Jessica Willius, Mareike Schmid, Julian Beiter und Alexander Josko (von links) beim Abladen der Heuballen auf einem Bauernhof im Landkreis Ahrweiler. Foto: Schmid

Mit einem Lastzug voller Heu, anderen Futtermitteln und Hygieneartikeln hatten sich drei Freunde erst vor Kurzem auf den Weg in den rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler gemacht. An diesem Donnerstag brechen sie erneut dorthin auf – diesmal haben sie auch Brennstoffe dabei.

Dornstetten - Beim zweiten Hilfstransport fährt neben Mareike Schmid aus Bittelbronn, ihrem Freund Julian Beiter aus Starzach-Felldorf und dem Lohn- und Transportunternehmer Alexander Josko aus Dornstetten auch dessen Freundin Stefanie Frey, die ebenfalls in Dornstetten wohnt, mit. Auch diesmal ist die Gemeinde Grafschaft das Ziel. Dort wohnt Jessica Willius, bei der die Helfer aus dem Landkreis Freudenstadt wieder übernachten können. Ihr Wohnort liegt rund vier Kilometer von Bad Neuenahr entfernt. Und auch dort hat das Hochwasser gewütet.

"Im Haus meiner Oma stand das Wasser 1,60 Meter hoch", sagt Jessica Willius. Nach der Flutkatastrophe seien alle im Ort mit Aufräumarbeiten beschäftigt gewesen. "Erst Tage später haben wir realisiert, was um uns herum passiert ist", blickt sie auf die Flutkatastrophe vor fünf Wochen zurück. Viele Hilfsgüter seien zwischenzeitlich eingetroffen, doch die Menschen im Ahrtal wüssten gar nicht wohin damit, da sie zuerst ihre Häuser und Wohnungen sanieren müssten.

44 Heuballen verteilt

Was aber dringend gebraucht werde, sei Tierfutter, weiß Jessica Willius. Denn viele Bauern- und Reiterhöfe standen unter Wasser, und die Weiden rechts und links des Ufers der Ahr seien durch ausgelaufenes Heizöl und Lacke kontaminiert.

Als der erste Hilfstransport mit Mareike Schmid, Julian Beiter und Alexander Josko eintraf, hat es erneut stark geregnet. Jessica Willius hatte zusammen mit einer Bekannten einen Hof ausgemacht, wo die 44 Heuballen trocken gelagert und dann an Landwirte verteilt werden konnten. Die Hygieneartikel brachten sie in Bad Neuenahr zu einem Versorgungszelt der Feuerwehr, in dem die Menschen mit Nahrung, aber auch medizinisch versorgt werden. Als sich dann eine Frau bei Jessica Willius meldete, deren Ponys nach dem Hochwasser bis zu den Nüstern im Wasser gestanden hatten, war klar, wo die mitgebrachten Geldspenden hinfließen. "In einem Pferdesportgeschäft ein paar Orte weiter haben wir gekauft, was die Frau für ihre Pferde und Ponys braucht", beschreibt Mareike Schmid die Aktion.

Waschmaschine und Brennstoffe als weitere Spenden

Vor ihrer Rückreise haben sich die drei Helfer von einer Aussichtsplattform ein Bild der gesamten Katastrophe gemacht und beschlossen, auch weiterhin zu helfen. Wieder zuhause, las Mareike Schmid im Schwarzwälder Boten von einem Landwirt, der Heu spenden wollte. Sie nahm Kontakt zu ihm auf und bekam fast eine ganze Ladung.

Auch eine Waschmaschine wurde gespendet – und Brennstoffe. Und die benötigten die Menschen im Ahrtal ganz dringend, weiß Jessica Willius. Derzeit gebe es im Ahrtal in vielen Ortschaften noch keinen Strom und kein Trinkwasser, beschreibt sie die aktuelle Lage. Wasser müsse vor dem Verzehr abgekocht werden. Dies geschehe meist mit Hilfe von Campingkochern. Das Schlimmste sei jedoch, dass sämtliche Gasleitungen entlang des Flusses zerstört seien. Das Netz wieder aufzubauen werde Monate dauern, befürchtet Jessica Willius, die nicht glaubt, dass dies bis zum Wintereinbruch gelingt. "Die Menschen haben Sorge vor einem kalten Winter."

Bei ihrem zweiten Transport haben die nun vier Helfer deshalb auch Brennstoffe mit dabei. "Man muss den Menschen immer das bringen, was sie brauchen", betont Mareike Schmid, die mit ihren Freunden bereits über einen dritten Hilfstransport nachdenkt, mit dem sie in den kommenden Wochen gerne weitere Brennstoffe, aber auch kleine Heizgeräte zu den Menschen im Ahrtal bringen möchten. Bei allen Landwirten, die das Heu für die erste Fahrt gespendet hatten, haben sich Mareike Schmid, Julian Beiter und Alexander Josko mit einem Geschenkkorb bedankt.

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