Schon seit Längerem plant Locat Systems aus Schönau einen Neubau in Weil am Rhein. Jetzt erfolgt der Spatenstich.
Der Spatenstich am Mittwoch mit Vertretern aller Projektbeteiligten und der Stadt Weil am Rhein stand symbolisch dafür, dass es nun endlich weitergeht auf dem Lofo-Gelände.
In einer 3200 Quadratmeter großen Halle will der Auto- und Aerotec-Zulieferbetrieb Locat Systems dort künftig verschiedene Komponenten für Flugzeug-Außenhüllen fertigen. Dabei handelt es sich um Struktur- und Außenhautteile von Flugzeugen wie etwa Landeklappen und Rumpfbeplankung, präzisiert Locat-Firmeninhaber und Geschäftsführer Christian Schiessel.
Zehn Millionen Euro
Er investiert insgesamt zehn Millionen Euro am Standort Weil am Rhein, um dort künftig in direkter Nähe der Autobahn sowie Eisenbahn- und Schifffahrtswegen produzieren zu können. Anfang Oktober ist Baubeginn, die Fertigstellung der Halle bereits für Mai 2026 geplant. Ende Juni oder Anfang Juli könne dann die Produktion starten, freut sich der Bauherr.
Am bisherigen Hauptstandort von Locat in Schönau sei er räumlich an die Grenzen gestoßen, sagt er. Dort soll nun vor allem die Automotive-Sparte angesiedelt bleiben, der viele Mitarbeiter aus dieser Region verbunden sind.
Für den neuen Standort in Weil hofft Schiessel, der mit seinen Produkten unter anderem die Flugzeugbauer Airbus und Pilatus beliefert, auch französischsprachige Bewerber aus dem nahen Elsass gewinnen zu können.
Lernwerkstatt geplant
Das Unternehmen hat 37 Mitarbeiter am Standort und will, so hieß es beim Spatenstich, auch eine Lernwerkstatt in Weil am Rhein etablieren, um die Ausbildung vor Ort zu ermöglichen und eigene Arbeitskräfte heranzuziehen.
Seit 2020 laufen die Planungen bei der Freyler Industriebau Südbaden mit Sitz in Kenzingen, welche die neue Halle auf dem ehemaligen Lofo-Areal baut.
Damals bereits hatte sich Timo Hilverkus, Architekt bei Freyler, intensiv mit den Arbeitsabläufen und dem Warenfluss in der künftigen Produktionsstätte von Flugzeug-Bauteilen beschäftigt.
Erweiterung ist möglich
In einem weiteren Bauabschnitt wäre eine Verdopplung der Produktionsfläche an diesem Standort möglich, informiert Tobias Oberle, Geschäftsbereichsleiter der Freyler Industriebau Südbaden, beim Spatenstich.
Es gibt mehrere Gründe dafür, dass der Spatenstich, anders als beim Kauf des Grundstücks durch Locat Systems geplant, erst jetzt erfolgen konnte, berichtet Schiessel. Der allgemeine Stillstand durch die Corona-Pandemie war ein Grund, die unsichere Lage seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ein weiterer.
Durch den Regierungswechsel standen 2023 plötzlich Fördergelder des Bundes für energieeffizientes Bauen auf der Kippe, mit denen der Bauherr fest gerechnet hatte. Sie flossen schließlich doch, dank Unterstützung der Sparkasse als Finanzierungspartner – allerdings in kleinerem Ausmaß.
Oberbürgermeisterin Diana Stöcker rief in ihrer Ansprache die Geschichte des Areals in Erinnerung. Auf fast ein Jahrhundert Weiler Industriegeschichte könne man hier zurückblicken.
1927 war die Genehmigungsurkunde für den Bau einer elektrochemischen Fabrik in Weil-Friedlingen, einer Tochter der Lonza-Werke aus Waldshut, an genau dieser Stelle ausgestellt worden.
Das Unternehmen Lonza, zuletzt Lofo, war viele Jahre dort ansässig, bis es schließlich im Jahr 2016 Insolvenz anmelden musste. Im Jahr 2017 erwarb die Stadt Weil am Rhein das Gelände, seitdem entwickelt es die Weiler Wirtschaftsförderung WWT als Lofo-Gewerbepark.
„Für die Stadt Weil am Rhein ist das ein Meilenstein“, betonte Stöcker. Das Projekt habe seine Wurzeln lange vor ihrer Zeit im Rathaus, erinnerte sie an die Bemühungen ihres Vorgängers.