Gemeinsam mit einem Fachbüro prüft die Stadt Lahr die Lärmbelastung entlang der B 3. Ist es dort zu laut, führt wohl kein Weg an einer Geschwindigkeitsreduzierung vorbei.
Wie schnell – oder langsam – rollt der Verkehr künftig auf der Lahrer B 3? Bereits im Dezember hat unsere Redaktion darüber berichtet, dass die Stadt eine Reduzierung von Tempo 50 auf 30 prüfen lässt. Nun ist man ein Stück weiter – zumindest, was die Zeitschiene angeht. „Vorbehaltlich der Zuarbeit des beauftragten Fachbüros Fichtner rechnen wir im Sommer mit den Ergebnissen, sodass wir – wenn angezeigt – im Herbst Maßnahmen umsetzen würden“, erklärte der zuständige Bürgermeister Guido Schöneboom am Dienstag auf Nachfrage.
Im Rahmen der gesamtstädtischen Lärmaktionsplanung wird unter anderem die Belastung der Anwohner der Offenburger und Freiburger Straße unter die Lupe genommen – was laut der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) auch nottut: Nach öffentlich einsehbaren Angaben der Behörde lagen die Höchstwerte auf der etwa ein Kilometer langen Strecke zwischen dem Restaurant Schlemmertreff und dem Hochhaus in der Schwarzwaldstraße im Jahr 2022 bei 75 Dezibel und mehr. Nach gängiger Expertenmeinung bilden 70 Dezibel am Tag respektive 60 Dezibel in der Nacht die Schwelle zu einer „unmittelbaren Gefährdung der Gesundheit“.
In Kuhbach und Reichenbach sorgte das Thema für Ärger
Der Tritt aufs Bremspedal auf einer Bundesstraße ist freilich kein neues Thema in Lahr. Im vergangenen November sah sich die Stadt gezwungen, auf der B 415 in der Kernstadt sowie den Ortsteilen Kuhbach und Reichenbach die erlaubte Geschwindigkeit von 40 auf 30 Stundenkilometer zu drosseln – und erntete dafür lauten Protest sowohl von Pendlern als auch von Anwohnern. Die Kritik: Entgegen der Einschätzung der Fachleute fließe der Verkehr noch zäher und verursache dadurch mehr Lärm und Gestank als bisher.
Dass diese subjektive Wahrnehmung nichts an der Entscheidung ändert, hat das Rathaus in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht: Die Vorgaben von EU und Land seien eindeutig und ließen keinen Ermessensspielraum, wenn es entlang einer Straße nachweislich zu laut sei.
Dementsprechend, betont Schöneboom, bestünde auch an der B 3 dringender Handlungsbedarf, sollten sich die von der LUBW ermittelten Werte bestätigen: „Wenn das Gutachten des Büros Fichtner vorliegt, werden wir nach der Sommerpause damit in die städtischen Gremien gehen, allerdings nicht für einen Beschluss, sondern nur zur Information.“ So lief es auch in den Gemeinden nördlich und südlich von Lahr: In Friesenheim und Kippenheim wurde der Verkehr schon vor Jahren auf Ansage „von oben“ heruntergebremst.
Neue Ampelschaltung soll Verkehrsfluss verbessern
Der Bürgermeister räumt unumwunden ein, dass er um eine „kleine Verschnaufpause“ für seine Mitarbeiter in den nächsten Monaten nicht böse ist: Viele hätten ihren Unmut über Tempo 30 auf der B 415 bei der Verwaltung abgeladen, zuletzt sei die Welle der Empörung spürbar abgeebbt (siehe Info). Das führen die Verantwortlichen auch darauf zurück, dass man mittels Ampelschaltung versucht habe und weiter versuchen werde, den Verkehrsfluss auf der Bundesstraße zu verbessern.
Indes: „Eine mögliche Geschwindigkeitsreduzierung auf der B 3 würde die Emotionen wohl wieder hochkochen lassen“, weiß Schöneboom, der aber auch betont, „dass sich nicht wenige Anwohner gemeldet haben, um nachzufragen, wann man nach der Oststadt nun auch in der Weststadt den Gesundheitsschutz der Menschen in den Blick nimmt“.
Resonanz bei Online-Petition flacht ab
Die Geschwindigkeitsreduzierung in der Kernstadt, Kuhbach und Reichenbach mündete Ende vergangenen Jahres in der Online-Petition „Nein zu Tempo 30 auf der B 415 in Lahr“. Fand diese zunächst eine große Schar an Unterstützern, ist die Resonanz mittlerweile abgeflacht: Bereits im Dezember – einen Monat nach Einführung von Tempo 30 – lag die Zahl der virtuellen Unterschriften bei mehr als 7000. Weitere vier Monate später sind es nun etwas mehr als 7500.