Die Wandergruppe posiert vor dem Lautenbachhof.Fotos: Zoller Foto: Schwarzwälder Bote

Freizeit: Wandertour mit Hansy Vogt kommt gut an im Teinachtal / Verschlungene Pfade und leckeres Essen begeistern

"Auf den Spuren des Württemberger Adels" lautete das Motto der Hansy-Vogt-Genusstour, die von Schwarzwald-Guide Jürgen Rust nun im Teinachtal angeführt wurde. Die Tour erfreute nicht nur Herz und Gaumen von Vogt, sondern lockte auch ferne Gäste.

Bad Teinach-Zavelstein. Zu der knapp elf Kilometer langen Wandertour durch das Teinachtal waren sogar Gäste aus dem Odenwald, der Bodenseeregion und aus dem restlichen Ländle angereist, um auf neuen Genießerpfaden und alten Flanierwegen Wissenswertes rund um die Region zu erfahren. Die Wanderung mit Entertainer Hansy Vogt wurde bereichert durch historische Persönlichkeiten, dargestellt von Schauspielern des Regionentheaters aus dem schwarzen Wald, sowie kulinarischen Besonderheiten aus Küche und Keller der lokalen Gastronomie.

"Wir waren auch schon letztes Jahr bei Hansy´s Genusstour dabei", berichtet Josef Neininger, der gemeinsam mit seiner Frau Sigrid aus dem Brigachtal in der Nähe von Villingen-Schwenningen angereist ist. Für das Projekt der Schwarzwald Tourismus GmbH, die immer wieder mit Hansy Vogt zu besonderen Genusstouren einlädt, hat die Teinachtal-Touristik in diesem Sommer den Zuschlag erhalten. "Das haben wir Jürgen Rust zu verdanken, der mit seiner Wanderung ein anspruchsvolles Konzept dramaturgisch auf den Punkt gebracht hat", erklärt Franziska Bürkle. Die Touristik-Chefin ist sichtlich angetan von der Idee, die Historie des Teinachtals in den Fokus zu rücken, denn schließlich sind die baulichen Besonderheiten dem Adelshaus der Württemberger zu verdanken.

Kein Wunder also, dass der Rundgang der wanderhungrigen Gäste nach einer Ansprache von Bürgermeister Markus Wendel im Residenzsaal vom Hotel Therme beginnt. Dort, wo einst der Adel residierte, begrüßt Ricarda Becker die Wanderer unter Kristalllüstern und kredenzt historische Häppchen. "Ich serviere ihnen Pumpernickel mit Forellenmousse", so Becker, die damit nicht nur einen typischen Speisefisch aus dem Teinachtal auffährt, sondern passend dazu Neckarwein mit leichtem Essiggeschmack kredenzt.

Frisch gestärkt nimmt Jürgen Rust an der Spitze der kleinen Wandergruppe die ersten Stufen zum Waldsaum. "Hier standen einst keine Tannen, den der Adel wollte flanieren und seinen Blick über das Tal schweifen lassen." Rust bleibt bei einem besonderen Stein stehen und deutet auf die Inschrift. "Sitzstein", steht dort. Ausgebuchtete Rundungen bieten zwei Menschen Platz um zu verschnaufen – oder zu flirten. "Man sieht nur das, was man auch kennt, denn viele Menschen laufen hier einfach vorbei und nehmen den Sitzstein gar nicht wahr", sagt Rust.

Viele Menschen geheilt

Dass es vieles zu entdecken gibt, untermauert der kundige Führer mit Versen von Victor von Scheffel (1826-1886), der als Dichter im 19. Jahrhundert gerne im "Tal der Sprudelquelle" kurte. Dabei lässt nur wenige Schritte weiter die "Jahrhundertbank" mit in Stein gemeißelten Danksagungen erahnen, wie viele Menschen bereits im Teinachtal Heilung erfahren haben.

Heimatliche Tradition, Wasser und Wald. Zwei Themengebiete, für die sich der 1864 gegründete Schwarzwaldverein engagiert und zudem als Partner der Touristik für die Wegemarkierungen verantwortlich zeichnet. Gewandert wird bequem auf dem Teinacher Genießerpfad.

Dann orientiert sich Rust an den Markierungen der gelben Raute und führt die Gruppe zum "Katharinenplaisier". Bei dem nach der Tochter König Friedrich von Württemberg benannten Gedenkstein wartet nicht nur eine deftige Stärkung aus der Küche vom Landhotel Talblick, sondern als historische Persönlichkeit Katharina höchstpersönlich.

Unterricht in Naturkunde

Während sie tränenreich über ihre Heirat mit Jerome, dem Bruder von Napoleon I. berichtet, lassen sich die Teilnehmer Kartoffelsuppe und schwäbischen Most schmecken. Auf dem weiteren Weg zum 1916 erbauten Lautenbachhof gibt es Naturkunde-Unterricht, denn nur wenige wissen, dass das duftende Mädesüß besondere Heilwirkungen besitzt. Statt Aspirin hatte es im Mittelalter Einsatz bei Kopfschmerzen.

Am Hof angekommen, wartet eine besondere Begrüßung von Karl Eugen, dem zwölften Herzog von Württemberg, der oftmals mit mehr als 300 Personen Gefolge ins beschauliche Teinachtal reiste. Für Teilnehmerin Margret Anissimo ein besonderes Erlebnis: "Ich laufe oft mit geführten Touren, aber da gibt es selten etwas Neues." Die Genusstour bezeichnet sie als "Horizonterweiterung", bei dem Wissenswertes aus Natur und Kultur vermittelt werde. Nach Kaffee und Kuchen im Lautenbachhof beginnt der abenteuerliche Teil der Wanderung, bei dem noch kaum betretene Wege auf die Gruppe warten. Der Kollbach wird überquert und am nährstoffreichen Gewässer in sonniger Lage selbst gepflückte Brunnenkresse gekostet, die ersten Heidelbeeren gezupft und auf weichen Waldwegen zurück in Richtung Bad Teinach immer wieder Walderdbeeren gepflückt. Nach verschlungenen Pfaden bieten die bequemen Wege genügend Zeit für Gespräche. "Wir hätten nicht gedacht, dass Bad Teinach so viel schöne Natur zu bieten hat und sind heute ganz früh losgefahren, um bei diesem schönen Event dabei zu sein", erklären Jürgen Kugler und seine Frau Sabine. Auch für Michael Leifels aus Oberreichenbach ist die Tour etwas ganz Besonderes: "Wir sind im Schwarzwaldverein und haben lange keine so schöne Wanderung gemacht. Wir haben das im Schwarzwälder Boten gelesen und uns sofort angemeldet."

Zügigen Schrittes geht es zur Mathildenanlage, benannt nach der Königinwittwe Charlotte Auguste Mathilde von Württemberg (1766-1828). Die erste Königin des Landes, die als Gönnerin die Treppenanlage mit 600 Stufen erbauen ließ, präsentiert sich wahrhaftig. Begleitet von viel Applaus berichtet sie über ihre Liebe zur Region und die Stiftung zur jährlichen Abhaltung des Jacobifestes.

"Wir sind schon oft mit Hansy gewandert, aber das hier ist eine der schönsten Touren", erklären Rosemarie und Georg Grün, die eigens für den Entertainer aus dem Bodenseeraum angereist sind. Als Überraschung präsentiert Ilona Trimbacher ihre Illustrationen. Die bildende Künstlerin aus Calw hat als stille Beobachterin auf der Tour viele Zeichnungen von Landschaft und Leuten gefertigt und in ihrem Skizzenbuch festgehalten. Bis zur letzten Wanderstation sind nur noch wenige Höhenmeter zur Schlossberghütte zu bewältigen. Hier wartet ein rustikales Vesper für alle und als gemütlicher Ausklang des Tages und zum Abschluss sagt Schlagerstar Hansy Vogt musikalisch "Danke". Der Entertainer frohlockt ob des tollen Tages: "Das war mehr als nur gelungen, das war einfach grandios!" Auch zieht ein positives Fazit und freut sich, "dass unsere Konzepte mit Schwarzwaldguide Jürgen Rust so wunderbar ankommen."

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