarstadt lief das Kreisimpfzentrum mit Wasser voll - es mussten deshalb alle Corona-Impftermine für den Abend und für diesen Donnerstag abgesagt werden. Am frühen Mittwochabend waren in Tübingen und der Umgebung bis zu drei Zentimeter dicke Hagelkörner und Starkregen aus den Gewitterwolken zu Boden geprasselt, Straßen und Wege waren teilweise dicht mit weißen Klümpchen übersäht. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Autodächer wurden beschädigt. Laut Polizei wurde eine Person in Tübingen verletzt.

In Rottenburg (Kreis Tübingen) waren nach dem Unwetter in einem Pflegeheim mehrere Stockwerke zunächst nicht bewohnbar, wie es von der Feuerwehr hieß. Das Gebäude wurde zum Teil evakuiert, 23 Bewohner in Sicherheit gebracht. Auch in Offenburg liefen Keller voll. In Konstanz maß die Höhe der Hagelschicht teils fünf Zentimeter.

Im Zollernalbkreis und im Kreis Esslingen pumpten am Abend ebenfalls zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes Keller aus und sicherten umgestürzte Bäume. Auch dort wurden Straßen vom Starkregen überflutet. Über den Landkreis Freudenstadt zog das Unwetter ebenfalls hinweg. Dort wurden wegen Gerölls auf der Fahrbahn teilweise Straßen und Wege gesperrt. Auch im Enzkreis hat der starke Regen den Verkehr stark eingeschränkt.

Der Deutsche Wetterdienst hatte für den Abend und die Nacht auf Donnerstag für weite Teile Baden-Württembergs vor schweren Gewittern mit Starkregen und Hagel gewarnt.

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