Rund 100 Interessenten bei Informationsabend in Bräunlingen. Die Vereinsgründung ist nun der nächste Schritt.
Der Informationsabend der Initiatoren einer Nachbarschaftshilfe in Bräunlingen ist erfolgreich verlaufen. Viele Bürger trugen sich bei dem Treffen in die Listen als Vereinsmitglieder oder aktive Helfer ein. Damit steht nun die Vereinsgründung bevor.
Berthold Geyer, einer der Initiatoren zur Gründung einer Nachbarschaftshilfe für die Gesamtstadt Bräunlingen, freute sich in seiner Begrüßung, dass sich weit mehr als 100 interessierte Besucher zur Informationsveranstaltung im kleinen Saal der Stadthalle eingefunden hatten. Bürgermeister Micha Bächle verwies in seiner Ansprache auf die Notwendigkeit für niederschwellige Hilfe. „Der Bedarf zeigt sich darin, dass von allen Pflegebedürftigen nur zehn Prozent im Heim, aber 90 Prozent zu Hause versorgt werden“, so Bächle. Die Stadt und der Gemeinderat unterstützen das Projekt. Bächle dankte den Initiatoren, Anita Dold, Monika Winterhalder, Klaus Gassman, Norbert Knöpfle, Matthias Werner und Berthold Geyer für die bisherigen Aktivitäten.
Maria Hensler, aus Gaienhofen, die vor rund 20 Jahren die Idee der Nachbarschaftshilfe auf den Weg der Umsetzung gebracht hatte, sagte: „Wir machen alles außer Pflege“. Die Pflege sei die Baustelle anderer Organisationen: „Wir wollen doch niemandem den Arbeitsplatz wegnehmen. Zudem ist Pflege hochgradig spezialisiert und kein Fall für das klassische Ehrenamt“.
Am Anfang waren es lauter Frauen
„Am Anfang waren es nur Frauen, die mitarbeiteten“, erinnerte sich die Gründerin. Heute seien in Gaienhofen und Umgebung 110 Helfer aktiv und davon 20 Prozent Männer. In Gaienhofen erhielten die Helfer eine Aufwandsentschädigung von 11,50 Euro, und zur Pflegekasse werde mit 14 Euro abgerechnet. Die Differenz diene zum Ausgleich aller Betriebskosten des Vereins. Aufgrund der vielen Nachfragen aus anderen Orten nach dem erfolgreichen Modell in Gaienhofen, sei das Netzwerk Nachbarschaftshilfe gegründet worden, dem mittlerweile mehr als 100 Vereine in ganz Baden-Württemberg angehören.
Aus der Praxis der nachbarschaftlichen Hilfe im Alltag berichtete im Anschluss Sigrid Hall, die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Aasen-Heidenhofen. Diese sei seit Oktober 2021 ein eingetragener Verein und organisiere in der Kernstadt sowie allen Ortsteilen von Donaueschingen die gegenseitige nachbarschaftliche Hilfe mit dem Ziel, dass ältere Menschen länger im gewohnten Umfeld leben können und Familien im Bedarfsfall schnell Unterstützung finden. Sie informierte, dass sich anhand der Einsatzstunden der wachsende Bedarf darstellen lasse. So habe man im letzten Quartal des Jahres 2021 mit 58 Stunden begonnen. Bis zum September des laufenden Jahres hätten die 40 Helfer, die sich jetzt im Einsatz befinden, 2135 Helferstunden erbracht.
Verein hat mittlerweile 233 Mitglieder
Der Verein habe mittlerweile 233 Mitglieder. Wichtig sei ihr, dass alle Helfer den Kurs „Begleitung im Alltag“ absolvieren, denn dort erhalte man die notwendige Qualifikation. Die Helfer leisten Hilfe in Haus und Garten, Einkaufsbegleitung, Arzt- und Friedhofsbesuche, Spaziergänge, Unterhaltungen und mehr. Nicht übernommen werden dagegen Pflege, Hausputz und Arbeiten, die Konkurrenz zu Fachbetrieben wären.
Ziel sei es jetzt, so Berthold Geyer, nach Auswertung der ausgelegten Listen zur Mitarbeit als Helfer oder als Vereinsmitglied den Verein zu gründen und die Fortbildungskurse ab Januar 2026 zu besetzen.
Die Richtlinien
Überblick:
Anika Volk, die Referentin der Sozialplanung im Landratsamt Schwarzwald-Baar, gab einen kurzen Überblick zu gesetzlichen und strategischen Rahmenrichtlinien. So sei im Sozialgesetzbuch klar formuliert, dass „die pflegerische Versorgung der Bevölkerung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist“. Das Ziel der Strategie des Landes sei es daher, allen Menschen ein selbstbestimmtes und gutes Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Dabei sollen „die Kommunen eine zentrale Rolle einnehmen und die Vernetzung aller relevanten Akteure vor Ort übernehmen“. Daher verfolge das Landratsamt die Einrichtung von 20 Sozialräumen im Landkreis. In jedem Sozialraum werden lokale Pflegebündnisse aufgebaut, die aus der Bürgerschaft, Nachbarschaftshilfen, der Kommunalverwaltung, professionellen Pflegeakteuren, Ärzten, Vereinen und anderen bestehen. Das Ziel sei, für alle individuelle und passgenaue Lösungen vor Ort zu entwickeln, denn jeder Ort hat unterschiedliche Bedingungen.