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Unterricht in Corona-Krise Lehrer kritisieren Corona-Politik

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"Wir alle haben uns doch an das komische Ding vor unserer Nase gewöhnt": die Einschätzung aus dem Schulalltag. Foto: Balk

Die Schulen stehen in der Pandemie vor großen Herausforderungen. Doch wie sieht es vor Ort aus? Pädagogen aus der Praxis beziehen in unserem (SB+)Artikel klar Stellung.

Oberndorf - Die noch nie dagewesene Corona-Situation stellt Schulen vor große Herausforderungen: Alle 20 Minuten lüften, Maskenpflicht - sogar im Unterricht. Und ein jahrgangsübergreifender Kontakt ist gar nicht erlaubt. Unsere Zeitung hat deshalb mit Pädagogen aus der Praxis gesprochen. Wie ist die Lage vor Ort?

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Den Lehrkräften und Schülern könne man keinen Vorwurf machen, sie leisten zu Corona-Zeiten gute Arbeit, sagt Christoph Wolk, Schulleiter an der Hugo-Höfler-Realschule in Breisach am Rhein und Landesbezirksvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Südbaden. Doch durch diese außergewöhnliche Situation werden immer mehr Defizite an Schulen deutlich. Lehrermangel, Digitalisierung sowie vollgestopfte Schulbusse und dann auch noch "Querdenker". Auf dem Stundenplan der Rektoren tauchen neue Aufgaben auf.

Klares, einheitliches Programm für Planung fehlt

Trotz Maske und ständigen Lüftens verläuft der Schulalltag unerwartet normal. "Wir alle haben uns doch an das komische Ding vor unserer Nase gewöhnt", sagt Dirk Lederle, Schulleiter der Johanniterschule in Heitersheim und VBE-Vize im Land. Trotzdem: Schule zu Corona-Zeiten hat schon ihre Eigentümlichkeiten. "Fünf Prozent der Elternschaft und der Schüler zeigen sich widerspenstig, uneinsichtig", berichtet Lederle. Wie andere Schulleiter auch, sieht er Einflüsse aus Querdenker-Reihen. Vieles dabei zeige "ein sehr hohes Maß an Organisation." Den Rektoren mache dies das Leben nicht leichter.

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Zudem fehlt ein klares, einheitliches Programm über die zukünftige Planung an Schulen. "Ein längerfristiges Konzept wäre wünschenswert, ist im Moment aber aus der Aktualität heraus nicht machbar. Momentan leben wir von Woche zu Woche. Wir müssen schnell reagieren und mit neuen Regelungen sofort Entschlüsse fassen", schildert Meinrad Seebacher, Schulleiter des Schulzentrums Oberes Elztal in Elzach und Vize des südbadischen VBE, die Situation. Aufgrund des hohen Infektionsrisikos im Sportunterricht, fällt dieser an seiner Schule zurzeit aus. Dafür werden die Lerninhalte aus dem letzten Schuljahr nachgeholt, die im Lehrplan standen, als die Schulen noch geschlossen bleiben mussten.

Lederle meint, einheitliche Regelungen machen wenig Sinn, man müsse die jeweilige Situation vor Ort vor Augen haben. "Ich halte nichts von Gießkannenlösungen, ich setzte dafür auf die Kompetenz und das Urteilsvermögen der Schulleiter in einem rechtssicheren orientierenden Rahmen."

"Kolossale Überforderung für die Lehrkräfte"

Diese würden je nach Lage reagieren, sodass Schulschließungen vermieden werden können. Denn das möchte der VBE unbedingt verhindern. Wolk meint, eine erneute Schließung wäre "fatal". Solange man sich an die Hygieneregeln halte, sehe er keinen Grund, Schulen nicht offen zu lassen.

Beim Schulwegtransport müsse aber noch nachgebessert werden: "Was nützt es, wenn in Schulen die Abstandsregeln befolgt werden, die Kinder und Jugendlichen in den Zügen und Bussen aber eingepfercht sind?" Auch die durchschnittliche Größe der Klasse von 30  Schülern sei kritisch. Andererseits seien Teilungen der Klassen, in der die eine Hälfte sich im Online-, die andere Gruppe im Präsenzunterricht befindet, schlichtweg eine "kolossale Überforderung für die Lehrkräfte", sagt Lederle im Gespräch.

Schon seit Jahren ist der Lehrermangel ein gewaltiges Problem, aber nun drängt sich dieser wieder in den Vordergrund. Viele Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, unterrichten nicht mehr in Präsenz. Diese seien allerdings nicht ersetzt worden, kritisiert der VBE. Wolk spricht von einer "Unterversorgung". Zu Corona-Zeiten sei ein jahrgangsübergreifender Unterricht nicht erlaubt; dies führe dazu, dass beispielsweise der Religionsunterricht oftmals nur 14-tägigig stattfinden könne, da es nicht genug Lehrer gebe, die dieses Fach unterrichten könnten. "Wir sehen in diesem Bereich einfach keine gewinnbringenden Maßnahmen", erklärt Wolk.

Förderungsgelder seien nur schwer zu bekommen

Dies ist allerdings nicht der einzige Punkt, bei dem laut VBE nachgebessert werden muss. Dass Deutschland in Sachen Digitalisierung nicht gut aufgestellt ist, gilt als allgemein bekannt. Aber "Baden-Württemberg hinkt besonders hinterher", kritisiert Seebacher.

Vor allem im ländlichen Raum lässt der Internetausbau zu wünschen übrig, teilweise gibt es gar keinen Internetanschluss im Klassenzimmer. Eigentlich sollte ein Wlan-Anschluss eine Selbstverständlichkeit sein. Das Geld ist vorhanden. Doch im Digitalpaket steckt ein bürokratisches Monster. Erst muss ein pädagogisches Konzept vorliegen.

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In Baden-Württemberg wurde erst ein Prozent der Förderungsgelder in Anspruch genommen. Lederle muss nicht lange darüber nachdenken, woran das liegt. "Gegen diesen Antrag ist jede Steuererklärung ein Kinderspiel. Nachdem man die 37  Seiten ausgefüllt hat, kann man gleich einen Antrag auf Burnout ausfüllen."

"Lasst die Schulen einfach mal machen!"

Schulleiter haben also zu diesen Zeiten alle Hände voll zu tun. Als Anerkennung für ihren Einsatz erhalten sie vom Kultusministerium einmalig eine Prämie in Höhe von 600 Euro. "Ich finde es sehr schmeichelhaft, dass meine Arbeit anerkannt wird, wohlwissend aber, dass ich nicht allein für das gute Krisenmanagement verantwortlich bin", kommentiert dies Lederle im Gespräch.

Zudem hätte man das Geld besser nutzen können. "Mir wäre es lieber gewesen, die 600 Euro beispielsweise in FFP-2-Masken oder Masken für Grundschullehrkräfte zu investieren", sagt Lederle. Denn da an Grundschulen keine Maskenpflicht besteht, sind die Lehrer dort zu wenig geschützt. Sein Rat an die Politik: "Lasst die Schulen einfach mal machen! Habt Vertrauen!"

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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