Die Lahrer Firmen haben nach wie vor beträchtliche Sorgen – das zeigt die neueste Umfrage der Arbeitsgemeinschaft mittelständischer Industrieunternehmen (Almi)
Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist angespannt – Lahr macht da keine Ausnahme. Und doch gibt es beim Mittelstand der Stadt einen Silberstreifen am Horizont – denn lediglich 14 Prozent der befragten Unternehmen haben im Januar ihre Geschäftslage im Jahr 2025 rückblickend als schlecht beurteilt. Vor einem Jahr hatten sich noch 36 Prozent so pessimistisch geäußert.
Der Abwärtstrend scheint gestoppt – diese Botschaft hat auch ein Pressegespräch bei der Firma Nela Brüder Neumeister vermittelt, bei dem neben Gastgeber Frank Neumeister die Firmenchefs Ralf Leser (Leser Packaging), Gregor Grüb (Metallwerk Oscar Weil), Christopher Rubin (Rubin Mühle) sowie Ulrich Wagner (Wagner System) am Tisch saßen.
Leser verwendete dabei das durchaus zwiespältige Wort „stabil“, um die Lage auf den Punkt zu bringen: Der Begriff soll beschreiben, dass sich die Lahrer Wirtschaft stabilisiert hat, impliziert aber auch das Fehlen einer dynamischen Entwicklung, die sich Unternehmer eigentlich wünschen. „Stabil auf niedrigem Niveau“, ergänzte Leser im Verlauf des Gesprächs.
Die Umfrage: 21 von 25 Mitgliedsunternehmen der Almi haben sich beteiligt, ein Rücklauf von 84 Prozent. Bei den Betrieben stehen rund 2000 Menschen in Lohn und Brot. Es ist der klassische Mittelstand – „flexibel, familiengeführt, oft inhabergeprägt, mit kurzen Entscheidungswegen“, heißt es in einer Mitteilung der Almi. Drei Viertel der Unternehmen, die bei der Umfrage mitgemacht haben, beschäftigen weniger als 100 Mitarbeiter. Es sind aber auch größere Firmen vertreten.
Der Umsatz: Eine der wichtigsten Kennziffern betrifft den Umsatz: Der ist 2025 nur bei 38 Prozent der Unternehmen gestiegen, aber bei 52 Prozent gefallen. Jedoch: 2024 hatte es noch trüber ausgesehen, da war der Umsatz bei 59 Prozent der Firmen gesunken und nur bei 18 Prozent gestiegen. Die Situation hat sich also sogar leicht gebessert. Dieses Bild ergibt sich auch beim Blick auf die Ertragslage: 38 Prozent der Betriebe berichten von gesunkenen Erträgen im Jahr 2025. Im Jahr davor waren es noch 50 Prozent gewesen.
Die Risiken: 15 der 21 Firmenchefs, die den Fragebogen ausfüllten, haben die Bürokratie als eines der größten Risiken für ihr Unternehmen ausgemacht (Mehrfachnennungen waren möglich). Sie koste Zeit und Nerven, wobei der Mittelstand wegen seiner begrenzten Ressourcen besonders betroffen sei, hieß es.
Ein Ärgernis seien nicht nur neue Vorschriften wie die EU-Entwaldungsverordnung, sondern auch unklare Entscheidungsprozesse, bei denen die Betriebe nicht wüssten, woran sie sind, monierte Ulrich Wagner. Die Politik sichert schon lange zu, dass es in dem Bereich Erleichterungen geben soll – ohne dass groß etwas passiert wäre, wie die Almi-Vertreter monierten. „Ich kann es fast nicht mehr hören, jetzt möchte ich auch mal was sehen“, sagte Leser über den versprochenen, aber nicht eingehaltenen Bürokratieabbau.
Sorgen bereiten den Firmenchefs laut der Umfrage (in dieser Reihenfolge) außerdem die schwächelnde Inlandsnachfrage, die Arbeitskosten, die deutsche Wirtschaftspolitik und die weltpolitische Entwicklung. „Viele Unternehmen beklagen langwierige Genehmigungsverfahren, regulatorische Anforderungen und hohe Lohnnebenkosten“, heißt es von der Almi.
Das Personal: Unternehmen, die Sorgen haben, planen keine großen Neueinstellungen. Tatsächlich geht nur ein einziger Betrieb von steigenden Beschäftigtenzahlen im Jahr 2026 aus. Dagegen erwarten sechs Firmen, dass sich ihr Personalstand reduzieren wird. Der Vergleich zum vorangegangenen Jahr zeigt, dass mehr Unternehmen in Lahr mit einem Personalabbau rechnen.
Die Aussichten: Wie geht es weiter? Setzt gar ein kräftiger Aufschwung ein? Damit ist eher nicht zu rechnen, zeigen die Prognosen der Mitgliedsfirmen. Demnach erwarten lediglich 33 Prozent der Betriebe steigende Umsätze (2025: 27 Prozent). Gleichzeitig bleibt fast jedes vierte Unternehmen zurückhaltend – 24 Prozent der Firmen gehen von sinkenden Umsätzen aus (2025: 23 Prozent).
Diese Einordnung spiegle die gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland wider: Viele Konjunkturindikatoren signalisierten für 2026 eine leichte Stabilisierung nach den schwachen Vorjahren – „allerdings ohne kräftigen Aufschwung“, so die Almi. Auch in Lahr gebe es mehr Hoffnung auf Wachstum, aber keine Euphorie.
Ralf Leser nannte die Gründe: „Die Unsicherheit ist so groß wie nie“, so der Chef der Firma Leser mit Verweis auf die stotternde Binnenkonjunktur im Land. „Menschen, die wenig Geld in der Tasche haben, brauchen keine zweite Uhr“, veranschaulichte der Unternehmer. Wenn aber Juweliere weniger Kunden haben, bekomme das auch sein Betrieb zu spüren, der hochwertige Verpackungen speziell für Uhren und Schmuck herstellt. Unternehmen in anderen Branchen gehe es ähnlich.
Künstliche Intelligenz: Die Almi hat ihre Mitgliedsbetriebe erstmals zum Thema KI befragt. Resultat: 15 Unternehmen setzen sie bereits ein, drei weitere haben das vor. Von den denkenden Computersystemen erwarten die Betriebe vor allem in den Bereichen Vertrieb/Marketing/Kundenservice, Verwaltung/Buchhaltung sowie Personalwesen eine Hilfe.
Ängste vor einem Personalabbau seien aber unbegründet, ist Leser überzeugt: „KI sorgt für keinen Kahlschlag auf dem Arbeitsmarkt.“
Das Verhältnis zur Stadt: Im vergangenen Jahr hatte es Ärger zwischen der Verwaltung und der Mittelstandsvereinigung gegeben – die Almi hatte sich sogar aus dem Sponsoring der Chrysanthema zurückgezogen. Es war ein Zeichen des Protests vor allem gegen die Erhöhung der Gewerbesteuer durch Stadt und Gemeinderat im November 2024. Auch die Ampel-Lösung für die Zufahrt von der B 415 zum künftigen Klinikum bei Langenwinkel gefällt den Firmenchefs nicht – sie fürchten, dass Pendler und Lieferanten auf dem Autobahnzubringer dadurch künftig (noch) mehr im Stau stehen werden.
Die Frage, ob die Almi in diesem Jahr nun wieder das Chrysanthema-Beet auf dem Urteilsplatz sponsort, blieb beim Pressegespräch offen. Das sei noch nicht entschieden, hieß es. Insgesamt gaben sich die Unternehmer aber versöhnlich. Man sei in einem regelmäßigen, guten Austausch mit der Stadt, betonte etwa Frank Neumeister.