In den letzten zwei Ferienwochen holen 60 Hechinger Realschüler im Rahmen einer "Lernbrücke" das nach, was ihnen im Corona-Fernunterricht im vergangenen Schuljahr noch nicht so ganz klar geworden ist. Ihre Schulkameraden haben ihnen aufmunternde Plakate geschrieben. Foto: Stopper

Wer gern weiterhin Vorurteile über bequeme Lehrer und lange Sommerferien pflegen möchte, der sollte diesen Text nicht lesen. Denn er handelt von vorbildlichem Engagement, das derzeit an der Hechinger Realschule geleistet wird.

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Hechingen - 600 Schüler hat die Schule und 60 davon, die im Corona-Fernunterricht beim Lernen den Anschluss verloren haben, werden diese und nächste Woche im Rahmen einer "Lernbrücke" morgens in die Schule kommen. Unterrichtet werden sie dort von 16 Fachlehrern und -lehrerinnen, immerhin einem Drittel des Kollegiums, in Deutsch, Englisch und Mathematik. Die Pädagogen erhalten dafür zwar auch etwas Geld vom Land, aber der Betrag ist nicht hoch.

Hauptsächlich leisteten sie und ihre Kollegen diese zwei Wochen Sondereinsatz aus Idealismus, erklärte am Mittwoch die stellvertretende Rektorin Karin Friedrich im Rahmen eines Schulbesuchs von Regierungspräsident Klaus Tappeser und Schulpräsidentin Susanne Pacher.

Lehrer beenden ihre Ferien zwei Wochen früher

Klar wurde dabei: Für die meisten Schüler war die Coronazeit mit den Online-Unterrichten zwar lästig, aber der Lernerfolg war in Ordnung. Für einige aber, die aus unterschiedlichen Gründen Motivationsprobleme hatten, die durch ihre Eltern nicht unterstützt werden konnten, oder die einen schlechten Online-Anschluss hatten, ist der Faden abgerissen.

Deshalb hat sich das Realschul-Kollegium schon zu Beginn des Sommers zusammengesetzt und Schüler für Schüler überlegt, bei wem solche Probleme vorliegen. Dann wurde mit den Eltern gesprochen, von denen längst nicht alle auf Anhieb begeistert waren von der Idee, ihre Urlaubspläne anpassen zu müssen oder ihre Kinder als förderbedürftig eingestuft zu sehen. Allerdings waren auch viele froh: "Es haben Eltern ihren Urlaub verkürzt, damit ihre Kinder hier lernen können", erklärte Karin Friedrich.

Nicht zuletzt mussten dann auch noch die Lehrer überzeugt werden, zwei Wochen früher ihre Ferien zu beenden. "Viele waren auf Anhieb bereit, andere brauchten eine gewisse freundliche Belagerung, haben sich dann aber doch gern einen Ruck gegeben", so die Konrektorin.

Kein pures Opfer. Die Gruppen sind klein, die Schüler wissen, um was es geht. So mache Lehrersein Spaß.

Verantwortung für die schwächeren Schüler

Rektor Stefan Hipp, der selbst auch als Pädagoge an der Lernbrücke teilnimmt, wollte angesichts des hohen Besuchs von Schulpräsidentin und Regierungspräsident aus Bescheidenheit zwar nicht angeben mit der Bilanz seiner Schule. Aber beachtlich ist es schon: Die Realschule deckt den ganzen Lernbrücke-Unterricht mit eigenen Lehrern ab. Im Landesdurchschnitt sind es nur die Hälfte eines Kollegiums, der Rest ist schulfremdes Fachpersonal.

Vor allem stellte Hipp in den Vordergrund, dass sein Kollegium Verantwortung für die schwächeren Schüler spürt: Wenn diese ihre Lernlücken auffüllen können, würden sie im neuen Schuljahr mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein starten. Dann mache ihnen Schule wieder Spaß. Davon profitieren auch die Lehrer.

Wie ein Klassenrundgang zeigte, darf der Einfluss der Eltern nicht unterschätzt werden. Ein sanfter Druck von zu Hause war bei manchen schon nötig, um in den Ferien die Schulbank zu drücken. Die Eltern wurden in Beratungsgesprächen von diesem Konzept überzeugt. Und natürlich sahen auch viele Schüler ein, dass sie Lernlücken haben.

Übrigens: Nicht nur wegen der Lernbrücke beginnen die meisten Lehrer ihre Arbeit bereits in den letzten Wochen der Ferien. Den Schulbetrieb vorzubereiten, das erledigt sich nicht von selbst.