„Da müsste man mal was tun!“ Bei diesem Satz sollte es für Mark Hohensee vor vier Jahren nicht bleiben: Er ging in die Politik. Jetzt wurde der 30-Jährige zum Vorsitzenden des Landesverbandes der Jungen Liberalen (JuLis) gewählt.
Sein bisheriger Lebenslauf ist bemerkenswert. Mark Hohensee entwickelte sich vom Hauptschüler zum Bauingenieur und ist heute im eigenen, von seiner Mutter Cornelia geführten Recycling-Betrieb der Emissions- und Abfall-beauftragte.
Dass er nicht selbst Chef über die fünf Mitarbeiter ist, begründet der Jungunternehmer damit, dass er für seine Aufgabe zwei Ingenieure einstellen müsste, qualifiziertes Personal, das derzeit nicht zu finden sei.
Kunden: Vom Häuslebauer bis zum Konzern
Das Unternehmen Die Top Recycling GmbH hat vor vier Jahren ihren Sitz in Pfohren gefunden. Dort wird ungebrochener und vorsortierter Bauschutt angeliefert, der Vorort in mineralisierten Schotter verwandelt wird. Hohensees Kundschaft reicht vom privaten Häuslebauer bis hin zu Konzernen. Für seinen Baustoff muss kein Stein gefördert werden, die natürlichen Ressourcen werden geschont, ein Ansatz, der Mark Hohensee mit Blick auf den Klimawandel sehr am Herzen liegt.
Sein Konzept Gerne würde er sein Steinrückgewinnungskonzept auch auf schadstoffbelastetes Material ausweiten und seine Anlage dafür ertüchtigen, allein davor haben die Götter aber die deutsche Bürokratie gesetzt. Schon seit Jahren laufe das noch von seinem Vater Martin, Chef einer Villinger Erdbaufirma, gestartete Genehmigungsverfahren in einer „hochregulierten Branche“ und habe bereits fast eine Million Euro an Gutachten- und Anwaltskosten verschlungen, klagt Hohensee.
Schleppendes Verfahren
Das Verfahren Der Ärger über das schleppende Verfahren war für ihn schließlich Anlass für sein politisches Engagement. Mark Hohensee ist gebürtiger Villinger, wuchs in der Südstadt auf und absolvierte nach dem Hauptschulabschluss die zweijährige Berufsfachschule Metall.
Darauf folgten die Ausbildung zum Baulandmaschinenmechaniker und eine Anstellung, die er nach vier Jahren kündigte, um an der Gewerbeschule in Villingen die Fachhochschulreife zu erlangen.
Kreisläufe schließen
Seine Ausbildung Beim anschließenden Studium des Bauingenieurwesens bis zum Master entschied er sich für den Schwerpunkt Umwelt, Verkehr und Wasser, Themen, die ihn bis heute bewegen. „Ich wollte Kreisläufe schließen“, sagt er und begründet damit die Entscheidung für eine eigene Recyclingfirma.
Bei der FDP angedockt
In die Politik Dass er parallel dazu politisch bei der FDP und den JuLis andockte, erklärt Mark Hohensee mit seinem Freiheitsdrang und der Überzeugung, dass jeder Einzelne Freiräume braucht, um sich auch zum Wohle des Ganzen entwickeln zu können. Er trat der FDP und den JuLis bei, war bald im Vorstand der Kreis-Julis, dann Vorsitzender auf Bezirksebene und ist mittlerweile auch Vorstandsmitglied im FDP-Stadtverband Villingen-Schwenningen. Seit März sitzt er nun dem JuLi-Landesverband vor.
Er strebt Mandat im Gemeinderat an
Karriere? Sein Ziel sei es nicht, politisch Karriere zu machen, beteuert Mark Hohensee. Im Land- oder Bundestag sieht er sich nicht. Schließlich möchte er Unternehmer bleiben. Für die Europawahl tritt er dagegen trotz geringer Wahlchancen an, weil „Europa mir sehr wichtig ist“.
Kandidieren werde er im nächsten Jahr auch bei den Kommunalwahlen und sich für die FDP um ein Mandat als Stadtrat in Villingen-Schwenningen bewerben. „Ich würde gerne meine direkte Umgebung mitgestalten“, sagt er und das gehe auf kommunaler Ebene etwas direkter.
Schwerpunkte Als einen seiner Schwerpunkte nennt er, Auszubildende dafür zu gewinnen, sich für die Demokratie einzusetzen. „Wir müssen auch Nicht-Akademiker mitnehmen“, findet er und plädiert angesichts der Statistik, die besagt, dass sich aktuell nur 56 Prozent der Deutschen zur Demokratie bekennen, für Bildungsdiversität in der Politik. Dass er – ohne Quote – auch Frauen für Politik und politische Ämter begeistern kann, hat er in seiner bisherigen Verbandsarbeit bewiesen. Der Bezirksvorstand der JuLis ist inzwischen überwiegend weiblich. „Man muss sich einfach um die Menschen kümmern“, erklärt er seinen Akquise-Erfolg.
Schwerpunkt Verkehrspolitik
Verkehrspolitik Ein weiterer Schwerpunkt, die Verkehrspolitik, interessiert ihn seit seinem Studium. Er nimmt den Bundes-„Straßenminister“ Volker Wissing (FDP) in Schutz, wenn er sagt, dass dieser derzeit „ein System vor dem Kollaps schützen muss, dass 30 Jahre lang auf den Straßenverkehr setzte und die Bahn zu Gewinnen verdonnerte, bis sie kaputtgespart war“.
Hohensee plädiert dafür, dass, wie in der Schweiz, kein Industrie- oder Gewerbegebiet mehr ohne Gleisanschluss erschlossen wird. Nachhaltigkeit ist sein Ding. Deshalb, sagt er, habe er sich beruflich auch für das Recyceln von Baustoffen entschieden.