Silke Lopes hat 2020 den Laden „Fußabdruck“ eröffnet. Die Pandemie hat ihr zu schaffen gemacht. Gerade hat sie sich mit ihrem Team und Stammkunden auf die Suche nach einem zukunftsorientierten Konzept gemacht.
Wer in einem Unverpackt-Laden einkauft, trägt den „zero waste“-Gedanken in sich. Genau wie Silke Lopes, die 2020 einen solchen Laden in der Oberen Straße in Villingen eröffnete. Sie blickt auf eine Zeit voller Krisen zurück, aber zuversichtlich in die Zukunft. Aufgeben ist für die 43-jährige Mutter von zwei Kindern nämlich keine Option.
Gerade hat sie mit ihrem Team und mit ihren treuesten Kunden einen Abend verbracht, an dem gemeinsam nach einem zukunftsorientierten Konzept für den „Fußabdruck“ gesucht wurde. Die Coronapandemie, in der die Laufkundschaft in einer vom Lockdown gebeutelten Innenstadt fast komplett ausblieb, und die darauf folgenden Preissteigerungen aufgrund des Ukraine-Krieges machen das Geschäftsleben aktuell nicht gerade einfach. Die Konzeptsuche war erfolgreich: mit einem Abo-System, bei dem Mitgliedern ein rabattierter Einkauf gewährt wird und Silke Lopes mit festen Monatsbeiträgen rechnen kann, wird der „Fußabdruck“ auf neue Beine gestellt.
Einzelhandel ist für Unternehmerin kein fremdes Terrain
Silke Lopes ist in Villingen aufgewachsen. Ihre Oma war Elisabeth Kammerer, die das gleichnamige Schuhhaus in der Rietstraße unterhielt, das bis vor kurzem deren Tochter Mechthild Ruck, Silke Lopes’ Tante, führte. Der Einzelhandel ist für die junge Unternehmerin also kein fremdes Terrain.
Nach dem Abitur am Hoptbühl-Gymnasium in Villingen und dem International-Business-Studium an der DHBW (damals noch Berufsakademie) in Schwenningen wollte sie „eigentlich ins Marketing und ganz, ganz weit weg“, erinnert sie sich und muss lachen. Beides habe sich nämlich nicht ergeben.
„Wenn man Familie hat, reflektiert man das Leben“
Sie blieb in Villingen, arbeitete im Vertrieb von Hewlett Packard in Böblingen, heiratete einen Brasilianer, entschied sich nach der Geburt ihrer Kinder gegen das Pendeln und folgte zudem ihrem zunehmend schlechtem Gewissen, immer mehr Dinge zu verkaufen, die hinterher auf der Müllkippe landen. „Wenn man Familie hat, reflektiert man das Leben und fragt sich, wohin die Reise eigentlich gehen soll“. Das Vermeiden von Müll war ihr damals schon ein Anliegen.
Eine Freundin brachte sie schließlich auf die Idee, einen Unverpackt-Laden zu eröffnen. Einen Tag vor dem ersten Lockdown unterschrieb sie den Mietvertrag. Leicht gehabt hat es die Ladenbesitzerin bisher also noch nie. Irgendeine Krise war immer. Trotzdem sagt sie im Rückblick auf die ersten drei Geschäftsjahre: „Ich liebe den Laden“. Darin stecke so viel von ihr selbst und ihrem Wunsch, etwas für die Umwelt zu tun.
Menschenleere Innenstadt machte ihr zu schaffen
Da sie Lebensmittel führt, musste sie während der Pandemie zwar nie schließen, hatte aber unter der menschenleeren Innenstadt zu leiden. Dann kam der Krieg, die Preise stiegen und seither können oder wollen sich viele Menschen Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht mehr leisten. „Das ist schlimmer als jeder Lockdown“, findet Silke Lopes. Etliche ihrer Kollegen mussten ihre Unverpackt-Läden mittlerweile schließen – in Zimmern, Überlingen, Offenburg, Singen. „Ich will auf keinen Fall der nächste sein“, sagt sie energisch. Daher kreierte sie mit professioneller Hilfe das Mitglieder-Modell. Entsprechende Beitrittserklärungen liegen in ihrem Laden bereit.
Ob sie genug Rückhalt erfahren wird, erweist sich im Herbst. Einkaufen kann und soll weiterhin jeder bei ihr, ob Mitglied oder nicht, der auf Verpackungen verzichten will, die auf den Müllbergen landen. Auch jene, die vor dem „Fußabdruck“ stehen und wieder einmal ein Behältnis von zu Hause mitzubringen vergessen haben. Für diese Fälle hält Silke Lopes Schraubgläser verschiedener Größen bereit, die sie nach dem Motto „Von Kunden für Kunden“ zum Füllen kostenlos abgibt. „Der Unverpackt-Laden ist mein Hobby“, sagt die Geschäftsfrau, die ihre Kunden auch mit einer Limo oder einem Milchkaffee vor Ort bewirtet.
Viele Artikel stammen aus lokaler Produktion
Ihre Müslimischungen sind der Renner. Außer Olivenöl – „dafür braucht man eine Sondergenehmigung“ – und Dingen, die gekühlt bevorratet werden müssen – „dazu haben wir nicht die Möglichkeit“ – gibt es bei ihr viele weitere Dinge aus lokaler Produktion, für die keine Plastikverpackung anfällt. Das ist ihr wichtig, denn „wenn jeder Haushalt nur eine halbe gelbe Tonne pro Monat einspart, retten wir unzählige Tiere, halten unsere Stadt und die Strände sauberer und verbessern unsere Lebensqualität“.