Unter anderem in Bad Teinach waren die Straßen überschwemmt. Foto: Wendel

Die Straßen voller Schlamm, etliche Keller vollgelaufen, ein Waldweg regelrecht weggesprengt: Die Schäden nach dem Starkregen am Samstagabend in Bad Teinach-Zavelstein sind immens. Die Aufräumarbeiten werden noch dauern.

Bad Teinach-Zavelstein - Bad Teinach-Zavelstein ist am Samstagabend von einem mächtigen Starkregen heimgesucht worden. Genauer gesagt die Ortsteile Zavelstein sowie Emberg und in der Folge, durch das ablaufende Wasser, auch Bad Teinach. Es habe am Abend eine Stunde lang in einem kleinen Gebiet extrem stark geregnet, blickt Bürgermeister Markus Wendel zurück. Dadurch, dass es keinen Wind gegeben hat, habe sich die Wolke komplett über Teilen des Stadtgebiets ausgeregnet, sagt er. Mit verheerenden Folgen.

Denn das viele Wasser – der Deutsche Wetterdienst spricht von 64,5 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde – konnte nicht so schnell in den Boden einsickern. Es floss in den Ort, durch Straßen und in Keller. In Emberg seien sieben Keller betroffen gewesen, in Bad Teinach und Zavelstein jeweils einer, so der Bürgermeister. Einen Haushalt hat es dabei besonders schwer getroffen: Da das Wasser beinahe Tischhöhe erreichte, ging die Heizung und vieles andere kaputt. Ganz zu schweigen natürlich von der Gefahr, die dabei für die Menschen ausgeht, wenn sie sich im Keller aufhalten. Hat das Wasser erst einmal die Steckdosen erreicht, ist das Risiko eines Stromschlags hoch. Dafür gelte es zu sensibilisieren, sagt das Stadtoberhaupt. Vorsichtshalber habe man die Nacht über dann auch drei Gebäude in Bad Teinach – unter anderem die Kirche – vom Strom getrennt.

Rohre abgebrochen

Wegen des Gerölls, das mit den Wassermassen mitgerissen wurde, mussten einige Gemeindeverbindungsstraßen sowie die Landesstraße zwischen Bad Teinach und Rötenbach zeitweise gesperrt werden. Ein Waldweg wurde regelrecht weggesprengt, Rohre liegen wie abgebrochene Strohhalme im Geröll. Die drei Auffangbecken im Ort haben ganze Arbeit geleistet, zeigt sich der Bürgermeister erleichtert. Was ohne sie passiert wäre, mag er sich gar nicht ausmalen. "Aber irgendwann ist jedes Becken voll", klagt Wendel. Und zwar nicht nur mit Wasser, sondern auch mit teils massiven Felsbrocken. Irgendwann seien sie übergelaufen – und das Wasser über die sogenannte Panoramakurve die Zavelsteiner Straße heruntergeflossen.

Wendel, der städtische Bauhof, örtliche Bauunternehmen sowie die Freiwillige Feuerwehr waren noch bis tief in die Nacht beschäftigt. Bis 4 Uhr am Morgen ging der Einsatz. Die gröbsten Verschmutzungen der Straße, die "Schottermassen", wie Wendel es ausdrückt, wurden beseitigt, die Keller ausgepumpt.

Keine Menschen verletzt

Doch auch Tage danach sind noch Spuren des extremen Unwetters sichtbar. In den kommenden Tagen werden die betroffenen Straßen gereinigt und die Regenauffangbecken vollends ausgebaggert und von Geröll befreit. Der nächste Regen ist schließlich schon angekündigt. Um die Schäden an der städtischen Infrastruktur zu beseitigen – Wendel schätzt diese auf einen fünfstelligen Euro-Betrag – wird es noch Zeit brauchen. Den Waldweg müsse man instandsetzen, die Rohre wieder installieren.

Der Bürgermeister ist froh, dass bei dem Unwetter keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Ein solches Ereignis zeige, dass es nie eine 100-prozentige Sicherheit vor Naturgewalten geben kann. "Es bleibt immer ein Restrisiko offen." Der Starkregen sei so auch nicht vorhergesagt worden – aber dann sehr schnell und sehr stark dagewesen. "Ein richtiges Paket, was da runtergekommen ist."

Wie es der Zufall so will, steht just am 29. September das Starkregenmanagement auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Dort werden Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vorgestellt. Und spätestens jetzt dürfte jeder erkannt haben, warum ein Starkregenmanagement wichtig ist.

Weitere Informationen:

Starkregen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) kategorisiert Starkregen in drei Stufen: Regenmengen von 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde oder 20 bis 35 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden ziehen eine markante Wetterwarnung nach sich. Bei bis zu 40 Liter pro Quadratmeter wird eine Unwetterwarnung ausgesprochen. Bei mehr als 40 Liter pro Quadratmeter pro Stunde spricht der DWD von einem extremen Unwetter. In Bad Teinach-Zavelstein regnete es in einer Stunde 64,5 Liter pro Quadratmeter.